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Ein letztes Mal Drachen-Meister: Der erfolgreichste Schweizer in Hollywood wechselt zur Regie

Für die «How to Train Your Dragon»-Filme machte Simon Otto aus seiner Katze den Film-Drachen Ohnezahn.

Für die «How to Train Your Dragon»-Filme machte Simon Otto aus seiner Katze den Film-Drachen Ohnezahn.

Simon Otto ist einer der erfolgreichsten Schweizer in Hollywood. Der Chefanimator der «How to Train Your Dragon»-Filme wagt nach 21 Jahren bei DreamWorks eine neue Herausforderung.

Wäre Simon Otto Schauspieler, würde ihn das ganze Land kennen. Kein anderer Schweizer arbeitet in Hollywood derzeit so erfolgreich wie der 45-jährige Animator aus Gommiswald SG.

Seine «How to Train Your Dragon»-Filmreihe (deutscher Titel: «Drachenzähmen leicht gemacht») spielte an den weltweiten Kinokassen über eine Milliarde Dollar ein, wurde für den Oscar nominiert und lockte alleine in der Schweiz fast eine halbe Million Zuschauer vor die Leinwand.

Nun läuft mit «How to Train Your Dragon: The Hidden World» bereits der dritte Teil an (siehe Filmkritik unten).

Doch danach ist Schluss. «Nach 21 Jahren bei DreamWorks Animation war es Zeit, meinen Kopf zu lüften und meine Optionen zu prüfen», sagt Simon Otto im Gespräch mit CH Media.

Trailer: «How to Train Your Dragon: The Hidden World»

Otto heuerte 1997 beim von Steven Spielberg mitbegründeten Hollywoodstudio an, um den Animationsfilm «The Prince of Egypt» zu realisieren. In der Folge arbeitete er sich innerhalb von DreamWorks bis ganz nach oben.

Ab 2010 amtete er bei den «How to Train Your Dragon»-Filmen als Head of Character Animation: Er war der Chef der Abteilung, die alle Drachen und Wikinger im Film entwarf, vom Aussehen bis zur Persönlichkeit.

Der natürliche nächste Schritt

Nun peilt Simon Otto ein neues Ziel an: «Ich mache den Sprung zur Regie, das ist für mich der natürliche nächste Schritt.» Der Ostschweizer hat sein Büro bei DreamWorks geräumt.

Es sei zwar denkbar, dass er bald wieder mit seinem bisherigen Arbeitgeber zusammenarbeiten wird. Doch die einzige Regiearbeit, die ihm DreamWorks bislang angeboten hat, sei noch nicht «das Richtige» gewesen, erzählt Otto.

Er würde gerne bei einem Film oder einer Fernsehserie Regie führen, und entsprechende Verhandlungen laufen derzeit auch mit anderen Filmstudios. Doch unterschrieben sei noch nichts.

«Ich möchte mir mit der Entscheidung Zeit lassen. Als Regisseur musst du dich drei bis vier Jahre lang komplett einem Filmprojekt hingeben können.»

Szene aus dem dritten Teil von «How To Train Your Dragon».

Szene aus dem dritten Teil von «How To Train Your Dragon».

In London, Paris und New York gäbe es ebenfalls gute Animationsfilmstudios, doch Simon Otto geht davon aus, dass er mit seiner Familie in Hollywood bleibt. «Das Zentrum der Animation, der Puls der Szene, ist dort. Und weil auch Netflix und andere Streamingdienste ins Geschäft einsteigen, entsteht dort gerade ein ganz neuer Boom um Animationsfilme.»

Otto führte bereits bei einer Episode der Netflix-Animationsserie «Trollhunters» (2016) Regie und schwärmt von dieser neuen Herausforderung: «Als Regisseur zeichnest du zwar weniger, dafür kannst du dich voll und ganz darauf konzentrieren, wie du die Geschichte am besten und am spannendsten erzählst.»

Er freue sich darauf, Filme in Zukunft noch stärker mit seiner eigenen Handschrift zu prägen.

Richtig ans Herz gewachsen

So wie Dean DeBlois. Der 48-jährige Kanadier führte bei allen drei Drachen-Filmen Regie und schrieb auch jeweils das Drehbuch. Das sei bei amerikanischen Animationsfilmen nur selten der Fall, sagt Simon Otto. «Wir machen Autorenkino in Hollywood. Dean hat die Trilogie von A bis Z geprägt. Und genau das ist auch mein Ziel.»

Mit «How to Train Your Dragon: The Hidden World» möchten Otto und DeBlois ihre Drachen-Trilogie würdig abschliessen. Die Filmfiguren seien schliesslich nicht nur dem Kinopublikum ans Herz gewachsen, sondern auch ihnen.

Die letzte Filmszene mit dem Drachen Ohnezahn zu animieren, sei ein besonders emotionaler Moment gewesen. Nicht zuletzt weil Ohnezahn von Simon Ottos eigenem Haustier inspiriert ist: «In Ohnezahn steckt die ganze Beziehung drin, die ich als Kind zu meiner Katze Bingo hatte.»

Dass Ohnezahn und der Wikinger-Anführer Hicks im neuen Film ihr Dorf verlassen und zu neuen Ufern aufbrechen, ist kein Zufall. «Ich habe zwölf Jahre lang an diesen Filmen gearbeitet und blicke jetzt, ähnlich wie Hicks, mit gemischten Gefühlen in die Zukunft», sagt Simon Otto.

«Ich bin traurig, dass es mit Ohnezahn, Hicks und den anderen Figuren zu Ende geht. Aber ich bin auch froh, neue Figuren kreieren und etwas ganz Neues erkunden zu können.»

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