Preise verliehen

Zwei Dokfilme gewinnen an den Solothurner Filmtagen

An den Solothurner Filmtagen ist der Film «Des moutons et des hommes» von Karim Sayad mit dem «Prix de Soleure» ausgezeichnet worden. Der Publikumspreis ging an «Der Klang der Stimme» von Bernard Weber.

Zum ersten Mal in der Geschichte des «Soirée du clôture», des Schlussabends der Solothurner Filmtage wurde der Anlass von einem Medienprofi moderiert. Wer könnte das besser als der Solothurner Dani Fohrler. Er lebe und liebe schliesslich in dieser Stadt, meinte er lachend. Und so gut gelaunt führte er durch diesen Abend im vollbesetzten Landhaus-Saal.

Einen Hauch von «Glanz und Gloria» verströmend, interviewte Fohrler zuerst den Präsidenten der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage, Felix Gutzwiller auf der Bühne. «Ich liebe Solothurn, aber ich lebe – noch – nicht hier», nahm dieser die Steilvorlage auf und gab seiner Freude Ausdruck, dass das Festival in der Stadt so gut verankert ist. Neben den Filmen habe er auch einige Entdeckungen in der Beizenlandschaft von Solothurn machen können, sagte Gutzwiller. Und erstaunt sei er zu sehen, wie reichhaltig und breit gefächert das Schweizer Filmschaffen in einem Jahr doch sei kann.

Die Marathonläuferin

Den nächsten Interviewpartner, den Fohrler auf die Bühne holte, war Filmtagedirektorin Seraina Rohrer. «Wie geht es, jetzt kurz vor dem Zieleinlauf nach einem Marathon?», wurde sie gefragt. «Ich bin erleichtert, dass alles gut geklappt hat und an einem solchen Abend bin ich auch immer ein wenig traurig, dass es zu Ende ist und man Abschied nehmen muss». Sie habe sich sehr gefreut, dass Bundespräsident Alain Berset trotz seines vollen Terminkalenders zur Eröffnung nach Solothurn gekommen sei und damit seine Wertschätzung für die Kultur und das Schweizer Filmschaffen dokumentiert habe.

«Auch wenn er Trump mitgenommen hätte, wären wir vorbereitet gewesen», gab sie Fohrler Antwort auf die entsprechende Frage. Kurz erwähnte sie ein paar Highlights der 53. Solothurner Filmtage: Der Eröffnungsfilm, der Rencontre-Gast Christoph Schaub, der Tag, an dem man übers Drehbuchschreiben debattierte, die Diskussionen rund um die No Billag-Abstimmung, die Bolex-Ausstellung oder auch die vielen Publikumsreaktionen nach den Filmprojektionen.

Sie berichtete von einer Begegnung, die sie besonders berührte. «Nach der Vorführung von ‹Mario›› wurde Regisseur Marcel Gisler von einem Mann angesprochen: ‹Ich heisse Mario, bin schwul und habe bei YB Fussball gespielt!› Ich freue mich zu sehen, wie neugierig und engagiert unser Publikum dem Schweizer Filmschaffen begegnet. Ihr seid das beste Publikum, das man sich wünschen kann.», rief sie in den Saal. Gemäss Hochrechnung werden dieses Jahr 63'000 Eintritte gezählt, rund 2000 weniger als letztes Jahr.

Seraina Rohrer und Dani Fohrler präsentieren die Plakate für die 54. Solothurner Filmtage

Seraina Rohrer und Dani Fohrler präsentieren die Plakate für die 54. Solothurner Filmtage

Landammann in Fasnachtslaune

Es war dann an Landammann Roland Heim, ein paar offizielle Worte des Dankes von Seiten des Kantons Solothurn das Publikum zu richten. Er hob den Stellenwert der Filmtage für Stadt und Kanton Solothurn hervor, auch wenn in der Budget-Debatte der Antrag der Regierung, die Filmtage aus dem ordentlichen Budget zu alimentierten, vom Kantonsrat jüngst abgelehnt wurde. «Die Unterstützung an sich ist auf keinen Fall infrage gestellt», so der Finanzdirektor weiter.

«Es ist nur die Art der Finanzierung.» Heim erinnerte sich, wie er selbst als junger Mann an den Filmtagen keinen einzigen Film verpasste; wie ein Film auch mal gnadenlos aussgepfiffen wurde und wie danach in Rauchschwaden sitzend diskutiert wurde.

Er hielt einen flammenden Appel gegen die No Billag-Vorlage. Schliesslich hatte Heim – wahrscheinlich schon ein wenig in Fasnachtslaune – gleich noch einen Vorschlag, wie der «Prix de Soleure» zu einem einprägsameren Namen kommen könne. «Wie wärs, wir würden ihn einfach ‹Kurt› nennen».

Die ganze 10-minütige Rede von Landammann Roland Heim zum «Prix de Soleure» 2018

Die ganze 10-minütige Rede von Landammann Roland Heim zum «Prix de Soleure» 2018

Am Schluss hat er ein paar witzige Vorschläge, wie der «Prix de Soleure» auch noch heissen könnte.

Prix du Public

Um es gleich vorwegzunehmen: Regisseur Bernard Weber erhielt für «Der Klang der Stimme» den mit 20 000 Franken dotierten Publikumspreis. Der Prix du Public wird seit 12 Jahren vom Festival-Hauptsponsorin Swiss Life verliehen. Andreas Fischer, Sponsoring-Verantwortlicher erklärte gerne die Gründe, warum sein Unternehmen die Solothurner Filmtage unterstützt: «Unser Unternehmen kann auf eine lange Tradition zurückblicken, ebenso die Filmtage.

Und wir stehen mit unserem Unternehmen für Selbstbestimmung und Engagement – ebenso wie die Solothurner Filmtage». Die Preissumme von 20'000 Franken geht je zur Hälfte an Regie und Produktion (Artisan Films). Bernard Weber hatte den Publikumspreis der Solothurner Filmtage bereits 2012 für «Die Wiesenberger» gewonnen.

Bernard Weber darf den «Prix du Public» entgegennehmen. «Das Geld kommt zu einem perfekten Zeitpunkt.»

Bernard Weber darf den «Prix du Public» entgegennehmen. «Das Geld kommt zu einem perfekten Zeitpunkt.»

Prix de Soleure

Den zehnten «Prix de Soleure» konnte Regisseur Karim Sayad für «Des moutons et des hommes» entgegen nehmen. Der Schweiz-Algerier taucht in seinem Debütfilm in die Cité Bab-El-Oued von Algier ein, wo Wettkämpfe zwischen Schafböcken das gesellschaftliche Gefüge prägen.

Die Jury mit Xavier Koller, Regisseur, Pascale Kramer, Autorin und Flavia Kleiner, Operation Libero sehen im Dokumentarfilm ein eigentliches Gesamtkunstwerk: «Regie, Kameraführung, Licht, Schnitt, Rhythmus, die Bewegungen der Darsteller und der Schafe agieren in perfekter Harmonie.»

Vergabe des Prix de Soleure an «Des hommes et des moutons» von Karim Sayad: «Wir lieben diesen Film», meint die Jury.

Vergabe des Prix de Soleure an «Des hommes et des moutons» von Karim Sayad: «Wir lieben diesen Film», meint die Jury.

Die mit 60'000 Franken dotierte Auszeichnung wird getragen vom Fonds «Prix de Soleure» sowie dem Kanton und der Stadt Solothurn. Die Preissumme geht je zur Hälfte an Regie und Produktion.

Karim Sayad, Träger des «Prix de Soleure» 2017: «Der Preis ist für mich eine Ermunterung weiterzuarbeiten.»

Karim Sayad, Träger des «Prix de Soleure» 2017: «Der Preis ist für mich eine Ermunterung weiterzuarbeiten.»

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