Ehrenleopard
Claudia Cardinale: «Nur bitte keine Fragen über das Privatleben»

Endlich wartet Locarno mit Stars auf. Nachdem das Festival in früheren Jahren den Glamour gemieden hatte wie das Feuilleton den Klatsch, herrscht nun reger Verkehr auf dem roten Teppich.

Andreas Scheiner, Locarno
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Harrison Ford und Daniel Craig schritten ihn ab, Isabelle Huppert stöckelte die Bühne zur Piazza hinauf, und auch Bruno Ganz gab sich ein Stelldichein (allerdings war der Film mit Letzterem, die Pferdedresseur-Geschichte «Sport de filles», trotz Bruno Ganz missraten).

Mit Claudia Cardinale kam nun auch die «prima donna» des italienischen Kinos an den Lago Maggiore, um einen Ehrenpreis für ihr Lebenswerk abzuholen.

Das Staraufgebot ist gross, aber Locarno hat noch Mühe, den richtigen Zugang zur Prominenz zu finden: Das vereinbarte Interview mit Cardinale wurde am Abend zuvor abgesagt. Stattdessen offerierte man ein so genanntes «Roundtable»-Gespräch mit fünfzehn ausgesuchten Journalisten. Von einem runden Tisch konnte dann allerdings keine Rede sein: Es fanden sich gut doppelt so viele Pressevertreter zum Termin mit Cardinale ein; aus dem Interview wurde mit anderen Worten eine Pressekonferenz. Deren Moderation übernahm der künstlerische Leiter des Festivals, Olivier Père, höchstselbst.

Nervöser als die Ikone

Père war die Ehrfurcht vor der 73-jährigen «CC» (wie sie in Anlehnung an Brigitte «BB» Bardot genannt werden möchte) anzumerken. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Pressekonferenz lief der Mann nervös im Saal auf und ab. Seine Stirn glänzte wie der weisse Anzug; die goldgerahmte Pilotenbrille nahm er bis zum Eintreffen des Stars nicht ab. Dagegen nahm sich die italienische Filmdiva im lässig über die Schultern gelegten violetten Jäckchen geradezu bescheiden aus.

Und worüber redet man mit einer Ikone? Nur bloss nicht über Privates! Père blockte sogleich ab, als die Fra-ge kam, wie sich persönliche Krisen auf die Arbeit der Darstellerin ausgewirkt hätten: Man solle bitte schön nur über die Filme reden, tadelte er. Schade. Die Frage rührte direkt an der Faszination, die von CC ausgeht: Von Anbeginn ihrer Karriere verbarg sich ein Schatten hinter dem Glanz, den die in Tunesien geborene Frau verströmte. Aus einer vorehelichen Beziehung und angeblichen Vergewaltigung ging ein Sohn hervor, den Cardinale auf Geheiss der Filmfirma verleugnen musste.

Gequassel am Set

CC betonte dann noch, dass sie sich durch private Krisen in ihrer Arbeit nicht beeinträchtigen lasse. Und ihre darstellerischen Leistungen sprachen ja auch wirklich für sich. Also unterhielt man sich über Fellini, Visconti und Blake Edwards: 1962 hatte Cardinale mit den drei Grossen des Kinos nacheinander «81⁄2», «Il Gattopardo» und «The Pink Panther» gedreht.

Auf dem Set von Visconti sei es wie im Theater gewesen, erinnerte sich Cardinale: «so ganz still!»; Fellini dagegen, den sie «den anderen wichtigsten Regisseur in ihrer Entwicklung» nannte, sei ständig am Telefon gehangen, und ausserdem habe ein grosses Gequassel am Set geherrscht. Über Blake Edwards schliesslich wusste sie Spaghetti-Anekdoten zu erzählen.

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