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55. Solothurner Filmtage verzeichnen über 66'000 Eintritte – das Festival im Rückblick

Die Solothurner Filmtage gingen am Mittwoch Abend mit der Preisverleihung und «Soirée de clôture» zu Ende. Die 55. Ausgabe verzeichnete über 66'000 Eintritte. Die neue Direktorin Anita Hugi ist zufrieden.

«Ich bin sehr glücklich mit der künstlerischen und numerischen Bilanz», kommentiert Anita Hugi, Direktorin der Solothurner Filmtage, die Resultate ihrer ersten Werkschau. «Das Programm der 55. Solothurner Filmtage stiess auf grossen Zuspruch. Mit über 66'000 Eintritten und einer Auslastung von 70.5% (+2%) in den Kinos stellen wir fest, dass das Interesse für den Schweizer Film erneut gestiegen ist. Am letzten Freitag, 24. Januar haben wir mit über 11'000 Eintritten den publikumsstärksten Freitag in der Geschichte des Festivals erlebt. Im Vorjahresvergleich (2019: 64'971) verzeichnen wir eine Zunahme von über 1'000 Eintritten. Nur im Jahr des 50. Jubiläums 2015 pilgerten mit insgesamt 68'000 Eintritten mehr Menschen an die Filmtage. 2020 standen im Vergleich zu den Vorjahren weniger Plätze zur Verfügung, u.a. weil das Kino Palace nach dem Umbau mit insgesamt weniger Sitzplätzen wiedereröffnet hat. Daher ist die Steigerung der effektiven Gesamtzahlen auf über 66'000 Eintritte besonders erfreulich».

Der «Prix de Soleure» ging am Mittwoch an Boutheyna Bouslama für ihren ersten langen Dokumentarfilm «A la recherche de l’homme à la caméra». Samir nahm für seinen Exilthriller «Baghdad in my Shadow» den «Prix du Public» entgegen. Zu den Preisen der 55. Solothurner Filmtage sagt Anita Hugi: «Dieser Palmarès steht für eine Vision der Solothurner Filmtage, die mir sehr gefällt. Er verbindet die Sprachregionen, die Generationen, die Genres und das Publikum in einem kreativen Dialog».

Boutheyna Bouslama und Samir mit ihren Preisen.

Boutheyna Bouslama und Samir mit ihren Preisen.

Zu den weiteren Höhepunkten der Werkschau gehörten die Verleihung der Upcoming- Preise und die erste Party der Schweizer Filmhochschulen im ehemaligen Industrieareal Attisholz vor den Toren Solothurns. Dort nahm Dejan Barac der Nachwuchspreis der 55. Solothurner Filmtage für seinen kurzen Dokumentarfilm «Mama Rosa» entgegen. Nach einem Branchenanlass und der Preisverleihung tanzten gegen 1'000 Festivalbesucherinnen und -besucher bis in die frühen Morgenstunden. Über 170 Studierende aus allen Landesteilen nutzten die neue Filmstudierenden-Akkreditierung.

Das Spezialprogramm «Fokus» widmete sich vor vollen Rängen dem Boom des seriellen Erzählens. Der «Prix d’honneur» wurde der Filmverleiherin Bea Cuttat verliehen und die Scheinwerfer des Spezialprogramms «Rencontre» richteten sich auf die Dokumentarfilmregisseurin Heidi Specogna. Sie stellte während sieben Tagen ihr gesamtes, fast 40 Jahre überspannendes Oeuvre persönlich vor und gab in zwei öffentlichen Master classes Einblick in ihre Arbeit. Auch im Spezialprogramm «Histories du cinéma suisse» standen Regisseurinnen im Zentrum: Mit fünf Spielfilmen der Westschweizer Filmpionierinnen Patricia Moraz, Christine Pascal und Paule Muret wurden «bekannte Unbekannte» der Schweizer Filmgeschichte vorgestellt. Den Abschluss des ausverkauften filmhistorischen Programms bildete eine Wikipedia-Schreibwerkstatt, wo in Zusammenarbeit mit «Who writes his_tory» und Wikimedia Schweiz Einträge zu Frauen im Schweizer Film verfasst wurden.

«Die starke weibliche Präsenz zeigte sich auch im Panorama Schweiz. Ich freue mich besonders, dass wir im Januar 2020 erstmals Parität bei den aktuellen kurz- und mittellangen Filmen im Programm erreichen konnten», erläutert Anita Hugi. «In den Preissektionen war der Anteil an Schweizer Regisseurinnen ebenfalls erfreulich hoch».

Im Rahmen der 55. Solothurner Filmtage fand zudem das erste «Atelier de la pensée» zum Thema «Fremde Länder, fremde Bilder?» in der Säulenhalle des Landhauses statt. 12 Filmschaffende trafen sich vor rund 100 Interessierten zu einem Austausch über den Umgang mit postkolonialen Bildern im Schweizer Film.

Die 55. Solothurner Filmtage zeigten vom 22. bis 29. Januar 2020 im «Panorama Schweiz» auf neun Leinwänden insgesamt 179 kurze, mittellange und lange Schweizer Filme. (mgt)

Und wir erinnern uns gerne an die Eröffnungsrede von Bundesrat Alain Berset:

Bundesrat Berset sorgt für Lacher an den Solothurner Filmtagen

Bundesrat Berset sorgt für Lacher an den Solothurner Filmtagen

Bundesrat Alain Berset sorgte in seiner Eröffnungsrede an den Solothurner Filmtage für viele Lacher und Applaus. Er nahm Bezug zum Thema Fichenskandal, der sich zum 30. Mal gejährt hat. Ihm fällt auf, dass im Deutschen viele Dinge, die negativ behaftet sind, auf französisch gesagt werden. Wie eben der «Fichen-Skandal», oder das überfüllte «Perron» im Bahnhof, oder der «Apéro riche», der für ein kleines Abendessen steht. Die Rede schloss er mit dem französischen Namen der Bank «Credit Suisse» ab und wies darauf hin, dass er soeben wieder beim ursprünglichen Thema angelangt sei – der Überwachung.

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