Film/TV

Star-Wars-Regisseur J. J. Abrams: «Ich freue mich auf etwas ohne Raumschiff»

Regisseur J.J Abrams: «Die Anfrage kam unerwartet.»

Regisseur J.J Abrams: «Die Anfrage kam unerwartet.»

Mit «Star Wars: Rise of Skywalker» läuft ab Mittwoch die letzte Episode der dritten Krieg-der-Sterne-Trilogie im Kino. Regie führte noch einmal J.J. Abrams Regie. Jetzt will er aber wieder neue Kinogeschichten erzählen.

Mit «Star Wars: Rise of Skywalker» beenden Sie die aktuelle «Star Wars»-Trilogie und damit die Sky­walker Saga. Wie gingen Sie dieses monumentale Unterfangen an?

J. J. Abrams: Es ist eine riesige Challenge und Ehre, diese Saga zu beenden. Ich bin ja sonst eher der, der Geschichten und Serien anfängt – auch diese Trilogie. Hauptfigur Rey ist jetzt reifer, ihre Herausforderungen grösser und tiefgründiger. Es ist uns ein tolles, berührendes Ende gelungen.

Sie hatten nicht damit gerechnet, dass Sie noch einen «Star Wars»- Film inszenieren. Nach dem Ausstieg von Colin Trevorrow landete die Aufgabe wieder bei Ihnen...

Stimmt, die Anfrage kam unerwartet. Ich hatte einen Film in der Serie gemacht und war froh, dass er gut ankam. Wieso sollte ich das Glück nochmal herausfordern? Als ich aber angefragt wurde, war die Versuchung zu gross.

Zu den Herausforderungen gehörte der unerwartete Tod von Carrie Fisher. Welche Möglichkeiten zogen Sie für den Abschied von Princess Leia in Betracht?

Ich konnte mir kein Szenario vorstellen, in dem sie nicht im Film sein würde. Leia hatte ihr Leben damit verbracht, sich gegen die Unterdrückung des Empires aufzulehnen, und nun ist ihr Sohn und ihre Hoffnung Kylo Ren, der Supreme Leader der Organisation, die sie immer bekämpfte. Das Ende der Geschichte kann man nicht ohne sie erzählen. Eine Ersatzschauspielerin kam nicht in Frage. Sie war einmalig.

So haben Sie unverwendetes Filmmaterial von ihr eingesetzt.

Ja, dass wir dieses Material hatten, war ein dieser kosmischen «Star Wars»- Wunder. Das heisst: Jedes Mal, wenn man Carrie im Film sieht, ist es Carrie. Wir konnten aber fast alles so verwirklichen, wie wenn Carrie da gewesen wäre. Dazu kommt, dass ihre Tochter Billie Lourd auch im Film ist. Es war uns wichtig, dass es für sie stimmte.

Es heisst, Carrie Fisher hatte eine Vorahnung, dass Sie das Ende der Saga inszenieren würden?

Ja, als ich den Job für «The Rise of Skywalker» bekam, lebte sie bereits nicht mehr. Aber in ihrem letzten Buch «The Princess Diarist» schrieb sie bei den Verdankungen «ein besonderes Dankeschön an J.J. Abrams, der mich zweimal ertrug». Ich weiss nicht, was sie damit meinte. Ich hatte vor «The Force Awakens» nie mit ihr gearbeitet. Mir läuft es kalt den Rücken runter, wenn ich darüber rede. Vielleicht hatte sie tatsächlich eine Vorahnung. Vielleicht sollte es auch nur ein Witz sein – klassische Carrie halt.

© CH Media

«Rise of Skywalker» gehört zu den grossen Kinoereignissen des ­Jahres. Mit welcher technischen Errungenschaft trumpfen Sie auf?

Mit allerlei. Die Figur Maz Kanata beispielsweise, die in der Episode VII: The Force Awakens von Lupita Nyong’o gesprochen wurde, ist jetzt physisch da. Das hätten wir damals noch nicht hingekriegt. Gewisse Simulationen waren vor vier Jahren nicht möglich. Auch bei der Beleuchtung gab es Fortschritte. Alles umsetzen zu können, ist aber nicht immer hilfreich...

Wie meinen Sie das?

Nur weil man etwas umsetzen kann, heisst das noch nicht, dass man es auch umsetzen sollte. Die vielen Möglichkeiten, die man heute hat, können auch eine negative, lähmende Wirkung haben. Ich würde behaupten, dass spektakuläre Effekte der Story den Weg versperren können. Wir haben alle schon Filme mit unglaublichen visuellen Effekten gesehen, aber man kam sich als Nobody in der Geschichte vor. Das visuell Aufregendste ist, was im Gesicht der Schauspieler abgeht. Nichts ist emotional überzeugender als die Augen eines Schauspielers.

Was bedeutet das für Ihre nächsten Projekte?

Für mich ist das sehr wahrscheinlich das Ende der «Star Wars»-Welt. Als Nächstes will ich Teil der Welle sein, die als Gegengewicht zu all den Sequels und Reboots, die wir momentan sehen, neue Geschichten im Kino erzählt. Früher liess man sich von Filmen inspirieren und reagierte mit neuen Werken darauf. Jetzt macht man sie einfach nach. Deshalb wandern Zuschauer und Filmemacher zu den Streamingportalen ab, weil da die neuen, originellen Ideen erzählt werden. Man spricht vom goldenen TV-Zeitalter. Ich möchte mithelfen, dass wir auch wieder ein goldenes Kinozeitalter erleben.

Gibt es schon konkrete Ideen?

Ich bin mit dem Kopf immer noch bei «Star Wars». Die Frage erinnert mich daher an meine Mutter, die beim Mittagessen schon wissen wollte, was sie zum Abendessen kochen sollte. Keine Ahnung, irgendetwas wird es schon sein müssen, denn ich werde zweifelsohne wieder Hunger haben. Bevor ich für «Rise of Skywalker» engagiert wurde, schrieb ich eine Pilotfolge für eine HBO-Serie. Vielleicht mache ich die zuerst. Ich vermisse den Alltag als Showrunner und die familiäre Atmosphäre, mit Autoren an Geschichten zu arbeiten. Ich freue mich jedenfalls auf Abwechslung, auf etwas Neues – nach Möglichkeit etwas ohne Raumschiff.

Wie werden Sie auf Ihre fünf «Star Wars»-Jahre zurückblicken, wenn Sie einmal 80 sind?

Ich hoffe, dass wir dem gerecht wurden, was vorher kam, dass wir überraschende Wege einschlugen und damit die Leute unterhielten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1