Musik

Imelda May: Die Krise als Chance genutzt

Imelda May. Keystone

Imelda May. Keystone

Die irische Rockabilly-Queen hat einen Stilwechsel vollzogen. Ihr neues Album «Life.Love.Flesh.Blood» zeigt eine gereifte Sängerin mit Hang zu leisen Tönen.

Krisen seien immer auch Chancen, sagt man. Die irische Sängerin Imelda May hat dieses Motto verinnerlicht. Nach der Trennung von ihrem Gitarristen Darrel Higham, mit dem sie lange Jahre Bühne und Bett teilte, hat sie quasi die Identität gewechselt.

Statt als rockende Rebellin mit blondierter Elvis-Tolle und Leopardendress erscheint sie auf dem Cover ihres neuen Albums «Life. Love. Flesh. Blood» als reife Frau, mit schwarzem Ponyschopf und in die Ferne schweifendem Blick.

Auch musikalisch hat sich einiges verändert. Der aufreizende Rockabilly mit wildem Slap Bass und kratziger Stimme, wie ihn Mays Vorzeigenummer «Johnny Got A Boom Boom» auf den Punkt brachte, lässt nun leisen, verletzlichen Tönen den Vortritt. Mehr als früher stellt May auch ihre jazzigen Einflüsse in den Vordergrund: Einer ihrer frühen Einflüsse war die Sängerin Billie Holiday.

Reiseführer T-Bone Burnett

Dass diese Neuorientierung auch authentisch tönt, war die Aufgabe des US-Produzenten T-Bone Burnett. Mit seinen analogen Vintage-Klängen, die immer etwas Visionäres ausstrahlen, unterstützte er schon Klienten wie Alison Krauss und Robert Plant beim Richtungswechsel. Gleich die im Country-Soul-Stil gehaltene Eröffnungsnummer «Call Me» zeigt, wohin die Reise geht.

Imelda May - Should've Been You

Imelda May - Should've Been You

Zu Tremologitarre und Besenschlagzeug bittet die verlassene Sängerin ihren einstigen Liebhaber inständig, sich zu melden. Weinerlich tönt das nie, denn May weiss, dass es keine Vokalakrobatik braucht, um Gefühle zu transportieren.

So geht es auf den nächsten Songs weiter, auch wenn sich die Stimmung langsam aufheitert und die elegante Nachtclub-Melancholie von Latino-Rhythmen und ein paar expressionistischen Gitarrensoli (die auf das Konto des Tom-Waits-Sideman Marc Ribot gehen) aufgemischt wird. Imelda Mays frühe Mentoren, der Gitarrist Jeff Beck und TV-Showmaster Jools Holland, schauen vorbei und halten ihr auch nach dem Stilwechsel mit Gastbeiträgen die Stange.

Auf die Dauer wirken die Akkordfolgen und Reminiszenzen in diesen Songs allerdings zu voraussehbar, um die Intensität und Spannung während einer ganzen Album-Länge aufrechtzuerhalten. Noch ist Imelda Mays Suche nach einer neuen musikalischen Identität nicht abgeschlossen. Mit «Life. Love. Flesh. Blood» hat sie aber einen ersten grossen Schritt gemacht.

Imelda May Life. Love. Flesh. Blood. (Universal/Decca).

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