Schauspiel

Ein Musical-Vergnügen für die ganze Familie

«The King and I» ist ein Musicalklassiker, der – nach London – nun für kurze Zeit in Zürich gezeigt wird. Bildstark.

Was tut eine junge, verwitwete Britin, die 1860 vom König von Siam an den Hof in Bangkok gerufen wird? Sie leistet der Aufforderung Folge – und stösst auf einen Mann, der keinen Widerspruch duldet: denn er ist mächtig und unberechenbar, aber auch zerrissen zwischen den Werten seiner Väter und dem Wunsch, sein Land in eine bessere Zukunft zu führen.

Das macht das Leben für Anna Leonowens am Hof schwierig, weil sie dem König, seinen 67 Kindern und seinen unzähligen Frauen die englische Sprache und die europäische Kultur näherbringen soll, um das internationale Ansehen von Siam zu verbessern. Wie macht Anna das? Indem sie am Hof alles auf den Kopf stellt, dem autoritären Herrscher die Stirn bietet und schliesslich mit ihm – tanzt.

Jetzt dürfte klar sein, um welche Geschichte es sich handelt: «The King and I». Nicht Margarete Landons Roman wurde allerdings weltberühmt, sondern das gleichnamige Musical von Richard Rogers (Musik) und Oscar Hammerstein II (Text). Ihr Werk wurde 1951 uraufgeführt und später verfilmt mit Yul Brynner als König. Noch ein Aha-Erlebnis?

Wer erinnert sich nicht an «Shall We Dance», wenn Deborah Kerr (Anna) mit Yul Brynner übers Parkett wirbelt. Aargauern wird da warm ums Herz, denn der 1985 mit 65 Jahren verstorbene Hollywoodstar – Sohn eines Schweizer Konsuls in Russland und einer russischen Mutter – besass das Bürgerrecht von Möriken-Wildegg: seit einigen Jahren gibt’s dort sogar einen Yul-Brynner-Platz.

Ein König ohne Glatze und eine exzellente Anna

Der Schauspieler mit der Glatze wurde in der Rolle des Königs von Siam derart berühmt, dass es Nachfolger nie leicht hatten. Doch nun gastiert im Zürcher Theater 11 ein zuvor in London gezeigtes Revival des Musicalklassikers in der Originalversion (Regie: Bartlett Sher), das die Rolle anders facettiert. Jose Llana ist nicht primär ein grimmiger, sondern ein junger, attraktiver und kraftstrotzender Mann, der auch ironischere und sensiblere Seiten offenbart.

Ihm gegenüber steht Annalene Beechey als Anna Leonowens: ein Glücksfall. Diese Sängerin und Schauspieler ist von einer seltenen Anmut und Eleganz; sie bewegt sich mit einer Leichtigkeit auf der Bühne, die im Tanz mit dem König vergessen lässt, dass sie ein Kleid mit einer enormen Stofffülle und einem Gewicht von knapp 20 Kilogramm trägt.

Sie singt derart exzellent, dass sie – ohne zu dominieren – stimmlich ein Musical prägt, das mit den bewährten Ingredienzien Liebe, Exotik, Romantik und Tragik glänzt.

Michael Yeargans Bühnenraum und Catherine Zubers Kostüme stellen das Exotische nie plakativ, sondern farblich abgestimmt vor. Säulen, Vorhänge und Figuren werden diskret mit Gold bedacht – dagegen wirkt eingangs das britische Schiff vor dem roten Abendhimmel fast kitschig. Nur fast, denn Regisseur Sher erweist sich in jeder Szene – gerade in den Schulstunden mit den reizenden Hofkindern – als stilsicher.

Wie aus einem Guss wirkt die Inszenierung – und das gilt auch für Malcolm Forbes-Peckhams (Leitung) musikalische Interpretation. Dieser Dirigent weiss, wie man Ohrwürmer präsentiert, ohne sich in ihnen zu verlieren.

Der wiedererweckte Musicalklassiker «The King an I» ist ein Seh- und Hörvergnügen für die ganze Familie. Die Eltern werden über die vergebliche Liebe zwischen Anna und dem König sinnieren; die Kinder werden Freude an ihren Altersgenossen auf der Bühne haben.

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