Science-Fiction
Benedict Cumberbatch, ein neuer leuchtender Stern in der Galaxie

Der 36-jährige Brite Benedict Cumberbatch überzeugt als Bösewicht in «Star Trek Into Darkness», der zweiten Episode des Raumfahrt-Reboots von J.J. Abrams.

Marlene von Arx
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John Harrison (Benedict Cumberbatch, l.) steht seinem Widerpart Captain Kirk (Chris Pine) gegenüber.

John Harrison (Benedict Cumberbatch, l.) steht seinem Widerpart Captain Kirk (Chris Pine) gegenüber.

HO

Die Augen sind ein eiskaltes Blau und unüblich weit auseinandergesetzt. Die Lippen werfen schon ihm Ruhezustand eine wütende Welle auf, und die tiefe Stimme dürfte sogar Darth Vader so etwas wie Gänsehaut einjagen. Benedict Cumberbatch überzeugt als Galaxien-Bösewicht in «Star Trek Into Darkness».

Der Brite spielt ein menschliches Upgrade mit bösen Absichten namens John Harrison, der nach einem Terroranschlag auf das Londoner Starfleet-Archiv auf den Planeten Kronos flüchtet. Und so fällt es Captain Kirk, der bei seiner letzten Mission wieder einmal die Vorgesetzten verärgerte und zwischenzeitlich degradiert wird, und der Besatzung der Enterprise zu, Harrison zu stellen, ohne einen Krieg mit den Klingons vom Zaun zu reissen.

Ein autistischer Sherlock Holmes

Cumberbatch hat nicht zufällig einen Part in der Blockbuster-Lotterie gewonnen. Obwohl kein konventioneller Movie-Star-Dreamboy, gehört der 36-Jährige derzeit zu den gefragtesten Schauspielern in Hollywood. Sein nahezu autistischer «Sherlock», ein «App»-anwendender Holmes mit Handy in der neuesten Serien-Inkarnation des legendären englischen Detektives auf BBC (und z. Zt. SRF), ist auch jenseits des Atlantiks aufgefallen. «Star Trek Into Darkness»-Regisseur J.J. Abrams: «Benedict hat sowohl eine bedrohliche wie sympathische Ausstrahlung. Und dann diese Stimme! Auf dem Set gab er eine imposante, einschüchternde Figur ab und alle anderen Schauspieler standen etwas aufrechter, wenn sie um ihn herum waren. Er ist physisch und emotional extrem wandelbar. Ich war selber überrascht, wie viel schmächtiger er eigentlich in natura ist, als ich ihn an der Premiere wieder sah.»

Andere sehen ihn ihm hauptsächlich das Monster: Auf der Bühne spielte er in Danny Boyles «Frankenstein» alternierend den durchgeknallten Arzt und seine Kreatur, vor Peter Jacksons Green Screen verkörperte er den Necromancer («The Hobbit») und Smaug the Dragon («The Hobbit 2»). Und in «Star Trek Into Darkness» spielt er nun einen Über-Menschen mit «Super-Blut» (eingefleischte Trekkies haben längst herausgefunden, wer hinter der John-Harrison-Figur steckt, der Rest darf sich überraschen lassen). Bitter, bestialisch und besessen – alles ist aber nur Spiel: «Ich bin ganz gerne Teil Ihrer Spezies, danke, dass ich dabei sein darf», lacht Cumberbatch und führt an, dass er nach Feierabend «normalisierenden Aktivitäten» nachgeht, wie ein Bier im Pub trinken oder ins Kino gehe.

Auch Julian Assange

Isolierend und exzentrisch geht es aber vorderhand weiter: Als Nächstes wird Benedict Cumberbatch nämlich als Wikileaks-Gründer Julian Assange in «The Fifth Estate» zu sehen sein. «Die Leute auf der Strasse haben wohl eher eine Tabloid-Meinung von ihm, aber da mal zu erforschen, was hinter den Ideen dieses sehr talentierten Mannes steckt, war schon spannend.»Bevor der Sohn zweier Schauspieler in die beruflichen Fussstapfen seiner Eltern trat, verbrachte Benedict Cumberbatch sechs Monate in Indien, wo er am Fusse des Himalajas in einem tibetischen Kloster Englisch unterrichtete: «Das war eine ERFAHRUNG in Grossbuchstaben! Mit sehr hohen Hochs und abgrundtiefen Tiefs. Ich war zum ersten Mal von zu Hause weg und lernte da sicher mehr, als ich ihnen beibrachte.» Zum Beispiel lernte er zu meditieren, was ihm heute beim Konzentrieren helfe, wenn er viel Text runterrattern muss.

Er schätzt sich glücklich, von Hollywood gefordert zu werden, obwohl er, was Sci-Fi betrifft, eigentlich eher ein Fan von «Star Wars» als von «Star Trek» war: «‹Star Wars› hatte Lichtschwerter, den Millennium-Falken, ein haariges Geschöpf namens Chewbacca – alles Elemente, mit denen man als Kind auf dem Spielplatz der Fantasie freien Lauf lassen konnte. ‹Star Trek› ist eigentlich moralisch komplexer, was ich erst als Erwachsener mit J.J.s Reboot von 2009 verstand. Es geht um den Kampf um eine umfassendere Demokratie. Trotzdem hätte ich Lust, auch in die Welt von ‹Star Wars› einzutauchen», offenbart er.

Aufgetischt bewährtes

Trotz «Mission Impossible», «Star Trek» und bald «Star Wars» will Regisseur J.J. Abrams nach eigenen Angaben nicht als der «Reboot-Regisseur» in die Filmgeschichte eingehen. Zumindest was «Star Trek» betrifft, hat er aber diesen Titel sicher verdient und darf auch stolz darauf sein. «Star Trek Into Darkness» hat Captain Kirks Hitzkopf, Spocks Logik, Scottys Humor, klirrende Effekte und einen Bösewicht, der selbst Alex DeLarge aus «Clockwork Orange» zu Boden starren könnte.

Zu Beginn verbockt die Enterprise-Crew fast einen Einsatz, und so wird Captain Kirk (Chris Pine) zurückgepfiffen und degradiert. Doch sein Instinkt erweist sich als richtig, was einen Terrorangriff auf das Starfleet-Archiv in London und den Ex-Officer John Harrison (Benedict Cumberbatch) betrifft. Bald sitzt er wieder auf dem Captain-Stuhl und jagt mit seinem Team dem flüchtigen Attentäter in feindliches Territorium hinterher. (mva)

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