«Natürlich drehe ich meine Stunts selbst», soll Roger Moore einst gesagt haben: «Ich erzähle schliesslich auch meine eigenen Lügen.» Ein typisch trockener Kommentar des Weltstars, und in einem fiktiven Dialog durchaus denkbar als die Antwort auf einen Filmkritiker, der einst geschrieben hatte, in der Rolle von James Bond seien in einem bestimmten Film «zwölf Stuntmen und der Kopf von Roger Moore» zu sehen.

Sir Roger Moore ging bereits auf die sechzig zu, als er sich Mitte der Achtziger endgültig von der bekanntesten Rolle seines Lebens verabschiedete. 

Ob er in diesem Alter als Geheimagent mit Lizenz zum Töten überhaupt noch glaubwürdig wirkte, konnte ihm egal sein: Er war weder als harter Athlet noch als Charakterdarsteller gebucht worden, sondern wegen seines unnachahmlichen Charmes. Seine ironische Auslegung der Rolle wurde geschätzt und schien altersresistent. Daher blieb er.

7 Mal 007: Roger Moore in seiner Rolle als James Bond

7 Mal 007: Roger Moore in seiner Rolle als James Bond

Die Schauspielkarriere des 1927 in Südlondon geborenen Roger Moore hatte bereits lange zuvor begonnen, im Norddeutschland der Nachkriegszeit. Stationiert als Mitglied der britischen Armee, war er als Unterhalter in diversen Theatergruppen tätig, unter anderem in Hamburg. Die Berufung war gefunden, und Moore studierte an der Royal Academy of Dramatic Art in London. An Angeboten mangelte es nicht: Von den britischen Bühnen zog es ihn an den New Yorker Broadway, und Mitte der Fünziger hatte er einen Vertrag mit dem Hollywoodstudio MetroGoldwyn-Mayer in der Tasche.

Einem breiten Publikum wurde er jedoch nicht als Leinwandstar bekannt, sondern durch eine Reihe von TVSerien. Zurück in England, übernahm er die Titelrolle des noblen Ritters in «Ivanhoe» (1958–59), und kurz darauf war er neben James Garner und Jack Kelly in den späteren Staffeln der US-Kultserie «Maverick» zu sehen – als britischer Gambler, den es in den Wilden Westen verschlagen hatte.

Die sieben James-Bond-Filme mit Roger Moore:

Der Weg vom bekannten Gesicht zum Superstar gelang ihm dann mit einer besonders langlebigen Serie: In fast 120 Folgen spielte er die Figur des Gentleman-Abenteurers Simon Templar in «The Saint» (1962–1969). Eines seiner Markenzeichen in dieser Serie: Er blickte in die Kamera und richtete sich verschmitzt ans Fernsehpublikum.

Kurzlebiger, aber nicht minder erfolgreich war die aufwendig gestaltete Serie «The Persuaders!» (1971–1973), in der Moore neben dem bereits ergrauten US-Superstar Tony Curtis auftrat und einen britischen Lord spielte, der sich mit seinem amerikanischen Freund lustvoll der Verbrechensaufklärung widmete. Unter dem Titel «Die 2» fand die Serie dank einer freizügigen Synchronisation auch im deutschsprachigen Raum grossen Anklang.

Als 1973 mit «To Live and Let Die» der erste James-Bond-Kinofilm mit Roger Moore in der Hauptrolle in die Kinos kam, war in Franchise sofort ein frischer Wind spürbar: Der Film war frecher, psychedelischer und grotesker als seine Vorgänger. Vor allem aber fiel auf: Roger Moore wurde nicht zu James Bond, sondern James Bond wurde zu Roger Moore.

Stil statt roher Männlichkeit

In den sieben Filmen, in denen er den Geheimagenten verkörperte, waren die Grossproduktionen voll und ganz auf Moores natürliche Ausstrahlung ausgerichtet: James Bond wurde eleganter, distanzierter und humorvoller; der geschulte Stil trat an die Stelle der rohen Männlichkeit. Dass sein schauspielerisches Spektrum nicht sehr breit war, gab er selbst als Erster zu: «Linke Augenbraue hoch, rechte Augenbraue hoch», pflegte er seine dramatische Bandbreite ironisch zu umschreiben.

Schauspieler Roger Moore mit 89 Jahren in der Schweiz gestorben

Schauspieler Roger Moore mit 89 Jahren in der Schweiz gestorben

Crans-Montana - 23.05.17 - Er prägte den "James Bond" wie wohl kaum ein anderer: Nun ist Schauspieler Roger Moore im Alter von 89 Jahren in seiner Wahlheimat gestorben.

Gerne nahm Roger Moore auch seinen ikonischen Status aufs Korn: Besonders gewitzt etwa in der Gaunerkomödie «The Curse of the Pink Panther» (1983): Er spielte darin in einem Gastauftritt den trotteligen Chefinspektor Jacques Clouseau. Clouseau, der schussligste aller Antihelden und einst von Peter Sellers interpretiert, hätte sich also per Gesichtschirurgie die Züge seines Idols Roger Moore angeeignet. Ein Meta-Gag der Sonderklasse, für den sich Moore nicht zu schade war.

Später war Roger Moore Unicef-Sonderbotschafter, engagierte sich auch anderweitig für humanitäre Zwecke und wurde viel an gesellschaftlichen Anlässen gesehen. In der Walliser Gemeinde Crans-Montana wurde er heimisch, lebte in vierter Ehe glücklich und nahm immer noch vereinzelte Aufträge an – ganz ohne Ehrgeiz, nur noch nach Lust und Laune.

Wer heute Abend dem Schauspieler huldigen möchte, hat eine ganz einfache Möglichkeit dazu: Auf vielen James-Bond-DVDs finden sich Audiokommentare, in denen der Mime so sorgfältig wie pointenreich aus dem Nähkästchen plaudert. Oft sind diese Tonspuren amüsanter als die Filme, die dazu Anlass gaben.