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Zukunftsangst um Kultserie: «Black Mirror» wird unglaubwürdig

© Netflix

Die Kultserie «Black Mirror» warnt grandios vor den Gefahren der Zukunft. Doch nun muss man sich um die Zukunft der Serie selber sorgen.

Die Geschirrspülmaschine gibt den ersten Hinweis darauf, dass wir uns in der Zukunft befinden: «Gefahr durch Besteck», sagt sie, als Theo die Messer falsch einräumt. Auch in der fünften Staffel der Serie «Black Mirror» warnen uns die Macher davor, wie uns die negativen Folgen unserer technologischen Errungenschaften in naher Zukunft einholen werden. In den neuen Episoden geht es dann aber weder um hyperintelligente Haushaltsgeräte noch um die Antirisikogesellschaft, sondern um Virtual Reality, soziale Medien und künstliche Intelligenz.

Es sind dies Themen, die allesamt schon in früheren Folgen behandelt worden sind. Das wäre nicht weiter schlimm, würden die neuen Folgen punkto Qualität gegenüber den Vorgängern nicht dermassen abfallen. Der Reiz der meisten «Black Mirror»-Folgen besteht in einer brillanten (technologischen) Idee, mit der man nicht nur eine eigenständige 60-minütige Folge, sondern eine ganze Serie speisen könnte.

Die Serie wird unglaubwürdig

Auf die neuen Episoden trifft das nun kaum mehr zu. Im Zentrum stehen nicht mehr die Technologien selbst, sondern Geschichten, die sich irgendwie um neue Technologien drehen, aber in ihrer Entwicklung kaum vom Fleck kommen. So wirken die Folgen stellenweise langatmig – und die gefährlichen technologischen Errungenschaften unglaubwürdig.

Am deutlichsten wird das in der dritten Folge «Rachel, Jack and Ashley Too» mit Miley Cirus. Diese spielt die flache Popprinzessin «Ashley O», die ihre Teenager-Fans mit Plattitüden wie «Wenn du es wirklich willst, kannst du es auch schaffen» eindeckt – und sich selber in ihrer Rolle gefangen fühlt. Das Merchandising-Team landet einen Coup und entwickelt einen «Ashley»-Roboter, der die Sängerin in die Kinderzimmer ihrer Fans bringt. Er soll über die Persönlichkeit von «Ashley O» verfügen. Dass das nicht nur Marketing-Speech ist, zeigt sich, als sich einer dieser Roboter aufmacht, um die richtige «Ashley O» aus den Fängen ihres Managements zu befreien. Klingt nach einem hanebüchenen Plot – und genau das ist es auch.

Raffinierter ist die Ausgangslage in der Folge «Smithereens», in der ein Kidnapper den Boss eines mächtigen Social-Media-Konzerns ans Telefon kriegen will, dieser aber – trotz aller Vernetzung, die er geschaffen hat – unauffindbar ist, weil er sich längst aus der sozialen Welt verabschiedet hat, um sich der Meditation zu widmen. Ein bisschen philosophischer geht es in «Striking Vipers» zu: Hier geht es um die Frage, wie sich die Beziehung zum besten Freund verändert, wenn dieser (in der virtuellen Realität) plötzlich eine Frau ist.

In solchen pointierten Absurditäten blitzt das Potenzial von «Black Mirror»-Schöpfer und Drehbuchautor Charlie Brooker auf. Leider aber sind sie viel zu selten. Doch nicht nur das ist neu: Die Folgen münden nicht mehr zwangsläufig in ein dunkelschwarzes Ende wie bei (den meisten) vorherigen. Sollte sich Brooker tatsächlich mit der Zukunft versöhnt haben, wären das schlechte Nachrichten für die Zukunft der Serie.

Black Mirror von Charlie Brooker. Die 5. Staffel gibts jetzt auf Netflix.

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