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Neuer Film über das Rollen-Verhältnis in der Familie: Auf der Suche nach dem perfekten Hausmann

Hat seine Rolle zu Hause gefunden: Martin mit Partnerin Kathrin aus dem Film.

Hat seine Rolle zu Hause gefunden: Martin mit Partnerin Kathrin aus dem Film.

Ein Dokfilm begleitet drei Familien mit ungewöhnlicher Rollenverteilung durch den Alltag. Und er fordert mehr Mut von Mann und Frau.

Theo sitzt im Garten und erklärt seiner Partnerin Maja und der Kamera, was ihn von der perfekten Hausfrau unterscheidet: eine fehlende komplette Hingabe. «Wenn ich unseren Sohn betreut habe und du am Abend nach Hause kommst, dann habe ich diesen Drang, Musik zu machen. Und zwar für mich allein. Das unterscheidet mich wahrscheinlich von der klassischen Hausfrau, die dann noch mit ihrem Mann einen Film auf dem Sofa schaut.»

Theo ist einer der Protagonisten im Dok «Von der Rolle» der Berner Filmemacherin Verena Endtner. Maja und Theo teilen sich Hausarbeit und Kinderbetreuung fifty-fifty.

Aus der perfekten Hausfrau wird der nicht ganz so perfekte Hausmann

Die perfekte Hausfrau im Kopf von Theo und vielen Zuschauern gibt sich voll und ganz Haus und Kindern hin und ist auch nach dem Kinder-zu-Bett-bringen für ihren Gatten da, wenn er nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt.

Füreinander da sein, das definieren Paare von heute zum Glück anders. Auch in «Von der Rolle». Endtner hat dafür die gängigsten Familienmodelle der Schweiz ausgewählt – aber die Rollen vertauscht. Für das klassische Modell der Vollzeit-Hausfrau stehen Olivia und Sandro mit ihren Söhnen. Nur ist es bei ihnen Olivia, die das Geld nach Hause bringt. Sandro ist Vollzeit-Hausmann. Im Film sagt sie über ihn: «Ich weiss, meinen Kindern geht es gut, er macht das mindestens ebenso gut wie ich, wenn nicht besser.» Für ein ebenso gängiges Modell stehen Kathrin und Martin mit ihrem Jungen. Viele Frauen reduzieren nach der Geburt, weil der Mann besser verdient. Nur ist hier sie die Besserverdienende. Und – was sich laut Endtner viele Männer nicht zu fragen trauen – Martin bat um eine Pensumsreduktion und setzte sich durch.

Kann der das überhaupt?

Die Kamera begleitet die drei Paare durch den Alltag, für Auflockerung sorgt ihr Nachwuchs im telegenen Kleinkinder-Alter. Das ist freilich unterhaltsam und interessant. Dank eines Kniffs ist der Film zum Glück mehr als das: Kurze Animationssequenzen bringen die Beobachtungen von Filmemacherin Endtner ein, die sich mit ihrem Partner, dem Produzenten des Films, ein Fifty-fifty-Modell teilt. Die Animationen setzen den Zuschauern den Spiegel vor und stellen so Rollen in Frage. Etwa, wenn die Arme einer Frau im Büro länger und länger werden und aus der Ferne zu Hause eingreifen, wo ihr Partner zum Kind schaut.

Hier übt der Film nicht nur Kritik an Männern, die nicht reduzieren wollen, sondern auch an Frauen, die nicht abgeben können. Oder, wie es Olivia im Film ausdrückt: Man muss dem Mann halt auch etwas zutrauen.

Hier geht es zum Trailer:

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