Kino
Spider-Man Tom Holland: Superheld für die Generation Smartphone

Tom Holland erfuhr auf Instagram, dass er der neue Spider-Man ist. Der 21-jährige Brite bewegt sich, wie seine berühmte Filmfigur, permanent in den sozialen Medien. Selbst während des Interviews. Eine Begegnung.

Lory Roebuck
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Tom Holland (21) erfuhr auf Instagram, dass er der neue Spider-Man ist. Michael Muller/CTMG

Tom Holland (21) erfuhr auf Instagram, dass er der neue Spider-Man ist. Michael Muller/CTMG

Michael Muller

Früher hätte einer wie Tom Holland das Cover der «Bravo» und anderer Jugendmagazine geziert. Der 21-jährige Brite erscheint in einer hippen Bomberjacke und coolen Sneakers zu unserem Interviewtermin in Berlin. Mit seiner Hand streicht er sein Haar lässig aus den Augen, seine Stimme ist warm, seine Antworten knapp und klar. Holland ist einer der Marke Boyband, einer der Marke perfekter Schwiegersohn. Sein Funkeln in den Augen sagt: Mit mir kannst du Pferde stehlen.

Wie fast alle jungen Filmstars heute fingert Tom Holland während des Interviews immer wieder an seinem Handy herum. Der gebürtige Londoner, der vor knapp fünf Jahren im Tsunami-Drama «The Impossible» sein Kinodebüt gab, erhielt im Sommer 2015 den Zuschlag für die Neubesetzung der Spider-Man-Rolle. Davon erfuhr er auf seinem Handy – allerdings nicht wie üblich durch einen Telefonanruf. Holland wollte gerade auf Instagram ein Foto hochladen, als auf dem Kanal des Filmstudios Marvel eine Ankündigung aufblitzte: «Tom Holland ist der neue Spider-Man». «Ich dachte, das sei ein Scherz, die sind bestimmt gehackt worden», erinnert sich der 21-Jährige.

Auf der Social-Media-Plattform hat Holland derzeit über zweieinhalb Millionen Follower, seit «Spider-Man: Homecoming» vor einer Woche in den US-Kinos gestartet ist, schnellt diese Zahl täglich rapide nach oben. Die Bilder, die der Schauspieler dort veröffentlicht, zeigen den coolen Tom, den glamourösen Tom, den spassigen Tom. In Berlin, Rom, Schanghai. Ein junger Filmstar, der gerade die Welt erobert.

Nie ohne Handy unterwegs

Die sozialen Medien sind seine Welt. Und sie sind auch die Welt seiner Filmfigur. In «Spider-Man: Homecoming» (ab Donnerstag im Kino) ist der Superheld im rotblauen Spinnenkostüm nie ohne sein Handy unterwegs. Seine ersten Szenen im Film sehen wir komplett aus der Perspektive seines mobilen Geräts: Spider-Man filmt sich dabei, wie er auf andere Superhelden wie Iron Man und Captain America trifft. Das, erzählt Tom Holland, sei als Augenzwinkern gegenüber dem Original-Spider-Man zu verstehen: In den Comicvorlagen (und in den früheren Kinofilmen) ist Spider-Man alias Peter Parker ein Fotograf.

«Mein Spider-Man ist der Superheld der Smartphone-Generation», sagt der 21-Jährige. «Er weiss, wie man Instagram benutzt und Videos auf Youtube hochlädt.» Als er in einer Filmszene eine Hausfassade hochklettert, ruft ihm ein Passant zu: «Du bist doch der Spinnenjunge auf den Youtube-Videos!» «Nenn mich Spider-Man», entgegnet der von Holland gespielte Superheld – und weil er dabei gefilmt wird, macht er noch – schwupps – einen Salto.

So angeberisch, so selbstverliebt haben wir Spider-Man selten gesehen. Im Vergleich zu den letzten beiden Spidey-Darstellern, Tobey Maguire (er war 27 Jahre alt, als «Spider-Man» 2002 ins Kino kam) und Andrew Garfield (29-jährig bei «The Amazing Spider-Man» 2012), ist Tom Holland deutlich jünger. Dem 21-Jährigen ist es wichtig, die Unterschiede zu seinen Vorgängern herauszustreichen: Sein Spider-Man gehe noch zur High School und sei dank altersbedingten Unsicherheiten viel lustiger. «Spider-Man ist für mich ein kostümiertes Kind, das eine Gaudi hat.» Tatsächlich: Der Film hat eine hohe Gagdichte, sein Teenie-Humor und Peter Parkers Gejammer können aber auch schnell nerven.

Der verjüngte Spider-Man soll vor allem eines: Jüngere Zuschauersegmente für das Avengers-Filmuniversum begeistern, dem Spider-Man nun beigetreten ist (siehe Kasten rechts unten). «Er will unbedingt ein Avenger sein», sagt Holland. Als Spider-Man einem Waffenhändler (Michael Keaton) auf die Schliche kommt, wittert er seine Chance. Doch sein jugendlicher Übermut hinterlässt bei seinem grossen Vorbild Iron Man (Robert Downey Jr.) nur wenig Eindruck. Trotzdem schenkt ihm der Avengers-Anführer einen High-Tech-Spinnenanzug mit Tausenden Kampffunktionen. «Das Lustige ist, dass Peter Parker zunächst keine Ahnung hat, wie er den Anzug benutzen soll – das ist für ihn so, als würde ich meinem Grossvater mein iPhone geben.» Holland lacht.

Facetimen mit Iron Man

Dann unterbricht seine Managerin plötzlich das Interview, nach erst der Hälfte unserer vereinbarten Gesprächszeit. Tom müsse jetzt raus, um ein Live-Video zu drehen. Der Schauspieler setzt sich im Nebenzimmer zu einem gestellten Fernsehinterview, als plötzlich sein iPhone klingelt. Es ist Iron-Man-Darsteller Robert Downey Jr., der mitten während des Interviews mit Holland facetimen will und ein paar Sprüche reisst. Das Video wurde auf dem Youtube-Kanal von Sony Deutschland bisher 355 000 Mal angeklickt. So funktioniert Promo 2.0. Holland hat sich sogar in Lederhosen geworfen, er weiss sich für seine deutschen Fans perfekt in Szene zu setzen.

20 Minuten später können wir unser Gespräch mit ihm doch noch zu Ende führen. Tom Holland spricht druckreife Schlagzeilen wie «Ich hasse Spinnen» und erzählt, dass auch er sich nun wie ein Superheld benehmen will. Darum besucht er in jeder Stadt – verkleidet als Spider-Man – Kinder in Krankenhäusern. Logisch, finden sich die Erinnerungsvideos danach auf Youtube.

Spider-Man: Homecoming (USA 2017) 133 Min. Regie: Jon Watts. Ab morgen Donnerstag, 13. Juli im Kino. - Bewertung: 3 Sterne von 5.

Warum es schon wieder einen neuen Spider-Man gibt

Ja spinnen die in Hollywood? Nach Tobey Maguire (2002–2007) und Andrew Garfield (2012–2014) spielt Tom Holland bereits den dritten Spider-Man in nur 15 Jahren. Einen ersten Kurzauftritt hatte er letztes Jahr in «Captain America: Civil War», «Spider-Man: Homecoming» ist nun sein richtiges Kinodebüt.

Hinter dem neuen Superheldenfilm steckt ein einzigartiger Deal. Das Filmstudio Sony hatte sich die Kinorechte an Marvels berühmtestem Comic-Helden bereits 1999 gesichert und produzierte danach die fünf «Spider-Man»-Kinofilme mit Maguire und Garfield.

Als Marvel 2008 selber ins Kinobusiness einstieg, guckte das Unternehmen puncto Spider-Man in die Röhre. Also brachte Marvel seine anderen Comic-Helden auf die Leinwand: Iron Man, Captain America, Hulk und Co., die zusammen die Superheldengruppe The Avengers formten.

Seit 2015 steckt Sony allerdings in einer Krise: nach einem Hackingskandal und mehreren grossen Kino-Flops rollten in der Chefetage die Köpfe. Kurz vor ihrem Abgang gelang Amy Pascal, damals Vorsitzende von Sonys Filmabteilung, eine Übereinkunft mit Kevin Feige, dem Chef von Marvel. Grober Inhalt: Marvel erhält die kreative Kontrolle über Spider-Man, Sony zahlt und beteiligt sich an den Gewinnen. Eine Win-win-Situation: Spider-Man kann nun wie in den Comics zusammen mit Marvels anderen Avengers auftreten, Sony poliert seine Bilanz auf.

Eine actionreiche Filmszene in «Spider-Man: Homecoming» stellt diesen Deal sogar symbolisch dar: Spider-Man versucht, ein auseinanderbrechendes Schiff mit seinen ultrastarken Spinnweben zusammenzuhalten. Doch erst als Iron Man dazukommt, kann die Katastrophe verhindert werden. Marvels erfolgreichster Kinoheld hält das sinkende Schiff Sony über Wasser. Lory Roebuck

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