Film
Daniel Brühl: «Sonst stehe ich ganz dumm da»

Der deutsche Darsteller Daniel Brühl macht im Film «The First Avenger: Civil War» den Superhelden das Leben schwer. Beim Dreh mit Hollywoodstars wie Robert Downey Jr. kam er richtig ins Schwitzen.

Lory Roebuck, Berlin
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Daniel Brühl während der Premiere zu «The First Avenger: Civil War».

Daniel Brühl während der Premiere zu «The First Avenger: Civil War».

Keystone/Epa/Jörg Carstensen

Ausnahmezustand in Berlin. Robert Downey Jr. ist da, der bestbezahlte Schauspieler der Welt. Alleine für «The First Avenger: Civil War» – sein sechster Auftritt als Superheld Iron Man – strich er mal locker 40 Millionen Dollar ein. Bei der grossen Filmpremiere in Berlin steht aber ein anderer genauso im Blitzlichtgewitter wie er: Daniel Brühl (37). Für den Wahlberliner, das frischeste Mitglied in Marvels gigantischem Filmuniversum, war es eine besondere Freude, seine amerikanischen Kollegen in seiner Stadt willkommen zu heissen.

Daniel Brühl, Robert Downey Jr. schwärmt von Ihrer Tapas-Bar in Berlin. Am Tag vor der Premiere kam er dort bei Ihnen vorbei. Wie war es?

Daniel Brühl: Es war ein richtiger Irrwitz, den wir da veranstaltet haben. Es war alles Roberts Idee. Ich hatte zehn verpasste Anrufe von einer französischen Nummer. Als ich endlich abnahm, hörte ich nur: «Bro, ich bins, Robert! Ich bin in der Stadt.» Er sagte mir, er wolle in meiner Bar ein «taste of Berlin» erleben. Mein Koch war total geflasht, als Iron Man in unserer Bar einfiel. Das wurde richtig lustig. Wir haben ein Video davon ins Internet gestellt.

Haben Sie sich mit dieser Aktion bei Ihren amerikanischen Kollegen revanchiert?

Ja, denn sie haben mich beim Dreh in Atlanta wirklich gut behandelt. Du kommst da an wie der neue in der Klasse und hoffst einfach, dass du dann nicht alleine in der Ecke stehst und niemand mit dir spielen will. Doch ich wurde sofort aufgenommen. Chris Evans hat mich schon am ersten Tag zu einem Basketballspiel eingeladen, mit Robert war ich zwei Mal Mittagessen. Als sie nach Berlin kamen, wollte ich mich auch als guter Gastgeber zeigen.

Mit dem Film «Rush» (2013) haben Sie in Hollywood Fuss gefasst. Ein Superheldenfilm von Marvel ist aber eine ganz andere Dimension. Wie haben Sie das erlebt?

Das ist, als wäre ich auf der Kirmes. Ich fühlte mich die ganze Zeit über wie ein Zwölfjähriger. Die Amerikaner bringen ja das Kunststück fertig, diesen Mega-Druck, der auf einem solchen Film lastet, nicht spüren zu lassen. Einer wie Robert sorgt am Set für eine positiv aufgekrazte Stimmung. Das nimmt den Druck und den Schiss raus. Und ich hatte am ersten Tag richtig Schiss.

Warum?

Meine erste Szene spielte in Russland bei 40 Grad minus; gedreht haben wir sie in Atlanta bei 40 Grad plus. Dort mit einer dicken Jacke rumzusitzen war schon sehr speziell. Und dann läufst du am Make-Up-Wagen vorbei, wo Stuhl für Stuhl besetzt ist mit Hollywoodstars wie Robert, Chris und Scarlett Johansson. Da denkst du nur: Heiliger Bimbam, wo bin ich denn hier gelandet?

«The First Avengers: Civil War» – Der Film

Der grosse Superhelden-Knatsch

Superhelden unter staatlicher Kontrolle? Iron Man (Robert Downey Jr.) ist dafür, Captain America (Chris Evans) dagegen. Angestachelt durch Baron Zemo (Daniel Brühl) kommt es zum grossen Knatsch. Das klingt wie der Plot von «Batman v Superman», ist aber um Welten besser. Denn der 13. Superhelden-Kracher aus dem Hause Marvel vollzieht einen dankbaren Tempowechsel. Kein Weltuntergangsszenario, keine Zerstörungsorgie. Alles dreht sich um die Figuren, ihre Konflikte sind emotional und nachvollziehbar. Einer der stärksten Marvelfilme überhaupt – mit überraschend viel Humor. (LOR)

The First Avenger: Civil War (USA/D 2016) 147 Min. Regie: Joe & Anthony Russo. 4 STERNE

Obwohl Sie im Film den Bösewicht Zemo spielen, haben Sie keine Actionszenen und tragen kein buntes Kostüm. Waren Sie enttäuscht?

Am Anfang dachte ich schon: Wie sieht wohl mein Kostüm aus, welche Superkräfte habe ich? Doch Marvel-Chef Kevin Feige stellte sofort klar, dass ich keinen traditionellen Bösewicht spielen würde. Wir nahmen den Film «Seven» als Referenz, sprachen also über eine Figur, die im Hintergrund die Stricke zieht. Man hat in diesem Film ja bereits so viele Superhelden, die aufeinander einprügeln... Zemo ist nicht einfach böse um böse zu sein, sondern betreibt einen persönlichen Rachefeldzug, den ich total nachvollziehen kann.

In den Comicvorlagen trägt Zemo ein irrwitziges lila Kostüm, das sogar seinen Kopf verdeckt. Wäre das für Sie eine Option gewesen?

(lacht) Also, ich weiss nicht. An manchen Tagen war ich schon froh, in ganz normalen Kleidern rumlaufen zu können. Was ich an Marvel sehr schätze, ist, dass sie sich die Freiheit nehmen, diese Comicfiguren zu verändern, um sie relevanter zu machen. Anders als in den Comics ist Zemo im Film kein Nazi. Danach haben mich übrigens alle immer gefragt, doch ich durfte bislang nichts verraten.

Wie befreiend ist es, jetzt endlich offen über den Film reden zu können? Die Schweigepflicht bei so einer grossen Produktion hat es in sich.

Boah, und wie. Ich habe noch nie so viele Wasserzeichen gesehen. Als ich im Flugzeug das Drehbuch las, habe ich richtig gebibbert. Im Hotel habe ich es sofort im Safe verstaut. Ich wollte nicht die Pappnase sein, über die das Drehbuch in die falschen Hände gerät. Frühere Interviews waren dementsprechend prickelnd: «Ja, Atlanta war schön, heiss, Coca-Cola, Aquarium...» Ich durfte überhaupt nix sagen. Das jetzt ist total befreiend, da haben Sie vollkommen Recht.

Daniel Brühl: Von Berlin nach Hollywood

Der deutsche Schauspieler (37) feierte seinen Durchbruch mit dem Film «Goodbye, Lenin!» (2003), für den er den Deutschen Filmpreis gewann. Er spielte die Hauptrolle in der Martin-Suter-Verfilmung «Lila, Lila» (2009). Dank Auftritten in «Inglourious Basterds» (2009) von Quentin Tarantino und «Rush» (Golden-Globe-Nominierung) wurde auch Hollywood auf ihn aufmerksam. Brühl lebt in Berlin und Barcelona. (LOR)

Wie gut kannten Sie sich im Marvel-Universum aus, bevor die Anfrage kam?

Ging so. Deshalb habe ich am Anfang richtig gelitten. Mein Agent rief mich an und sagte, ich müsse tags darauf unbedingt Marvel-Chef Kevin Feige treffen. Und ich meinte: Alter, du musst mir mindestens eine Woche, wenn nicht sogar einen Monat Zeit geben, um die ganzen Comicbücher durchzulesen. Sonst stehe ich dann ganz dumm da. Doch Kevin Feige hatte nur an jenem Tag Zeit. Also ging ich hin. Wenn eine schwierige Frage kam, habe ich einfach abgelenkt: Noch ein Cappucino? (lacht). Aber ich bin durchgekommen!

Gibt es eigentlich eine reale Person, die Sie Held betrachten?

Naja... Lionel Messi? Wobei, nach den letzten Spielen, und den Panama-Papers... (lacht) Aber eigentlich hatte ich es nie so mit Helden. Das ist übrigens auch etwas, das mir am Film sehr gefällt. Diese Helden müssen sich ständig hinterfragen und am Schluss einsehen, dass sie gar nicht so heldenhaft sind.

In einem Marvel-Film mitzuspielen bedeutet ja auch, dass von Ihnen ein Spielzeug angefertig wird...

Genau, jetzt kommt der Lego-Zemo! Zum ersten Mal in seinem Leben interessiert sich auch mein dreizehnjähriger Neffe für mich.

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