Seit mehr als drei Jahrzehnten begeistert Jeff Goldblum in Filmen wie «Jurassic Park», «Independence Day» und «The Fly» als Schauspieler. Aber Goldblum als Jazz-Pianist? Das ist für die meisten wohl neu. Gemeinsam mit seiner Band The Mildred Snitzer Orchestra hat der 66-jährige Amerikaner das Jazz-Standard-Album «The Capitol Studios Sessions» eingespielt. Darauf beweist er sich auch als vorzüglicher Musiker.

Herr Goldblum, weshalb haben Sie ein Jazz-Album aufgenommen?

Jeff Goldblum: Oh, boy, ich bin selbst erstaunt. Diese Geschichte kam über Gregory Porter zustande, diesen wundervollen Jazzsänger. Vor einem Jahr lernten wir uns bei einer TV-Sendung kennen, wo er sein Nat-King-Cole- Album vorstellte. Die TV-Leute fragten mich, ob ich Lust hätte, Gregory am Piano beim Song «Mona Lisa» zu begleiten. Das brachte das Label «Decca» auf die Idee, ein Album zu machen.

Darauf ist auch der weltbekannte Trompeter Till Brönner zu hören. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Till ist toll. Mein Produzent Larry Klein hat ihn mitgebracht. Auch die Sängerinnen Imelda May und Haley Reinhart. Ich selbst fragte noch Sarah Silverman, die mit Till zusammenarbeitet. Sonst war es meine übliche Band, mit der ich die Aufnahmen gemacht habe.

Wie lange spielen Sie schon zusammen?

Seit vielen Jahren. Wenn ich nicht irgendwo auf der Welt drehe, treten wir jede Woche im Club namens «Rockwell» in Los Feliz in Los Angeles auf. Der Schuppen ist jedes Mal ausverkauft und das Publikum scheint glücklich zu sein. Unsere Konzerte sind ziemlich populär, das kann man ohne falsche Bescheidenheit festhalten. Jetzt freue ich mich darauf, rauszukommen und auf Tournee zu gehen. Wir werden einige Abende in Paris und in Berlin spielen. Und wer weiss, was noch alles kommt.

Ist das Album ein Traum von Ihnen?

Nein, das kann ich wirklich nicht behaupten. Ich hatte mir schon gar nicht in den Kopf gesetzt, eines Tages in den Capitol Studios ein Live-Album einzuspielen, so vermessen wäre ich nie gewesen. Seit ich ein Kind war, hatte ich stattdessen immer diesen verrückten, aber in meinem Kopf vollkommen klaren und für mich selbst einleuchtenden Plan, ein Schauspieler zu werden. Ich lernte aber schon als Kind Klavier, und als ich mit Jazz in Berührung kam, entfachte meine Leidenschaft. Ich trat früh auf, zog aber mit 17 nach New York, wo das mit der Schauspielerei anfing. Ich trat am Broadway in Musicals und Theaterstücken auf und drehte meine ersten Filme. Dennoch war immer dort, wo ich lebte, auch ein Piano. Mein Schauspiel-Kollege Peter Weller kam öfter zu mir nach Hause und wir spielten zusammen. Es war dann Woody Allen, der ja auch Jazz-Klarinettist ist, der uns zu öffentlichen Auftritten ermunterte. So ging das los.

Wie haben Sie als Kind Jazz erlebt?

Ich erinnere mich, dass immer, wenn ich etwas Jazziges hörte, etwas in meinem Körper vor sich ging, eine wohlige Reaktion (lacht). Als mein Musiklehrer es endlich aufgegeben hatte, mir klassische Stücke beizubringen, und mir stattdessen Jazz zum Lernen gab, brachte mich das richtig in Wallung. Auf einmal hatte ich richtig Lust auf meine Klavierstunden. Das war in den Sechzigern, und als eines Tages mein Vater auch noch eine Platte des grossen Jazzpianisten Erroll Garner nach Hause brachte, war es endgültig um mich geschehen.

Hätte es passieren können, dass Sie nicht Schauspieler, sondern professioneller Musiker geworden wären?

Ja. Wenn ich gleich gute Engagements als Pianist in New York bekommen hätte, dann wäre das möglich gewesen. Aber ich war zu meiner eigenen Überraschung ziemlich schnell drin in dieser Film- und Bühnenwelt und hatte für die Musik nicht mehr so viel Zeit.

Die 66 sieht man Ihnen nicht an. Sie wirken umso jünger, je älter Sie werden. Gibt es ein Geheimrezept?

Nein, das Geheimnis ewiger Jugend kenn ich auch nicht. Was allerdings wahr ist: Ich fühle mich momentan wirklich grossartig. Ich bin ein Spätzünder. Ich spiele heute besser Musik als je zuvor, und auch als Schauspieler gefalle ich mir immer besser. Ich halte es für entscheidend, sich permanent weiterzuentwickeln, an sich zu arbeiten, Neues zu lernen. Gerade als Künstler bist du nie fertig. Und so scheint meine Arbeit mit zunehmendem Alter immer besser zu werden. Es ist die beste Zeit meines Lebens.

Auch privat?

Ja, ich bin glücklich verheiratet, seit sieben Jahren bin ich zusammen mit Emilie. Ich hatte keine Kinder, aber jetzt kam vor drei Jahren unser erster Sohn Charlie Ocean und vor achtzehn Monaten unser zweiter Sohn River Joe zur Welt. Plötzlich Vater zu sein, das ist ein echtes Erweckungserlebnis für mich gewesen. Die Kinder haben so viel Licht, so viel Freude in mein Dasein gebracht, ich kann wirklich nur die Welt umarmen. Zurzeit ist einfach alles super.

Wie sind Sie als Vater?

Meine Frau setzt den Jungs ein paar Grenzen. Ich tendiere dagegen dazu, Spass mit den Buben zu haben. Ich bringe die zwei so schrecklich gerne zum Lachen, ich glaube, das ist meine Kernkompetenz in der Erziehung.

Sind Ihre Kinder auch so wild auf Dinosaurier wie die meisten kleinen Jungs? Und wissen sie, dass ihr Vater im berühmten Dinosaurier-Film «Jurassic Park» mitgespielt hat?

Das Lustige ist, wir halten die Jungs vorerst von allem fern, was mit Bildschirmen zu tun hat. Sie haben also noch nie ein Handy in der Hand gehabt, auch kein Tablet, und sie haben noch nie ferngesehen. Also auch noch nie einen Film geschaut.

Ihre Frau Emilie ist 30 Jahre jünger als Sie und war Profi-Turnerin. Zeigt Sie Ihnen, wie man sich bewegt?

Oh ja, und ob. Emilie ist eine Weltklasse-Athletin, immer noch. Sie war im kanadischen Olympiateam in der Rhythmischen Sportgymnastik. Und sie macht immer noch ständig Sport und war zum Beispiel Tanzdouble von Emma Stone in «La La Land». Meine Spezialdisziplin ist es aber nicht. Ich bin ein bisschen zu gross und zu ungelenkig.

Sie haben immer ein Lächeln im Gesicht. Wie kommt das?

So bin ich schon immer gewesen. Ich lasse mich schnell für eine Sache begeistern und trage diese übergrosse Portion Lebensfreude mit mir herum. Ich denke, mein Spass am Leben bugsiert mich immer wieder in neue spannende Projekte, er ist der Motor meiner Aktivitäten. Yeah, ich bin sehr glücklich. Und Ich bin unfassbar dankbar für alles, was ich machen kann. Gerade habe ich den Film «The Mountain» gedreht, der im Wettbewerb des Filmfestivals von Venedig lief. Ich spiele einen Arzt. Als Nächstes kommt eine Serie mit dem Sender «National Geographic», wo es um wissenschaftliche Themen geht. Die Wissenschaft ist eine weitere meiner vielen Leidenschaften.

Sie gelten nicht gerade als Trump-Freund. Haben Sie die Sorge, dass sich das dunkelste Kapitel der Geschichte wiederholen könnten?

Meine Güte, ja, das ist eine ernste Frage. Ich verachte Fanatismus, Rassismus und den Gedanken, dass irgendjemand besser oder schlechter ist als irgendjemand anderes. Es ist so hässlich und so dumm, anderes auch nur zu denken, und mit diesem Denken andere Menschen zu verletzen. Ja, ich tue, was ich kann, den Ball weiter im Feld des Fortschritts und der Mitmenschlichkeit zu halten. Ich wünsche mir einen friedlichen Planeten, der von liebevollen Lebewesen bevölkert wird.

Jeff Goldblum & The Mildred Snitzer Orchestra: «The Capitol Studios Session», Decca.