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«Ich beute das Selbst aus»: Peter Fischli kratzt im Kunsthaus Bregenz am schönen Schein

Peter Fischli im Kunsthaus Bregenz.

Peter Fischli im Kunsthaus Bregenz.

Die Soloshow ist die erste des Künstler in Europa seit dem Tod seines Partners David Weiss 2012, mit dem er als Duo Fischli/Weiss international grosse Erfolge feierte. Insgesamt ist die Ausstellung des 68-jährigen Zürchers, die sich um das Echte und das Unechte und die Umkehr von Hierarchien dreht, wenig überzeugend.

Sie fahren mit dem Snowboard über tief verschneite Hänge oder kurven mit dem Skateboard durch die Stadt. In den Werbevideos der Firma GoPro, die Kameras für die Freizeit anbietet, sind die Menschen jung und attraktiv und haben permanent Spass. Peter Fischli hat die Szenen für das Video «Work, Summer 2018» im Media Markt in Dietikon mit seinem Mobiltelefon von einem Flachbildschirm abgefilmt.

Es ist im Erdgeschoss des Kunsthauses Bregenz zu sehen, wo dem Zürcher eine Einzelausstellung ausgerichtet wird. Seit dem Tod von David Weiss 2012, seinem künstlerischen Partner, ist es seine erste grosse Soloshow in einem europäischen Museum. Als Duo Fischli/Weiss zählten sie zu den international renommiertesten Schweizer Künstlern.

Dosen auf Sockeln, die keine Dosen sind

Wie tief gehen unsere Erlebnisse, wenn wir sie ständig mit der Kamera dokumentieren? Videoarbeit «Work, Summer 2018» im Erdgeschoss des Kunsthauses Bregenz.

Wie tief gehen unsere Erlebnisse, wenn wir sie ständig mit der Kamera dokumentieren? Videoarbeit «Work, Summer 2018» im Erdgeschoss des Kunsthauses Bregenz.

Und nun diese mit Neugier erwartete Einzelausstellung des 68-Jährigen, in welcher es um das Echte, das Authentische geht und um das Gegenteil davon – die Attrappe. Auch in «Work, Summer 2018»: «Leben wir diese Bilder?», fragt Fischli rhetorisch. Doch seine Kritik an Werbeindustrie und Freizeitverhalten ist wenig originell.

Die Frage nach dem wahren Kern der Dinge stellt sich auch im ersten Obergeschoss. Dort gibt es «Cans, Bags und Boxes». Doch die Objekte, die Fischli auf Sockel stellt und in umgedrehte Sockel legt, sehen zwar annähernd so aus wie Dosen, Taschen und Schachteln.

Doch eigentlich sind alle der rund 300 Skulpturen Attrappen aus Karton, was der Künstler aufwendig zu verschleiern versucht, indem er sie mit Kaschierpapier verkleidet, grundiert und bemalt hat. Manche der Objekte sehen aus wie modernistische Kunstwerke. Fischli zitiert damit jene Skulpturen, die 1981 einen Auftritt in «Der geringste Widerstand» hatten. Es ist der erste Film, den er mit David Weiss drehte – eine ironische Analyse der Kunstwelt.

Alles aus Karton: Installation «Cans, Bags and Boxes».

Alles aus Karton: Installation «Cans, Bags and Boxes».

Doch warum müssen diese Objekte gleich den ganzen ersten Stock ausfüllen? Man wird den Verdacht nicht los, dass es dem Künstler an tragfähigen Ideen mangelte, um die schwierigen Räume zu bespielen. Im ersten Stock hängt nur eine einzige Arbeit an der Wand. Der naiv gemalte Affe ist eine Lithografie, der Ausschnitt aus einem Aquarell, das Peter Fischli als Zehnjähriger gemalt hat.

Es ist ein Vorgeschmack auf weitere 26 Affen im zweiten Stock, alle verwandt dem Affen der Kinderzeichnung. Fischli nahm sie als Vorlage für Reliefs aus Montageschaum, die er weiter bearbeitete. Entstanden sind so 26 Variationen des Affen. Was bedeutet es, die eigene Kinderzeichnung, Inbegriff des Authentischen, auszuschlachten? Peter Fischli sagt:

Eine Anspielung auf die Mechanismen des Kunstbetriebs? Auch aus dieser Serie wird man nicht ganz schlau.

Angesengtes Papier als Leerstelle an der Wand und Boxen aus Bronze.

Angesengtes Papier als Leerstelle an der Wand und Boxen aus Bronze.

Im dritten Obergeschoss sieht es aus, als hätte Fischli Löcher in die Betonwände gebrannt. Es sind Papierstücke mit angesengten Rändern, die an den Wänden zu schweben scheinen. Dort hängen auch Boxen aus Bronze, Behälter, die sonst aus Plexiglas oder Holz gefertigt sind und der Aufbewahrung der Saalblätter dienen. Fischli sagt:

Er hinterfragt die Institution Museum auch, indem er die eleganten Möbel beim Eingang durch einen Tresen aus weissem Sperrholz ersetzt hat. Doch dem erhabenen Zumthor-Bau ist dadurch kaum beizukommen.

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