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Jetzt erhält sie auch international Aufmerksamkeit: Diese Schweizer Jazz-Musikerin startet 2019 durch

Sarah Chaksad gehört zu einer neuen Generation von aufstrebenden Frauen im Schweizer Jazz. Bild: Laura Pleifer

Sarah Chaksad gehört zu einer neuen Generation von aufstrebenden Frauen im Schweizer Jazz. Bild: Laura Pleifer

Die Musikerin und Orchesterleiterin Sarah Chaksad hat das ­Potenzial zu einer internationalen Karriere.

Die Schweizer Big Bands von George Gruntz und Mathias ­Rüegg haben den grossorchestralen Jazz in Europa über Jahre geprägt. Die 36-jährige Sarah Chaksad hat das Potenzial, in ihre Fussstapfen zu treten und diese Tradition weiterzuführen.

In Wohlen im Freiamt aufgewachsen, lebt sie seit zehn Jahren in Basel, wo sie an der Musikhochschule/FHNW Saxofon und Komposition studierte. «Ich bin dort hängengeblieben», sagt sie. Ihre Karriere ist auch ein Ergebnis der hochstehenden Musikausbildung in der Schweiz sowie eine Erfolgsgeschichte des Jazzcampus Basel.

Hier hat sie die Voraussetzungen für ihren Orchestertraum vorgefunden. Hier, im kreativen Umfeld der Musikhochschule, ist ihr Grossorchester geboren. Viele der Orchestermitglieder wie die Saxofonisten Fabian Willmann, Cedric Gschwind und Andreas Böhlen sowie die Sängerin Julie Fahrer haben hier studiert und sind heute noch dabei.

Weltklasse trifft sich an Schweizer Jazzschulen

Die Schweizer Jazzschulen sind seit einigen Jahren Anziehungspunkt für erstklassige Jazzmusiker, Lehrer und Dozenten aus aller Welt. So hat Chaksad in Basel den argentinischen Komponisten und Arrangeur kennen gelernt, der die talentierte Schweizerin stark förderte. Chaksad nennt ihn ihre grösste Inspirationsquelle.

Ebenfalls in Basel ist sie dem österreichischen Weltklasse-Gitarristen Wolfgang Muthspiel begegnet, mit dem sie auf dem Jazzcampus seit drei Jahren das Focusyear, ein einjähriges, internationales Förderprogramm für talentierte Jazzstudentinnen und Jazzstudenten, leitet. Beide, Guillermo Klein und Muthspiel, spielen auch auf dem zweiten Album «Tabriz» eine Rolle: Klein als Dirigent, Muthspiel als Gast-Solist im Titelstück.

Sarah Chaksad ist einer aktuellen, europäischen Ästhetik verpflichtet, die wenig mit dem Big-Band-Swing amerikanischer Prägung zu tun hat. Schon mit ihrem Debüt «Windmond» (2016) ist das Orchesterwerk der Komponistin und Arrangeurin mit einer äusserst farbigen Klangsprache und vielschichtigen Struktur aufgefallen.

Nun hat sie dieses Profil noch mehr geschärft und ihre neue Farbenlehre akzentuiert. Chaksad hat den grossen Klangkörper auf 18 erhöht, zum Teil neu formiert und um weitere Farben erweitert. Dabei schöpft sie die Klangwelt des bunten Haufens voll aus. Mischt subtil unterschiedliche Klangwelten und jongliert virtuos mit Motiven. Sie liebt es, gegenläufige Melodien zu setzen und dabei verschiedene Ebenen zu schaffen. Wie etwa in «Dreamcatcher», einem Auftragswerk für das Jazzfestival Frauenfeld unter der Leitung von Maria Schneider.

Neu erhält ihre Musik eine folkloristische und orientalische Färbung wie auf «Tabriz» und «Mehamn». «Das hat mit meinem familiären Hintergrund zu tun», sagt sie. «Mein Vater ist im Iran aufgewachsen, meine Mutter ist Schweizerin. Sie lebten in Persien, bevor der Schah gestürzt wurde, und haben das Land vor der Revolution 1979 verlassen.» Eine prägende Geschichte für die ganze Familie.

Auslöser für die klangliche Familienforschung war aber eine Reise nach Mehamn, der nördlichsten Gemeinde auf dem europäischen Festland. «Die dortige Volksmusik war für mich überraschend vertraut. Ich entdeckte darin Parallelen zur Persischen Musik», sagt sie. «Diese musikalische Familienforschung brachte mich auch näher zu mir und meiner Familie. Tabriz, der Geburtsort meines Vaters, ist ihm gewidmet.»

Die faszinierenden Parallelen von Skandinavien und Persien werden im Stück «Mehamn» hörbar, wo die fantastische norwegische Trompeterin Hildgunn Øiseth ein Geisshorn spielt. Ein norwegisches Volksinstrument, das mit seinen Verzierungen an orientalische Musik erinnert.

Eine neue Generation von Frauen im Jazz

Chaksads Musik hat etwas Friedliches und Versöhnliches. Sie wirkt verspielt, leicht und federnd und ist frei von Aggressionen. Typisch weiblich? Chaksad widerspricht heftig. Von geschlechtstypischen Unterscheidungen hält sie nicht viel. «Ich habe zwar relativ wenig Aggressionen, aber ich kann auch kräftige, muskulöse und knallige Musik schreiben. Vielleicht das nächste Mal», sagt sie. Chaksad gehört zu jener Generation von aufstrebenden Frauen im Jazz, die sich in ihrer Karriere nicht benachteiligt fühlen. Die sich selbstbewusst und ganz selbstverständlich in der einstigen Männerwelt Jazz bewegen.

Sarah Chaksad hat einen riesigen Schritt vorwärts gemacht, und ihr Album «Tabriz» ist etwas vom Besten, was Schweizer Jazz 2019 zu bieten hat. Kein Wunder, ist die internationale Jazzgemeinde auf die Schweizerin aufmerksam geworden.

Ihre Tour führt sie nach Frankreich, Österreich und Deutschland. Dazu will die norwegische Bergen Big Band mit der aufstrebenden Komponistin zusammen arbeiten und ihre Musik aufführen. Das Fachblatt «Jazzforum» rühmt die «Fabulierkünstlerin», und «Jazzthing» heisst sie willkommen «in den schönen neuen Big-Band-Welten». Willkommen in der farbigen Orchester-­Welt von Sarah Chaksad.

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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