Der Berner Schauspieler Stefan Kurt ist in der Hauptrolle des neuen Kino-Familienfilms «Papa Moll» zwar zu sehen, aber kaum wiederzuerkennen. Frisur, Körpergewicht, Dialekt wurden radikal angepasst. Für das Gespräch mit dieser Zeitung hat er sich zurückverwandelt.

Stefan Kurt, wie die meisten Menschen kannten Sie die Figur Papa Moll sicher schon als kleines Kind. Woran erinnern Sie sich?

Stefan Kurt: Ich erinnere mich ganz einfach an das Einkaufen mit meiner Mutter: Beim Metzger bekam ich jeweils ein Rädli Wurst, und in der Drogerie gab es Junior-Hefte; da waren hinten diese Comic-Geschichten hintendrauf. Dort hab ich Papa Moll zum ersten Mal gesehen.

Das waren ganz kurze Comic Strips, eine Handvoll Bilder mit nicht mehr als einer Pointe pro Geschichte. Für einen Spielfilm hingegen braucht es eine komplexe Handlung. Können Sie uns den Plot kurz beschreiben?

Der gutmütige Papa Moll muss seine drei Kinder hüten, weil sich die Mutter gerade ein Wellness-Wochenende in Bad Zurzach gönnt. «Kein Problem!», denkt er sich, und plant einen Zirkusbesuch. Er muss dann aber auch noch die beiden Kinder seines Chefs Stuss in den Zirkus mitnehmen – ohne zu wissen, dass die Moll- und Stusskinder untereinander arg verfeindet sind. Sie liefern sich einen turbulenten Kleinkrieg hinter seinem Rücken, aber Papa Moll hat noch ein ganz anderes Problem: Er wird dringend an seinem Arbeitsplatz in der Schokoladenfabrik gebraucht, weil dort eine Maschine wegen eines Grossauftrags auf Hochtouren läuft und zu explodieren droht. Papa Moll hat also alle Hände voll zu tun.

Die Kinder gehen ruppig miteinander um: Ein Mädchen wird etwa mit einer Kanone durchs Zirkuszelt geschossen. War Ihnen von Anfang an klar, wie hoch der Anteil an krudem Slapstick und an Holzhammerhumor in diesem Film sein würde?

Sagen wir’s so: Der Film ist in erster Linie für Kinder gemacht. Die Kids sollen sich im Kino bei «Papa Moll» so richtig amüsieren, und dazu gehören halt auch ein paar visuelle Gags, wie man sie aus Trickfilmen kennt. Das hat für mich nichts mit Holzhammerhumor zu tun. Wir haben aber gleichzeitig auch versucht, den Film für Erwachsene interessant zu machen: Wie etwa Papa Moll das Hüten der wilden Kinder und das Chaos am Arbeitsplatz unter einen Hut bringen muss, ohne dass ihm jemand hilft – das dürfte einigen Eltern bekannt vorkommen.

Sprechen wir von Ihrer Filmmaske, Wie geht man an eine Rolle heran, wenn man weiss, dass man völlig dahinter verschwinden wird?

Das ist eine grosse Herausforderung, und auch eine Lust! Ich habe mich von Anfang sehr auf diese Rolle gefreut. Aber die Frage war natürlich: Wie bringen wir diesen Papa Moll von der zweiten in die dritte Dimension? Wie verändern wir mein Aussehen? Da mussten wir lange tüfteln, bis wir wussten: Das ist er jetzt endlich, unser Papa Moll.

"Papa Moll": Der Kinderbuch-Klassiker kommt ins Kino

"Papa Moll": Der Kinderbuch-Klassiker kommt ins Kino

Er ist ein tollpatschiger und doch liebenswerter Familienvater. Papa Moll erlebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern ein Abenteuer nach dem anderen. Der Schweizer Comic ist 1952 von Edith Oppenheim-Jonas erfunden worden. Nun kommt Papa Moll auf die Leinwand. Regisseur Manuel Flurin Hendry und Schauspieler Stefan Kurt (Papa Moll) sprechen im Interview über die Entstehung des Films und welche Herausforderungen damit verbunden waren.

Wie sahen diese Lösungen aus?

Zuerst habe ich mir gedacht: Gut, dann nehme ich halt ein paar Kilos zu für die Rolle. Aber das ist halt immer so eine Sache. (lacht) Wie viel muss man zunehmen, bis man es auch im Gesicht sofort sieht, dass jemand füllig ist? Bei mir bleiben die Kilos in der Regel an anderen Orten kleben ... Und es ist nach den Dreharbeiten extrem mühsam, solche mit Pizzas und Burger angefressene Kilos wieder loszuwerden. Also haben wir es anders gemacht. Der Bauch wurde gebaut, ich konnte ihn umhängen. Auf die Wangen wurden Silikonpolster geklebt. Die Frisur war etwas schwieriger: Zuerst haben wir eine Vollglatze probiert, nur mit fünf Haarfäden obendrauf, genau wie im Comic. Das sah dann aber zu «gfürchig» aus und erzeugte keine Empathie. So sind wir schliesslich auf die Frisur gekommen, die ich jetzt im Film trage, mit Haarkranz und Büschel obendrauf. Alles meine eigenen Haare, der Rest wurde wegrasiert.

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch, Kinostart: 21.12.2017)

"Papa Moll" – Der Film (Trailer in Schweizerdeutsch)

Zum Inhalt des Films: Ein Wochenende allein zuhause mit den Kindern - und schon bricht bei Papa Moll das Chaos aus. Denn während Moll in der Schokoladenfabrik Überstunden schieben muss, entbrennt zwischen seinen Kindern und dem Nachwuchs seines Chefs ein gnadenloser Kampf: um Zuckerwatte, Strafaufgaben und den berühmtesten Zirkushund der Welt. 

Sie spielen Ihre Rolle auf eine clowneske Weise, ebenso das Ensemble. Die Kinder toben sich aus, und die Erwachsenen gestikulieren viel. Hofft man da nicht, dass es in der Endfassung nicht lächerlich wirkt?

Wir hatten ja von Anfang an nicht vor, den Film realistisch anzulegen. Papa Moll ist eindeutig eine Comic-Figur, und wir lassen ihn daher auch nicht in einer Welt auftreten, in der alle anderen Charaktere normale Menschen sind. Der Film spielt in einer fiktiven Schweiz, in den 50er-Jahren, wo Papa Moll gefühlsmässig auch hingehört, weil er dieser Welt entstammt: Es ist eine kleinbürgerliche, etwas überhöht gezeichnete Welt, in der die Lehrerin noch wirklich streng ist und «Streng» heisst; der Polizist ist grimmig und heisst «Grimm»; und der böse Chef von Papa Moll heisst schlicht und einfach: «Stuss». Um dem comic-haften Charakter von Papa Moll gerecht zu werden, haben wir auch etwas exaltierter gespielt, gerade in den Slapstick-Einlagen war ja auch viel körperlicher Einsatz gefragt. Und damit Papa Moll als Comic, aber für die Zuschauer auch als Mensch erlebbar bleib, dafür war Manuel Hendry als Regisseur zuständig. Und ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen.

Die Filmkritik in dieser Zeitung war alles andere als wohlwollend. Filmredaktor Lory Roebuck bezeichnet den Film als «bieder», «altbacken» und «mutlos». Darf ich davon ausgehen, dass Sie diesen Artikel zur Kenntnis genommen haben?

Ja, das habe ich.

Möchten Sie sich dazu äussern?

Sehr gerne! Ich respektiere die Meinung des Autors. Ich bin bloss etwas erstaunt, wie stark sie von meiner eigenen Meinung und Wahrnehmung des Films abweicht. Aber man kann das wohl so oder so sehen. Trotzdem möchte ich nochmals festhalten: Es war nie unsere Absicht, aus Papa Moll einen aussergewöhnlich «mutigen» Film mit starkem Aktualitätsbezug zu machen. Das wäre ein völlig anderes Unterfangen gewesen. Und ich frage mich, ob das funktioniert hätte.

Auch Ihre Darstellung wird in dieser Kritik bemängelt.

Das stimmt, der Autor schreibt, ich würde als «Papa Moll» unecht wirken, ich würde die Comicfigur nicht richtig zum Leben erwecken. Das ist seine Meinung. Im Endeffekt wird es so viele Meinungen zu diesem Film geben wie Menschen, die ihn sehen. In diesem Fall teile ich die Meinung des Journalisten ganz einfach nicht. Zudem finde ich auch den Vergleich unseres Filmprojekts mit Petra Volpes Drehbuch zu «Heidi» nicht ganz fair – das war ja eine Literaturverfilmung, während wir ganz bewusst die Nähe zu Comics und Cartoons gesucht haben.

Ausschlaggebend für den Erfolg wird sein, ob er beim jungen Zielpublikum ankommt. Haben Sie schon Erfahrungen sammeln können?

Nein, ich habe «Papa Moll» erst vor drei Tagen gesehen, und da waren nur diejenigen Kinder dabei, die auch im Film mitgespielt haben. Das will von den Publikumsreaktionen her noch nichts heissen. Aber ich habe mir fest vorgenommen, mich später bei der einen oder anderen Kindervorführung in den Saal zu schleichen und zu schauen, wie gut er funktioniert.

«Papa Moll» läuft ab heute schweizweit in den Kinos.