Filmpreise

Oscar-Nacht in sechs Punkten: Das waren die grössten Aufreger und Überraschungen

Die 91. Oscarverleihung ist zu Ende. Der Hauptpreis ging nicht an «Roma». Auch sonst gab es ein paar faustdicke Überraschungen.

1. Kein Moderator, kein Problem?

Sie wollten für Lachern sorgen: Die Schauspielerinnen Rashida Jones, Tina Fey und Amy Poehler.

Sie wollten für Lachern sorgen: Die Schauspielerinnen Rashida Jones, Tina Fey und Amy Poehler.

Zum ersten Mal seit 1989 ging die Oscarverleihung ohne Moderator über die Bühne. Das machte sich bemerkbar. Die Show hatte ein hohes Tempo und war nach etwas mehr als drei Stunden bereits zu Ende. Aber es fehlte jemand, der die Filmbranche auf die Schippe nimmt und dem Ganzen etwas Würze verleiht. Wer bloss zuschaute, um die Gewinnerinnen und Gewinner zu erfahren, war bedient. Alle anderen langweilten sich fast zurück ins Bett.

2. Frauenpower!

Rayka Zehtabchi und Melissa Berton gewannen für ihren Kurz-Dokumentarfilm.

Rayka Zehtabchi und Melissa Berton gewannen für ihren Kurz-Dokumentarfilm.

«Ich kann nicht fassen, dass ein Film über Menstruation gerade einen Oscar gewonnen hat», brüllte Rayka Zehtabchi, die Regisseurin des Netflix-Kurzfilms «Period. End of Sentence», ins Mikrofon. Sie war eine von insgesamt 15 Frauen, die an diesem Abend einen Oscar gewannen. Rekordverdächtig! 

Period. End of Sentence Official Trailer 2018

3. Olivia Colmans grosser Moment

Olivia Colman wurde als beste Hauptdarsteller gewürdigt.

Olivia Colman wurde als beste Hauptdarsteller gewürdigt.

Glenn Close («The Wife») war die Favoritin. Die Frau, die zwischen 1983 und 1989 fünf Mal für den Oscar nominiert war (aber nie gewann) und derzeit ein Karriere-Revival feiert, sollte endlich gewinnen. Doch die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin ging an Olivia Colman für ihre Rolle als Königin Anne in «The Favourite». Die Britin war perplex: «Glenn, du bist mein Idol, so sollte das nicht passieren.» Doch passiert ist es. Verdientermassen! Colman hielt die beste, lustigste und emotionalste Rede des Abends und widmete den Preis schliesslich ihren Kindern zuhause in London: «Seid ihr noch wach? Ich hoffe es! Denn das passiert nur einmal.»

«The Favourite» – Trailer (2019)

4. «Bohemian Rhapsody» in Sammellaune

Rami Malek überzeugte als Freddie Mercury.

Rami Malek überzeugte als Freddie Mercury.

Dass Hauptdarsteller Rami Malek für seinen fulminanten Auftritt als Freddie Mercury den Oscar holt, bezweifelte im Vorfeld niemand. So kam es auch. Doch dass «Bohemian Rhapsody» am Ende des Abends gleich vier Oscars mit nach Hause nimmt, überrascht. Keiner der Preisträger bedankte sich bei Regisseur Bryan Singer, der gegen Ende des Drehs gefeuert worden war. Einer, der das Chaos hinter den Kulissen aufräumen musste, war der Cutter John Ottman. Sein Lohn ist nun ein Oscar. Zwei weitere erhielt der Film für den besten Tonschnitt und die beste Tonmischung.

Bohemian Rhapsody Trailer

5. Black Power! 

Spike Lee und Mahershala Ali.

Spike Lee und Mahershala Ali.

Da steht der ganze Saal und applaudiert: Der afroamerikanische Regieveteran Spike Lee gewinnt für sein Drehbuch zum Rassismusdrama «BlacKkKlansman» endlich seinen ersten Oscar. Lee gab sich auf der Bühne politisch und feurig wie immer: «Die Präsidentschaftswahl 2020 kommt immer näher. Let’s all do the right thing!» Mit Regina King (für «if Beale Street Could Talk») und Mahershala Ali («Green Book») gingen auch zwei der vier Darsteller-Oscars an Afroamerikaner. Und der Superheldenfilm «Black Panther» reüssierte in drei Kategorien: beste Kostüme, bestes Produktionsdesign und bester Soundtrack.

Trailer zu «BlacKkKlansman» (Englisch)

6. Cuarón holt drei Oscars - aber nicht den wichtigsten

Der grosse Gewinner des Abends ist «Green Book» von Regisseur Peter Farrelly (Mitte).

Der grosse Gewinner des Abends ist «Green Book» von Regisseur Peter Farrelly (Mitte).

«Roma» war für 10 Oscars nominiert und deshalb in der Favoritenrolle. Und nachdem Alfonso Cuarón drei Goldmännchen - für die beste Kamera, die beste Regie und den besten nicht-englischsprachigen Film - abholen durfte, schien der letzte grosse Preis nur noch Formsache zu sein.

Trailer «Roma»

Doch es kam anders: Nicht die Netflix-Produktion wurde als bester Spielfilm ausgezeichnet, sondern «Green Book» (insgesamt drei Oscars). Das Rassismusdrama von US-Regisseur Peter Farrelly polarisiert: Während «Green Book» bei den meisten Kinozuschauern gut ankam, bezeichnen ihn nun viele prominente US-Filmkritiker als den schlechtesten Oscar-Gewinner seit «Crash» (2006).

Der offizielle Trailer zu «Green Book»

Die besten Momente der Oscars 2019 im Video:

Die besten Momente der Oscars 2019

Gänsehaut-Momente, Überraschungen und glückliche Gewinner.

Das sagen die Oscar-Gewinner: 

Und auch nach der Oscar-Verleihung kommt es zum Schaulaufen der gut gekleideten Promis an der «Vanity Fair Oscar Party»:

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