2017 war ein schwarzes Jahr für den Schweizer Mundart-Rock. Am 22. Juli 2017 starb Pionier Polo Hofer und am 30. Dezember folgte ihm auch noch Hanery Amman, dessen musikalisches Gewissen aus Anfangszeiten. Die Berner Mundartszene war geschockt, ein wirkliches Abschiedskonzert für den «Prototyp», wie sich Polo selbst nannte, gab es bisher aber nicht.

Das wird in diesen Tagen nachgeholt. Am Mittwoch war in der Mühle Hunziken in Rubigen Premiere zu einer 5-tägigen Konzertreihe zu Ehren des grossen Mundart-Poeten. Die Anteilnahme ist riesig, die Konzerte sind alle restlos ausverkauft.

HP Brüggemann erlitt Hirnschlag

Der Start zum Tribute wurde aber von einer traurigen Nachricht überschattet: Polos langjähriger Keyboarder und Komponist HP Brüggemann hat einen Tag vor den Proben einen Hirnschlag erlitten. Das war umso bedauerlicher, als Brüggemann als musikalischer Leiter der Tribute-Konzerte vorgesehen war. Er sei «auf dem Weg der Besserung» teilte Polos langjähriger Weggefährte Daniel Stöckli mit. Trotzdem musste er durch den Span-Keyboarder Stefan W. Müller sowie teilweise durch Marianna Polistena ersetzt werden. Beide erfüllten die Aufgabe bravourös.

Das Beste von Polo Hofer:

Auf der Bühne in der Mühle standen jene zwei Bands, die Polo Hofer die letzten drei Jahrzehnte begleitet hatten. Im ersten Set die letzte Band mit den Gitarristen Marc Gerber und Mario Capitanio sowie Pesche Enderli (Bass) und Andi Hug (Schlagzeug). Im zweiten Set die Schmetterband (1984–2004) in Originalbesetzung mit den Gitarristen Tinu Diem und Remo Kessler, Mauro Zompicchiatti (Bass) und Thomas Wild (Schlagzeug).

Dazu gesellten sich die Gästsänger Kuno Lauener, Schmidi Schmidhauser, Büne Huber und Sina. Letztere beide auch in umjubelten Duetten. Besonders berührend fielen «Wenn mys letschte Stündli schlat» (Büne Huber) und «S’Gebet» (Polistena) sowie «Di Gfallene Ängel» und «S’Letschte Tram» (Sina) aus, bei denen die eine oder andere Träne verdrückt wurde. Sonst herrschte aber eine ausgesprochen ausgelassene Stimmung. Ein fröhliches Gedenken, an dem Polo selbst seine helle Freude gehabt hätte. Und ein würdiger Abschied.

Aufgrund der vielfältigen anderen Verpflichtungen der Musiker sind die Tribute-Konzerte eine einmalige Sache. Wer sie verpasst hat, darf sich aber auf eine Album-Veröffentlichung freuen, denn SRF wird die Konzerte vom Freitag und Samstag aufzeichnen. Geplant ist ein Doppelalbum des denkwürdigen Tributes.