Jazzmusik
Brad Mehldau über sein neustes Projekt: «Brahms wachte auf und hatte den Blues»

Jazz meets Klassik kann als gequälte Crossover-Mixtur böse danebengehen. Aber nicht bei Brad Mehldau. Mit dem Orpheus Chamber ­Orchestra an der Seite gelingt dem amerikanischen Pianisten ein grandioser Brückenschlag.

Werner Herpell, dpa
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Brad Mehldau am Piano.

Brad Mehldau am Piano.

Giorgio Perottino / Getty Images Europe

Er gehört zu den besten Pianisten unserer Zeit, ausserdem zu den vielseitigsten: Gerade einmal 50 ist Brad Mehldau und er hat schon Dutzende Alben als Solist, Bandleader oder Begleiter verschiedenster Genres im Katalog. Nun nähert sich der Amerikaner nicht zum ersten Mal der Schnittstelle von Jazz und Klassik – mit einem 34-minütigen Werk, auf dem ihn das renommierte Orpheus Chamber Orchestra unterstützt.

«Variations On A Melancholy Theme» zollt der coronabedingten Wehmut dieses Musikers Tribut, die sich schon auf dem Lockdown-Solo «Suite: ­April 2020» zeigte. «Ich stellte es mir so vor: Brahms wachte eines Morgens auf und hatte den Blues», sagt Mehldau über sein neues Projekt, das man auch als sinfonischen Jazz im Stil von George Gershwins «Rhapsody In Blue» einordnen könnte.

Bald zurück auf der Bühne in St. Moritz

Mehldau hatte das vor 50 Jahren gegründete New Yorker Kammerensemble, das stets ohne ­Dirigenten musiziert, mit einer Orchester-Version seiner Komposition beauftragt, die aus elf Variationen eines Themas, einer kurzen «Cadenza» und einer langen «Postlude»-Beigabe besteht. Diese Zusammenarbeit ist ein Glücksfall, da sie unentschlossenen Crossover-Mischmasch vermeidet: Mehldau, der auch mal Mozart-Konzerte aufführt und 2006 einen Liederzyklus mit der Sängerin Renée Fleming veröffentlichte, steht mit seiner Jazz-Herkunft im Fokus, die Orpheus-Musiker begleiten ihn hingebungsvoll. Nach einer quirligen Zugabe endet das ­Album mit dem Beifall eines begeisterten Publikums.

Das Grundthema sei – wie der Titel sagt – von Melancholie geprägt, «vielleicht sogar vom Gefühl der Resignation», erklärt Mehldau. Wenn sich die Pandemielage weiter bessert, wird der bei Amsterdam lebende begnadete Livemusiker aber hoffentlich schon bald wieder auf die Bühne zurückkehren. Ob mit Pop-Coverversionen von ­Beatles über Radiohead bis Nick Drake, eigenen Solo- und Band-Kompositionen oder eben einem Klassik-Jazz-Mix.

Brad Mehldau Orpheus Chamber Orchestra: Variations On A Melancholy Theme (Nonesuch). Erscheint am 11.6. Live: 8.7. Festival da Jazz St. Moritz.

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