Film
Jodie Foster: «Ich war als Kind sehr einsam»

In der Tragikomödie «The Beaver» thematisiert Regisseurin Jodie Foster die Einsamkeit und Depressionen. Im Interview räumt die Schauspielerin zudem ein, dass sie als Kind einsam war.

Hans Jürg Zinsli
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Jodie Foster, Ihr Film «The Beaver» erntet sehr positive Kritiken. An der Premiere am Festival von Cannes wurde er mit minutenlangen Standing Ovations gefeiert. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Jodie Foster: Ich war einfach nur erleichtert. Eine solche Begeisterung hatte ich noch nie erlebt.

Ihrem Hauptdarsteller Mel Gibson ging es ähnlich.

Mel war sehr gerührt, dass das Publikum bereit war, andere Bilder von ihm hinter sich zu lassen und seine Filmfigur zu akzeptieren.

Sie sprechen Gibsons alkoholbedingte Ausraster an. Glauben Sie, dass diese Eskapaden in den Medien aufgebauscht wurden?

Keine Ahnung. Was ich weiss, ist, dass man private Gespräche von ihm aufgenommen und auf Youtube gestellt hat. Das halte ich für falsch. Ich möchte keine privaten Gespräche auf Youtube hören – von niemandem. Ausserdem bin ich überzeugt, dass Mel kein Gesetz gebrochen hat.

Im Film leidet Gibson an Depressionen, begeht einen Selbstmordversuch. War «The Beaver» eine Art Therapie für ihn?

Das sind Filme für Schauspieler immer. Sie spielen dann am besten, wenn die Geschichte so persönlich wie möglich ist. Bei «The Beaver» reichte es nicht, die Rolle herunterzuspulen. Mel musste seine ganze Verletzlichkeit hineinlegen. Das war sehr mutig. Zudem konnte er zwei Dinge kombinieren – leichte Komödie und komplexes Drama.

«The Beaver» handelt vor allem von Einsamkeit.

Ja, dieses Motiv kommt in vielen meiner Filme vor. Ich hatte lange damit zu kämpfen.

Womit?

Ich war als Kind sehr einsam. Als Regisseurin muss ich jedoch fähig sein, Einsamkeit kreativ zu nutzen, ihre Grausamkeit und ihre Schönheit zu zeigen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich etwas schaffe, was letztlich nur ich selbst verstehen kann.

Ihre Regiearbeiten sind sehr persönlich, das Drehbuch stammt aber immer von anderen Autoren. Wie geht das zusammen?

Die Kunst ist, diese Drehbücher zu finden, und mein persönliches Leben in diese downzuloaden. Deshalb dauert es auch immer so lange mit meinen Filmen. Persönliche Angelegenheiten sind einfach komplizierter.

Als Schauspielerin verkörpern Sie unabhängige Frauen. In Ihren eigenen Filmen betonen Sie den Zusammenhalt der Familie. Weshalb?

Tatsächlich schlüpfe ich als Schauspielerin am liebsten in Figuren, die auf sich gestellt sind. Als Regisseurin interessiert mich die ganze «Tapete», da will ich so viele Perspektiven wie möglich erforschen.

Wie muss man sich Ihren Regiestil vorstellen?

Ich bereite mich minuziös vor. Die Technik muss im Bild sein, was sie zu tun hat. Zwei Wochen vor Drehbeginn beginne ich mit den Schauspielproben. Wenn die Kameras laufen, setze ich auf Spontaneität, da muss es schnell gehen. Schauspieler dürfen nicht zu viel denken. Sie müssen ihr Können sozusagen auf Zehenspitzen abrufen können.

Ein Patentrezept?

Nein. Aber mit Mel Gibson hats funktioniert. Er war wunderbar in den ersten zwei bis drei Takes. Danach baute er jeweils ab.

Wenn Sie auf Ihre Karriere als Schauspielerin zurückblicken – welches waren die wichtigsten Momente?

Als ich in «Taxi Driver» auftrat, hatte ich von Schauspielerei keine Ahnung. Ich war 12 und hielt das, was ich tun musste, für irgendeinen Job, den ich später wieder aufgeben würde. Dann nahm mich Robert De Niro unter seine Fittiche. Er zeigte mir, wie man eine Geschichte mit Leben füllt und welche Verantwortung man dafür übernehmen muss. Das war unglaublich inspirierend.

Für Ihre Rolle in «The Accused» gewannen Sie 1989 Ihren ersten Oscar. Trotzdem waren Sie mit Ihrer Leistung nicht zufrieden. Weshalb?

Als ich den Film zum ersten Mal sah, war mir unwohl. Ich konnte mir selbst nicht zuschauen. Erst später begriff ich: Es war das erste Mal, dass ich vollständig in eine andere Haut geschlüpft war. Ich spielte eine Figur, die offensiv auf andere Leute zuging und für Unbehagen sorgte. Das schreckte mich ab. Vieles, was mit Schauspielerei zu tun hat, lief bei mir damals noch unbewusst ab.