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«Die Bachelorette»: Alle kämpfen und fluchen – und einer vergeigts endgültig

«Die Bachelorette», Episode 6: Thomas' letzte Chancen – und wie kreativ er diese verspielt

«Die Bachelorette», Episode 6: Thomas' letzte Chancen – und wie kreativ er diese verspielt

«Bachelorette» Adela Smajic will von ihren Männern vieles. Überraschen sollen sie sie. Ihren inneren Tiefgang erfassen. Und vor allem: Um sie kämpfen!

«Alles Glück auf Erden, Freunde, gibt der Kampf. Ja um Freund zu werden, braucht es Pulverdampf!», ruft Adela ihren Kandidaten entgegen. Ach nein, das war Nietzsche. In der Smajic’schen Ideenlehre lautet der Satz: «Challenges sind für mich wichtig, dort sehe ich, wer um mich kämpft.» Und so müssen die Kandidaten sich in Schlauchboote stürzen, auf weiter See ein Herz aus Plastik bergen und es der Holden zurück auf ihr Schiff bringen.

Die Kandidaten haben nach eigener Aussage «gepumpt wie Hohle», um die Boote aufzublasen. Nun, jeder nach seinen Möglichkeiten. Gewonnen haben Mario, der Syntaxakrobat aus Zürich und Thomas, der angehende Banker. Und der hat auch in dieser Folge zuviel getrunken. «Zwei bis drei Liter Salzwasser», nach eigener Aussage. «Der passt nicht zu Adela, der passt zu keiner Frau», ätzt Cem über den Mann mit der Körperspannung einer Wasserleiche. Der so Geschmähte tut derweil alles, um sich die letzten Chancen zu ruinieren, sagt zu Adela sie höre sich an wie seine Mutter, worauf die Augen der «Bätschi» beinahe aus dem Köpfchen kullern. Als der Thomas die Piratenbraut auch noch unterbricht, schickt sie ihn über die Planke, also direkt von ihrem Flaggschiff nach Hause.

Und jetzt klingt ein Leitmotiv der Sendung erstmals sanft an: Es wird geflucht, dass die Palmen erröten. Thomas reckt seinen ehemaligen Mitstreitern den stolzen Mittelfinger entgegen und fordert: «Koitiert die ganzen Fäkalien!» Und die geben zurück, bezeichnen Thomas als Liebhaber der manuellen Autoerotik und er solle doch bitte seinen Finger in seinem Rektum platzieren. Zudem sei Thomas ein ganz Primitiver, ohne Klasse und man werde ihm Gewalt antun. «Klasse», ein Wort, das David sehr oft im Zusammenhang mit Adela gebraucht, obwohl man den Eindruck gewinnt, bei ihm selbst sei spätestens nach der dritten Schluss gewesen.

Adela hat noch nicht genug von «Tschällenntschis». Die Kandidaten müssen sich in weiteren Disziplinen aus den Septem Artes Liberales messen. David und Cem, von Safak liebevoll als «Mastschweine» bezeichnet, ringen mit Öl eingeschmiert auf einer Plastikplane miteinander. Obwohl David ausser Beissen alles tut, um zu gewinnen, Cem holt sich den Sieg und den Ruhm und ein Date mit Adela. David verliert in der Manöverkritik auch einmal mehr den Kampf gegen die Deutsche Sprache und verewigt sich in den Annalen des Analphabetismus‘ mit dem Satz: «Mir hennd beidi bis zum letschte nid uffgeh». Oder wie Fürst Bismarck es ähnlich eloquent formulierte: «Kampf ist überall, ohne Kampf kein Leben.»

Cem muss im Finale gegen Joe auf eine Scheibe werfen. Mit einer «Aggschd», wie Adela sagt. Das Axtwerfen gerät zum Debakel, sowohl Joes teutonisches, als auch Cems kappadokisches Blut sind so verdünnt, dass keiner mehr die Wurfaxt ihrer Vorfahren meistert. Aus der Nahdistanz geht’s dann doch noch; Cem kriegt sein Date. Denn Adela hat sich für diese Folge viel vorgenommen. Mit Safak einen romantischen Abend, der mit einem Kuss auf der Liegewiese am Pool endet. «Ich habe ihn mir einfach gepackt», sagt Adela. Dasselbe sagt Cem nach seinem Date mit Adela.

Im Pool greift er zu und gräbt seine Finger zärtlich in den Bätschi-Popo. Und auch David zeigt uns, dass er ein richtiger Mann ist: Er hat sich beim Kämpfli mit Cem verletzt und reibt jetzt allen seine Wehwehchen unter die operierten Nüstern. Cem jammert auch, er hat auch ein Boboli. Luca darf Adela noch sein Herz ausschütten und offenbaren, er habe ein Kind. Das macht ihn «reifer im Kopf als andere 22-Jährige». Man fragt sich unwillkürlich, sind seine  Altersgenossen fähig, selbständig aufrecht zu gehen?

Zur Nacht der Rosen trägt Adela für ihre Verhältnisse eine Polarausrüstung: Mindestens 50 Prozent ihrer Haut sind verdeckt. Noch kurz wird gelästert und geflucht, denn Safak findet Guisi sei ein verlogenes Rektum. Cem will seinen Brudi David loswerden. Und David ist sauer, weil sein Brudi die Bätschi abgeleckt hat. «Das stört mich sehr, wirklich sehr.» Giusi kriegt von Adela keine Rose. Die Brudis aber kommen beide weiter.

Joe, der Germane mit fussballerischer Vergangenheit macht sich keine Sorgen. Eine Minute später ist er raus und atmet rhetorisch brilliant ins Mikrophon. Und David? Der Enttäuschte mit der Kriegsverletzung? Der sagt zu Adela, Eifersucht sei nichts schlechtes, «nur im Mittelmass muss sie sein». Das ist sogar der Soziologie-Nymphe aus Basel zu viel des linguistischen Waterboardings.

Sie korrigiert ihren Ostschweizer Beau sanft: «In Massen.» Worauf er sie masslos überrascht und Thukydides‘ Erkenntnis zitiert, wonach Schönheit im Auge des Betrachters liegt. Vielleicht hat ihm ja auch jemand den Satz aus Facebook vorgelesen. Egal. Auf alle Fälle darf der Schänder der Syntax, der Feind der Phonetik und Lyncher der Lexeme eine Runde weiter jammern. Und Adela gibt noch einmal die Parole aus: «England expects that every man will do his duty!» Nein, das war Nelson bei Trafalgar. Adela bei Koh Samui sagt nur: «Gänd alles!»

Die ganze Sendung können Sie hier schauen: 3plus.tv/bachelorette

Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

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