Kunstmuseum Basel

«Es ist für uns eine Chance, mit der Sammlung anders umzugehen»

Bernhard Mendes Bürgi, Direktor des Kunstmuseums Basel, erklärt, wie grundlegend die Sanierung des Hauptbaus ist und wie das Museum das Schliessungsjahr überbrückt.

Bernhard Mendes Bürgi, Direktor des Kunstmuseums Basel, erklärt, wie grundlegend die Sanierung des Hauptbaus ist und wie das Museum das Schliessungsjahr überbrückt.

Am Wochenende ist Finissage, dann wird der Hauptbau geschlossen und saniert. Direktor Bernhard Mendes Bürgi sagt, weshalb das Museum nun mit der Basler Bevölkerung feiert.

Am kommenden Samstag und Sonntag lädt das Kunstmuseum Basel ein zur Finissage. Danach wird es für etwas mehr als ein Jahr geschlossen und saniert. Vom 15. bis 17. April 2016 wird das in neuem Kleid erstrahlende Kunstmuseum gemeinsam mit dem Neubau feierlich eingeweiht. Kunstmuseumsdirektor Bernhard Mendes Bürgi äussert sich zur Sanierung, zur Finissage und spricht von einem Riesensprung, den das Museum in die Zukunft macht.

Herr Bürgi, was machen Sie am Montag, 2. Februar?

Bernhard Mendes Bürgi: Am 2. Februar beginnen wir mit dem Abhängen und dem Transfer der Kunstwerke. Gewisse Werke aus dem Depot haben wir bereits ausgelagert. Bis Mitte März müssen alle Kunstwerke entweder das Museum verlassen oder umgelagert werden. Danach nehmen die Bauarbeiter Besitz von den Museumsräumen.

Sie und das Team des Museums sind demnach vollauf beschäftigt. Ist das heute der Öffentlichkeit bewusst? Hat sich die Aufregung um das Schliessungsjahr inzwischen gelegt?

Es gibt diese Aufregung heute nicht mehr. Nachdem wir erfahren hatten, dass die Renovationsarbeiten eine einjährige Schliessung des Museums erfordern, mussten wir zuerst darüber nachdenken, wohin wir die Kunstwerke bringen. Erst dann konnten wir ein Konzept für Extraprogramme entwickeln. Was wir auch getan haben. Dafür brauchten wir Zeit. Seit unsere Pläne mit Ausstellungen in unserem Haus im St. Alban-Tal, im Museum für Gegenwartskunst (MGK), und im Museum der Kulturen Basel sowie in Madrid bekannt sind, ist der Ärger in der Stadt verflogen. Das Schliessungsjahr ist für uns ja auch eine Chance, mit der Sammlung anders umzugehen. So können wir unsere Picasso-Sammlung in Madrid im Kontext des Museo Prado zeigen. Oder wir können im MGK für die Moderne, die wir dort in der Ausstellung «Cézanne bis Richter» präsentieren, ein anderes Panorama entwickeln. Wir bringen so das späte 19. und das 20. Jahrhundert viel näher aneinander.

Die Basler Öffentlichkeit weiss, dass das Kunstmuseum ab nächster Woche bis im April 2016 geschlossen ist. Aber wie kommunizieren Sie das gegenüber den Touristen?

Wir kommunizieren in Basel neben der Schliessung ja vor allem auch, dass Meisterwerke aus dem Kunstmuseum Basel in zwei Ausstellungen zugänglich bleiben. «Cézanne bis Richter» im MGK und «Holbein. Cranach. Grünewald» im Museum der Kulturen Basel. Dazu haben wir eine grössere Plakatkampagne vorgesehen und nutzen neben unseren eigenen Kanälen auch sämtliche Kanäle von Basel Tourismus. Und am Kunstmuseum bringen wir grosse Banden an mit Informationen zum Schliessungsjahr sowie Werbung für die beiden Ausstellungen.

Es braucht auch Wegweiser, die die Touristen zu den Museen – vor allem zum MGK im St. Alban-Tal lenken?

Wir haben die Behörden von Basel-Stadt seit Jahren um eine bessere Signalisierung des Weges zum MGK gebeten. Nun sollten wir endlich besondere Wegweiser erhalten. Die Sache ist auf einem guten Weg.

Für die fehlende Signalisation des MGK sind ja nicht Sie verantwortlich – im Gegenteil, auch Søren Grammel, der Leiter des MGK hat es schon moniert. Verantwortlich dafür ist die Stadt Basel?

Ja, sie wehrt sich gegen zu viel Signalisierung. Aber die Lage des MGK im St. Alban-Tal ist schon speziell. Wir hoffen nun, in diesem Jahr mit unseren Aktivitäten dort das Haus verstärkt ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen. Das ist ein Vorteil der Umbruchzeit. Der Fonds für künstlerische Aktivitäten im Museum für Gegenwartskunst der Emanuel-Hoffmann-Stiftung und der Christoph-Merian-Stiftung, der unter der Ägide von Maja Oeri steht, hat für die Zeit der Kunstmuseumsschliessung einen Gratiseintritt ins MGK ermöglicht. Das ist sehr positiv.

Vor der Schliessung aber feiern Sie mit einer Finissage. Was an Kunst hängt noch?

Wir haben darauf geachtet, dass noch alle Kunst hängt. Nur gerade die Ausstellung «For Your Eyes Only» im ersten Stock, die Privatsammlung von Richard und Ulla Dreyfus-Best, haben wir bereits abgehängt. Dieser Raum, wo normalerweise die niederländischen Meister untergebracht waren, ist als einziger leer. Hingegen sind die Ausstellungen «Dürer und sein Kreis» und «Caspar Wolf und die ästhetische Eroberung der Natur» noch zu sehen. Die Sammlung ist in dieser Hängung zum letzten Mal zu sehen.

Was gibt es zu feiern?

Wir nehmen mit der Finissage Abschied vom alten Kunstmuseum Basel. Zudem kommunizieren wir mit der Finissage, dass das Kunstmuseum nun ein Jahr geschlossen ist und die Sammlung andernorts gezeigt wird. Mit der Eröffnung des renovierten Kunstmuseums und des Neubaus im April machen wir einen Riesensprung in die Zukunft. Insofern ist die Schliessung in ihrer Wirkung ja positiv. Es gibt wirklich keinen Grund, einen Klagegesang anzustimmen.

So wie nun die Basler Kunstsammlung jahrzehntelang gehangen ist, so wird man sie nach der Neueröffnung nicht mehr sehen?

Im Haupthaus ändert sich nicht viel. Bis anhin mussten wir für die Sonderausstellungen im zweiten Stockwerk die Sammlungsbestände der Moderne ausräumen und störten so den in sich schlüssigen Ablauf. Das ist künftig nicht mehr der Fall. Die Moderne darf das zweite Obergeschoss im Hauptbau dauernd bespielen. Und wir können dank dem Neubau mehr von unseren Schätzen der Kunst ab 1950 zeigen, die bis anhin zwischen Stuhl und Bank, das heisst zwischen Kunstmuseum und MGK, gefallen sind. Diese wichtigen Bestände richten wir im Neubau ein. Die Hauptveränderungen betreffen somit die Werke des 20. Jahrhunderts.

Was erwartet die Bevölkerung an der zweitägigen Finissage?

Viele tolle Kunstwerke, das ist die Hauptsache. Der Eintritt ist am Samstag und Sonntag gratis, das Museum bis 20 Uhr geöffnet. Am Sonntag gibt es ab 16 Uhr einen Abschlussapéro zu Klängen des Alphorntrios «Stück für Stück Alphorn Eigenart». Hier sollen sich die Besucher zum Abschied treffen.

Was genau wird im Hauptbau renoviert und erneuert?

In der zentralen Halle müssen neue Steigzonen geschaffen werden. Die Wände werden aufgerissen und neu verputzt. Die Elektrozentrale und die Klimaanlage werden neu. Ein weiterer starker Eingriff ins Gebäude ist die Erdbebensicherung. Das heisst wir müssen die Hauptmauern freilegen, diese verstärken und von Grund auf neu aufbauen. Zudem wird der Liftbereich erneuert – mit einem grösseren Warenlift. Der Personen- und der Warenlift werden dabei zusammengelegt. Das sind massive Eingriffe. Nur wird man nach der Renovation davon kaum etwas sehen. Da die gesamte Architektur natürlich erhalten bleibt. Ins Untergeschoss, wo der Verbindungstrakt an den Hauptbau andockt, wird zudem eine neue Treppenanlage errichtet. Wichtig war uns, dass wir im 2016 den Neubau zusammen mit dem sanierten Hauptbau eröffnen. Dennoch ist die Sanierung im Hauptbau 2016 noch nicht abgeschlossen. Weitere Etappen folgen.

Was folgt noch an Renovationen?

Vor allem das Dach. Es muss auch erneuert werden.

Die Bibliothek im Laurenzbau bleibt ja offen, ebenso das Bistro im Hauptbau. Und der Innenhof?

Wir müssen die Kunstwerke, die Skulpturen wie Rodins «Bürger von Calais» wegbringen. Der Innenhof wird mit Baucontainern verstellt sein. Es kommen etwa 100 Bauarbeiter.

Wer versichert Ihnen, dass der Umbau pünktlich fertig ist?

Das garantiert der Generalplaner. Die Sanierung wie der Neubau müssen Ende Oktober abgeschlossen sein. Danach werden zuerst die neuen Klimaanlagen richtig eingestellt. Das braucht Zeit. Danach können wir schrittweise die beiden Häuser einrichten und die Sammlung hängen. Der Zeitplan ist eng, aber genau durchgerechnet. Die aktuell bevorstehende Sanierungsetappe dauert siebeneinhalb Monate. Wir haben uns bemüht, dass wir das Kunstmuseum nur ein gutes Jahr schliessen müssen. Das ist bei anderen Häusern nicht so.

Das Rijksmuseum in Amsterdam zum Beispiel war viel länger geschlossen?

Es war ganze zehn Jahre geschlossen! Wir haben schon im vergangenen Jahr mit Sanierungsarbeiten begonnen, die den Museumsbetrieb nicht störten. Nur so schaffen wir die Sanierung in Basel in nur gerade einem Jahr. Dafür sollten wir Streicheleinheiten bekommen – und keine Schläge.

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