Film
General Aladeen: «Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer, nämlich keine»

Er gibt Interviews wie kein Zweiter: Nach «Borat» und «Brüno» ist Komiker Sacha Baron Cohen nun als «Diktator» unterwegs – auch im Interview. Deshalb: Dieses Gespräch im New Yorker Waldorf Astoria ist ausschliesslich mit Humor zu geniessen.

Marlene von Arx
Drucken
Sacha Baron Cohen als Diktator Aladeen

Sacha Baron Cohen als Diktator Aladeen

Melinda Sue Gordon

Supreme Leader Admiral General Aladeen: Hallo & Tod dem Westen! Und wieso sind Sie nicht wie eine Frau angezogen? Mit einem Sack über dem Kopf? Woher sind Sie denn?

Aus der Schweiz

Wie langweilig ...

Langweilig? Haben Sie in der Schweiz nicht Ihr Geld versteckt?

Wieso? Wollen Sie welches? Ich hab doch kaum mehr Geld. Die verlangen in diesem Hotel 15 Dollar für eine Toblerone!

Hätten Sie einen Tipp, wie wir Schweizer das Bankgeheimnis behalten und Sie Ihr Vermögen weiter bei uns verstecken könnten?

Bankgeheimnis? Ich weiss nicht, wovon Sie reden. Also das Tolle an der Schweiz ist ja, dass es da keine Rolle spielt, wer man ist. Es ist egal, ob man für den Frieden ist oder ob man mordet und vergewaltigt. Deshalb mag ich Euch Schweizer. Ihr habt diese tolle Moral. Ihr haltet einfach die Klappe und lässt es geschehen. Zaungäste sind die besten Gäste!

Sind die beiden Damen zu Ihrer Seite Ihre Bodyguards?

Ja, ich habe 25 Garde-Jungfrauen. Ihre Jungfräulichkeit wird jeden Abend von der Führungsspitze meines Penis überprüft.

Weibliche Nachkommen sind in Wadiya unerwünscht, aber Ihre Bodyguards sind dann doch Frauen. Welchen Stellenwert haben Frauen in Ihrem Land?

Frauen haben in Wadiya die genau gleichen Rechte wie die Männer, nämlich keine. Eine von vier Frauen in Wadiya kann lesen. Diesen Zustand möchte ich verbessern: Es sollte höchstens eine von 100 lesen können.

Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Der grosse Saddam, Dick Cheney und natürlich Kim Jong Il. Wir hatten jedes Jahr im Sandals in Antigua eine Zusammenkunft der Achse des Bösen. Und da war er für uns junge Diktatoren eine grosse Inspiration. Er hat so viel Mitgefühl, Weisheit und Herpes in der Welt verbreitet. Er starb, wie er lebte: in zehn Zentimeter hohen Absätzen.

Was halten Sie von seinem Sohn?

Er ist so fett, er steckt sich fünf Cremeschnitten gleichzeitig in den Mund, weshalb er immer aussieht, als würde er einen Furz verklemmen. Seinen Look müsste er mal überdenken. Jeder Diktator braucht einen guten Look – ich habe beispielsweise John Galliano als Stylist, obwohl er mir zu liberale Ansichten hat. Trotzdem, man darf die Nordkoreaner nicht unterschätzen: Die sind nur noch Jahre davon entfernt, ein Boot zu entwickeln, dass es nach Amerika schafft.

Gibt es eigentlich auch Nachteile, ein Diktator zu sein?

Die guten Zeiten sind auch für uns vorbei. Saddam, Gaddafi, Oprah ... alle weg. Und früher brauchte man zur Machtübernahme nur seinen Vater umzubringen, jetzt muss man Wahlresultate fälschen und den grössten Teil der Bevölkerung ins Gefängnis stecken. Aber ich bin ja nicht durch Gewalt, sondern durch tragische Umstände Diktator geworden. Meine Mutter starb bei meiner Geburt und mein Vater starb auch eines natürlichen Todes – er war allergisch auf Munition und Granaten.

Der Arabische Frühling hat gezeigt, dass es immer schwieriger wird für Ihre Berufsgattung. Haben Sie nicht Angst, dass Sie gestürzt werden könnten?

Natürlich, aber der Arabische Frühling ist eine temporäre Modeerscheinung. So wie die Atkins-Diät oder Bürgerrechte. Ich habe auch den Frühling aus dem Kalender streichen lassen – einen wadiyanischen Frühling wird es also nicht geben. Der Februar dauert jetzt 140 Tage. Aber ich vermisse meine Freunde. Und dann dieses Aufhebens um Assad. Da macht mal einer ein bisschen Genozid und schon ist die Hölle los. Viele Ihrer Leser laden illegal Musik aus dem Internet herunter. Die sollen mal keine Steine werfen. Aber ich möchte an dieser Stelle mal den Vereinten Nationen danken – sie haben in 13 Monaten keine Resolution fertiggebracht und so kann mein Freund Assad seine gute Arbeit weiterführen.

In der Schusslinie Interviewerin Marlene von Arx mit Sacha Baron Cohen

In der Schusslinie Interviewerin Marlene von Arx mit Sacha Baron Cohen

Verlassen wir mal die Politik. Sie haben ja jetzt einen Film gedreht. Sind Sie auch ein Fan von Hollywoodfilmen?

Natürlich liebe ich amerikanische Filme, vor allem Science Fiction wie «Schindler’s List». Mein Freund Ahmadineschad und ich amüsieren uns dabei köstlich und trinken am Schluss Champagner. Ich bin auch selber schon in vielen wadiyanischen Filmen aufgetreten, wie «You Got Mail Bomb» und die von Dominique Strauss-Kahn inspirierte romantische Komödie «Planet of the Rapes». Der war erfolgreicher als «Titanic», der Film über das Schiff, das die Israelis 1912 versenkt haben. Sie meinen vielleicht, das war ein Eisberg, ich denke, eher ein Goldberg ...

Was halten Sie von den Komödien von Sacha Baron Cohen?

Er ist total unbedeutend. Dieses Kamel kann ja nur einen Trick. Aber Zionisten-Komiker schaue ich mir sowieso nicht an.

Auch nicht, wenn er als nächstes Freddie Mercury spielen soll?

Davon weiss ich nichts. Mercury spielte in meinem Palast vor zehn Jahren. Tupac Shakur und Biggie Smalls auch. Und dann singen sie was von «put your hands in the air». Die können mir doch nichts befehlen! Also habe ich sie verschwinden lassen.

Der Freddie Mercury, der vor zehn Jahren bei Ihnen war, muss ein Doppelgänger gewesen sein. Der wahre Queen-Sänger starb nämlich vor 20 Jahren. Ich hoffe, das enttäuscht Sie nicht?

Ah, Sie halten sich wohl für sehr clever, meine Fehler hervorzuheben. Was meinen Sie, wie es Ihrer Familie geht?

Ich hoffe gut ...

Korrekt. Noch.

The Dictator (USA, 2012) 83 Min. Regie: Larry Charles. Mit Sasha Baron Cohen, Anna Faris, Sir Ben Kingsley u.a.

Aktuelle Nachrichten