Ein Fest der Musik
Göttlich! Derek Trucks interpretiert Gitarrengott Clapton

Die Tedeschi Trucks Band wagt sich an ein Remake von «Layla and Other Assorted Love Songs» von Eric Claptons Derek & The Dominos. Entstanden sind fast 100 Minuten Musik, von der wir nicht genug kriegen können.

Stefan Künzli
Merken
Drucken
Teilen
Die Tedeschi Trucks Band mit den Co-Leadern Derek Trucks und Susan Tedeschi (4. und 5. v.l.): Aktuell wohl eine der spannendsten und besten Bands.

Die Tedeschi Trucks Band mit den Co-Leadern Derek Trucks und Susan Tedeschi (4. und 5. v.l.): Aktuell wohl eine der spannendsten und besten Bands.

Bild: zvg

Das Album «Layla and Other Assorted Love Songs» markiert einen Höhepunkt im Schaffen von Gitarrengott Eric Clapton. Im Dezember 1970 mit seiner damaligen Band Derek & The Dominos veröffentlicht, ist der Titelsong «Layla» ein Rock-Klassiker. Das Doppelalbum selbst gehört zu den «500 besten Alben aller Zeiten» der Zeitschrift «Rolling Stone».

Eigentlich kann man ja nur scheitern, wenn man sich heute, 50 Jahre danach, an ein solches Meisterwerk wagt. Trotzdem stürzte sich die Tedeschi Trucks Band in das Abenteuer, das ganze Doppelalbum Song für Song an einem Konzert des LOCKN’ Festivals in Arrington/Virginia zu interpretieren.

Clapton hat Derek & The Dominos aus der Frustration über den medialen Hype der Supergroups Cream und Blind Faith gegründet. Mit den renommierten, aber relativ unbekannten Musikern Bobby Whitlock, Jim Gordon und Carl Radle. Der Bandname entstand, weil Clapton auf der Bühne einmal als «Derek» statt «Eric» angekündigt wurde. Clapton wollte sich mit dem Bandnamen aus dem Scheinwerferlicht nehmen.

Viele Bezüge von Trucks zu Clapton

Es klappte nicht – im Gegenteil: Clapton untermauerte damit seinen göttlichen Status. Die Eltern von Derek Trucks waren sogar so begeistert, dass sie acht Jahre später ihren Filius in Referenz an Clapton und seine berühmte Band Derek tauften. Es gibt aber noch weitere Bezüge und Verbindungen von Trucks zu Clapton und der ikonenhaften Band: Auf dem legendären Album wirkte nämlich auch Duane Allman der Allman Brothers Band als Gastgitarrist mit (10 Monate später verunglückte er tödlich). Derek Trucks Onkel Butch Trucks war Gründungsmitglied der Allman Brothers Band und der Neffe selbst, also Derek Trucks, wurde 1999 fixes Mitglied der Band.

Für dieses Remake legitimiert Derek Trucks aber vor allem seine Klasse als Gitarrist. Als Slide-Gitarrist kann ihm heute kaum einer das Wasser reichen, und auf einer aktualisierten Liste der «100 grössten Gitarristen aller Zeiten» käme er Clapton (aktuell Platz 2) und Duane Allman (Platz 9) wahrscheinlich sehr nahe.

«Layla Revisited» ist mehr als eine Verbeugung vor diesem Meisterwerk der Rockgeschichte. Es ist ein Fest der Musik, gefeiert von einer der besten Bands der Gegenwart. Im Mittelpunkt steht natürlich die grandiose Gitarrenarbeit von Derek Trucks. Kongenial und gefühlvoll sekundiert wird er vom Gitarrenkollegen Trey Anastasio, bekannt von der amerikanischen Band Phish und selbst ein grosser Gitarrenmeister. Er übernimmt auf dem Remake die Rolle von Duane Allman und singt auch. Die Interaktionen der beiden Gitarristen, die Gitarrenduelle, die sich ins Ekstatische steigern, sind die Höhepunkte auf diesem feinen Remake.

Der soulige Gesang von Co-Leaderin Susan Tedeschi setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Und auch sie ist nicht ohne Bezug zum Meisterwerk: Fast genau zur Zeit der Veröffentlichung ist sie geboren.

Dabei werden die Originalsongs gar nicht gross verändert. Ergänzt durch Bläsersektion und Backing Vocals, bleibt das Grundgerüst bestehen. Doch das Remake lebt von der Instrumentalkunst der Exponenten und deren Individualität. Sie erlaubt eine Ausdehnung des Werks von ursprünglich 75 auf fast 100 Minuten. Von diesem inspirierenden, begeisternden Feuerwerk können wir einfach nicht genug kriegen.

Tedeschi Trucks Band Layla Revisited (Live At LOCKN’) (Universal).