Polemik
Wöchentlich eine Episode: So halten uns Netflix und Co. davon ab, unsere Abos zu unterbrechen

Streamingdienste lassen sich ganz einfach deaktivieren. Damit lässt sich Geld sparen. Doch die Anbieter wollen das verhindern – und wenden faule Tricks an.

Daniel Fuchs
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Künden einfach gemacht: Technisch legen uns Netflix und Co. nichts in den Weg.

Künden einfach gemacht: Technisch legen uns Netflix und Co. nichts in den Weg.

Bild: Jenny Kane / AP

Wer beim Serien-Streamen konsequent nur denjenigen Dienst abonniert, den er gerade braucht, spart Geld. Und das geht so: Wer einen Dienst nicht mehr benötigt, ­deaktiviert das Abo in den persönlichen Einstellungen. Das Abo wird unterbrochen, auf die nächste Abrechnungsperiode hin wird die Gebühr nicht mehr fällig. Die Streaminganbieter machen es einem zum Glück einfach.

Will man den Dienst später für eine Serie erneut nutzen, lässt sich das Abo reaktivieren, die Gebühr wird wieder fällig. Im zunehmenden Angebots-Dschungel der Streamingdienste ist das immerhin ein Entgegenkommen an die Konsumenten. Und das ist eigentlich lobenswert.

Anbieter wollen uns sesshaft machen

Nur ist der Markt stark umkämpft und die simplen Kündigungsmechanismen werden von den Konsumenten rege genutzt. Und so wird dieses Nomadentum von Netflix zu Disney+ und zu Sky Show oder Amazon Prime für die Anbieter zum Problem, weshalb sie sich immer neue Werbestrategien ausdenken. Sky Show wirbt seit dieser Woche sogar mit Gratis-Inhalt.

Gegen solche Aktionen ist nichts einzuwenden, bei ihren Strategien greifen sie aber auch tief in die verstaubte Trickkiste des linearen Fernsehens. Öfter landet nicht eine komplette Serienstaffel auf der Plattform, sondern wöchentlich jeweils nur eine einzelne Episode. So seit Anfang Jahr bei Sky Show die Serie «The Stand» oder «Your Honour» mit dem «Breaking Bad»-Darsteller Bryan Cranston. «Designated Survivor» bei Netflix ist ein anderes Beispiel. Damit ­untergraben die Streaming­anbieter aber ausgerechnet das Prinzip, das dem Streaming erst überhaupt zum Durchbruch verhalf: Die Möglichkeit, etwas weiterzuschauen, wann und wo es den Konsumenten gerade passt.

Backlash zum linearen Fernsehen

Das wöchentliche Entgegenfiebern auf eine Episode von «Friends» im Fernsehen hatte zwar auch seinen Reiz. Nur fragt sich so, inwiefern sich ein solches Angebot von einem Streaminganbieter wie Sky Show überhaupt noch von dem einer klassischen Fernsehstation unterscheiden sollte.

Dagegen hilft nur eins: Geduld. Die Zeit, bis die gesamte Staffel online ist, anderweitig überbrücken. Mit verpassten Filmen zum Beispiel. Und dabei nicht vergessen, unbenutzte Dienste zu deaktivieren.