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Schneetöff, Flammenwerfer, Rotorblätter: So geht das ultimative Rezept für einen Snowboardfilm

Die Snowboardkultur ist nicht tot zu kriegen. Das hat auch mit dem Genre der Snowboardfilme zu tun. Ein neuer zeigt, wie wenig sich geändert hat.

Daniel Fuchs
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Fehlt fast nie: Der Skidoo.

Fehlt fast nie: Der Skidoo.

Bild: Nate Simmons

Männer, Flammen, Maschinen. Es mag vielleicht überraschen, aber genau diese Zutaten machen einen Snowboardfilm aus. Seit Jahren. Natürlich sind da noch: Schnee, viel Schnee, am besten fluffiger, meterhoher Tiefschnee. Und Snowboards, immer auch werden die Herstellerlogos ins beste Licht gerückt.

Skidoo, Helikopter und Flammenwerfer: Der Trailer braucht dafür unter 20 Sekunden

Frauen? Auch die gibt es. Und sie sind nicht «nur» Rahmenprogramm. Auf Bildern wie dem in dieser Woche herausgekommenen Film des Snowboardpioniers Burton «One World» zeigen sie, was sie draufhaben. Mit ihren ebenso wahnwitzigen Sprüngen, Tricks und schmerzhaften Stürzen stehen sie den Männern in nichts nach.

Der Schneetöff als Ersatzfetisch für den Heli

Doch eben, vorwiegend bestimmen Kerle den Plot eines Snowboardfilms. Wilde Kerle. Am liebsten hantieren sie mit Pistenbullys, Schneetöffs oder Flammenwerfern (die Motorsäge und der Bagger sind dann eher die Beilagen eines Mountainbike-Films). Und dieses Hantieren mit grobem Gerät rührt daher, dass die wilden Kerle meist keinen Helikopterflugschein besitzen, aber am liebsten einen machen würden.

Sich drehende Rotorblätter. In Zeitlupe. Wahrscheinlich gibt es sie als Filmschnipsel, frei für jeden Filmproducer im Schnittraum. Und dazu als filmisches Element genauso beliebt: die flimmernde Abluft des Helimotors in der kalten Winterluft.

Immerhin gab sich Burton dieses Mal Mühe und achtete auf eine Eingrenzung des Kohlendioxidausstosses. Dass es aber mit weniger ginge, zeigt schon ein Beispiel von 2013. «Steps» von der Ride-Greener-Bewegung. Ein Snowboardfilm durch und durch, aber ganz ohne Rotorenfetisch und Schneetöfflärm.

Der etwas andere Snowboardfilm: «Steps»

Natürlich propagieren Filme wie der eben herausgekommene «One World» vor allem die Produkte des Snowboard-Grosskonzerns. Und trotzdem sind sie mehr als das. Sie stehen für ein Lebensgefühl, an dessen Erschaffung der Burton-Gründer Jake Burton Carpenter (gestorben 2019) mitverantwortlich ist.

Und für mich gesprochen: Ich lasse mich damit nicht nur als Endlosschlaufe im Fachgeschäft berieseln, sondern sehe sie ganz gerne auch zu Hause an. Zur puren Entspannung. Denn was da passiert, weiss man eh zuvor: Männer im Schnee fahren mit Schneetöffs durch die Gegend und hantieren mit Flammenwerfern, zum Beispiel zum Vereisen eines Geländers. Eigentlich total langweilig, die Vorfreude auf die kalte Jahreszeit steigert das trotzdem.

«One World», jetzt auf Prime Video, dem Streamingdienst von Amazon. «Steps» auf vimeo.com frei verfügbar.