Filmförderung

So funktioniert die Filmförderung in der Schweiz

Alain Berset: Die Schweiz soll als Kulturnation wahrgenommen werden

Alain Berset: Die Schweiz soll als Kulturnation wahrgenommen werden

Bund und Fernsehen und auch viele Kantone fördern den Film. Diese allerdings sehr unterschiedlich. Deshalb ruft die Branche am Filmfestival Locarno zum Widerstand gegen den Kantönligeist.

Wer einen Film drehen will, verbringt Monate, wenn nicht Jahre mit der Finanzierung. Denn der Förderdschungel ist dicht und je nach Kanton oder Landesgegend anders. Trotzdem haben die Filmförderung und die Branche in den letzten Jahren zugelegt. Es gibt mehr Geld, mehr Filmschaffende, mehr Filme. Und anzumerken wäre auch: Der Film hat in der Schweizer Kulturförderung eine Sonderstellung. Er ist vor allem Bundessache. Sonst gilt, dass Kantone und Gemeinden primär für die Kulturförderung zuständig sind und der Bund nur ergänzend aktiv wird.

Eigenes Gesetz

Der Film hat deshalb ein anderes – und erst noch älteres – Bundesgesetz, als die restliche Kultur. Er ist privilegiert. Das hat zwei Gründe: Erstens ist Film teuer. Bereits eine Low-Budget-Produktion kostet eine Million Franken, ein durchschnittlicher Schweizer Spielfilm zwei bis zweieinhalb Millionen und ehrgeizigere Produktionen schnell mal fünf Millionen Franken. Und Film entsteht zweitens in Kooperationen von Regisseuren, Produktionsfirmen und Verleihern. Und die sind selten nur in einem Kanton angesiedelt, arbeiten oft auch über die Landesgrenzen.

Jetzt ruft der Schweizer Branchenverband GARP (Gruppe Autoren, Regisseure, Produzenten) zum «Widerstand gegen den Deutschschweizer Kantönligeist» auf. Er hat in Locarno zu seinem «Diner politique» 35 National- und Ständeräte sowie Politiker aus Zürich und Bern eingeladen, damit sie mit den Filmschaffenden über den Föderalismus diskutieren.

Aber wie funktioniert die Schweizer Filmförderung? Wer sind die wichtigsten öffentlichen Player?

Das Bundesamt für Kultur

Das Budget 2013 des Bundesamtes für Kultur (BAK) für die Filmförderung beträgt für 27,2 Millionen Franken. 20 Millionen Franken davon für die Produktionen. Das Parlament hat diesen Beitrag markant aufgestockt, 2004 betrug das Filmbudget des BAK 18,9 Millionen Franken. Der Höchstbetrag pro Kino-Spielfilm beträgt eine Million, in Ausnahmefällen 1,5 Millionen Franken.

Schweizer Fernsehen

Mit dem Pacte de l’audiovisuel regelt das Schweizer Fernsehen seine Beiträge mit der Branche, genauer mit den sieben Branchenverbänden. Für die Jahre 2012–2015 hat sich die SRG verpflichtet, rund 90 Millionen Franken in die nationale Filmindustrie zu investieren. Das Ziel: Bei jährlich landesweit über 200 Kino-, Fernseh-, Dokumentar- und Animationsfilmen sowie Serien Co-Produzentin zu sein. Die Arbeit fürs Fernsehen ist für Regisseure eine attraktive Alternative, die Finanzierung ist meist geregelt und Filme am TV erreichen ein grosses Publikum.

Swissfilms

Die Schweizerische Marketing-Agentur fördert den Auftritt von Schweizer Filmen im Ausland und an internationalen Festivals. Sie beteiligt sich aber nicht an Produktionskosten. Die Stiftung versteht sich als «Partnerin der Filmschaffenden». Ihr Budget von 3,5 Millionen Franken (Stand 2012) äufnen primär das BAK und Pro Helvetia.

Deutschschweizer Kantone

Die meisten Kantone fördern Film, aber nach eigenen Richtlinien und mit sehr unterschiedlichen Budgets. Pauschal gesagt: Wer im Kanton Zürich oder in der Westschweiz lebt, hat Glück, Basler und Bündner Pech.

2012 sprach im Aargau das Kuratorium 600 000, in Solothurn 520 000, in St. Gallen dagegen gerade mal 50 000 Franken. Einen Verbund gibt es in der Innerschweiz. Luzern, Uri, Schwyz, Zug, Ob- und Nidwalden haben sich zur Filmförderung Zentralschweiz zusammengeschlossen.

Sonderfall Romandie

Die Filmförderung in der Romandie hat den Kantönligeist längst überwunden. Und 2011 mit der Gründung des cinéforom (Fondation romande pour le cinéma) nochmals vereinfacht und verstärkt. Gegründet wurde es von den Kantonen Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Waadt und Wallis sowie den Städten Genf und Lausanne. Die Stiftung verfügt über ein jährliches Budget von ca. zehn Millionen Franken, welches zu 68% aus der öffentlichen Hand und zu 32% von der Loterie Romande finanziert wird. Beiträge (bis zu 400 000 Franken Pro Filmproduktion) gibts auf Gesuch wie üblich. Und – das ist einzigartig – sogar automatisch, wenn das BAK oder der Pacte de l’audiovisuel bereits Ja gesagt haben.

Zürcher Filmstiftung

Mit zehn Millionen Franken Budget pro Jahr ist die seit 2005 aktive Zürcher Filmstiftung für viele Filmer eine unabdingbare Quelle. Finanziert wird sie von Kanton und Stadt Zürich sowie aus dem kantonalen Finanzausgleich. Einen protektionistischen Haken hat die Förderung allerdings. Es können nur Projekte unterstützt werden, bei denen Ausgaben von mindestens 150 Prozent des Förderbeitrags im Kanton Zürich geplant sind.

Basel und Bern im Umbruch

Der Film ist in der Kulturstadt Basel die am schlechtesten geförderte Kultursparte. Gerade mal 0,25 Prozent des Basler Kulturbudgets gehen an den Film. Basel-Stadt setzt 300 000 Franken pro Jahr ein, Baselland 200 000. Die Gründung einer Filmstiftung ist gescheitert, jetzt wird ein neuer Anlauf genommen. Der Basler Kulturchef Philippe Bischof versprach, man wolle nach der Sommerpause ein neues Fördermodell anpacken. Auch in Bern, das 2013 den Film immerhin mit 3,2 Millionen Franken unterstützt, diskutiert man über ein neues Fördermodell.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1