Literatur

Die «grüne Welle» schwappt in den Buchhandel: Was taugen Kinderbücher über den Klimawandel?

Für den Schülerstreik zu jung, nicht aber fürs Kinderbuch über den Klimawandel: Vier Bücher zeigen den Erwachsenen von morgen auf, was sie tun könnten.

Für den Schülerstreik zu jung, nicht aber fürs Kinderbuch über den Klimawandel: Vier Bücher zeigen den Erwachsenen von morgen auf, was sie tun könnten.

Mit den Schülerstreiks sind viele neue Bücher zum Klimawandel erschienen. Viele richten sich an Kinder, manche an Kinder im Vorschulalter. Was taugen sie, und an wen richten sie sich? Vier Beispiele.

Jeden Freitag gehen sie auf die Strasse, um die politischen Entscheidungsträger und Erwachsenen wachzurütteln. Die «Klimajugend» ist sichtbar und in aller Munde: Gerade schaffte sie es auf Platz eins der Deutschschweizer Wörter des Jahres 2019. Ihr Thema beherrscht die gesellschaftliche Debatte, im Parlament, in den Medien, im Lehrerzimmer und zu Hause am Küchentisch.

Wer nicht nur übers Wetter reden, sondern Bescheid wissen und verantwortungsvoll handeln will, braucht handfeste, ansprechend aufbereitete Informationen. Es gibt sie unterdessen schon für Kinder im Vorschulalter, die noch nicht streiken können und erst noch das Lesen lernen müssen.

Keiner zu jung, um aktiv zu sein

«Wie viel wärmer ist ein Grad?»: Ab 7 Jahren, erschienen bei Beltz & Gelberg.

«Wie viel wärmer ist ein Grad?»: Ab 7 Jahren, erschienen bei Beltz & Gelberg.

Was beim Klimawandel passiert, erklärt das Sachbuch «Wie viel wärmer ist ein Grad?» von Kristina Scharmacher-Schreiber und Stephanie Marian einfach und anschaulich: anhand von Begriffen wie «Treibhauseffekt» oder «ökologischer Fussabdruck». Es geht zurück in die Erdgeschichte, zeigt, wie Klimaforscher arbeiten und welche Auswirkungen die Erderwärmung hat. Deutlich wird aber auch, dass jeder etwas tun kann: mit der Bahn in die Ferien fahren statt zu fliegen, auf unnötige Einkäufe verzichten, wenig oder kein Fleisch essen.

Das Buch ist nahe am Alltag der Kinder, sowohl im Text als auch in den comicartigen Bildern und Grafiken. Es richtet sich bereits an 7-Jährige. Konsequenterweise hat der Verlag Recyclingpapier und mineralölfreie Druckfarben verwendet und auf Folienkaschierung verzichtet.

«Jeden Freitag die Welt bewegen. Gretas Geschichte»: Ab 8, dtv.

«Jeden Freitag die Welt bewegen. Gretas Geschichte»: Ab 8, dtv.

Dass keiner zu jung ist, um aktiv zu werden, betonen vor allem die Bücher, die Greta Thunberg in den Mittelpunkt stellen – wie etwa Viviana Mazzas «Jeden Freitag die Welt bewegen. Gretas Geschichte». Die Journalistin erzählt, wie die schüchterne Schwedin zur Ikone der Klimabewegung wurde und was sie antreibt, den Politikern die Leviten zu lesen.

Mazzas Buch ist eine grüne Heldengeschichte, nicht ohne Pathos, aber leicht lesbar und als Schullektüre ebenso geeignet wie als Buch für die nächste Bahnfahrt.

Das Unbequeme am Klimaschutz

«Paulas Reise»: Ab 8 Jahren, erschienen bei Oetinger.

«Paulas Reise»: Ab 8 Jahren, erschienen bei Oetinger.

Ein verrücktes Huhn, das mitten im Winter ein Ei legt, macht einer Journalistenfamilie Beine: Daraus ist Jana Steingässers Buch «Paulas Reise» entstanden, eine spannende Fotoreportage und Familiengeschichte. Paulas Eltern wollten mit ihren Kindern nicht nur in Büchern blättern, sondern sich draussen schlau machen – in Weltgegenden, in denen sich der Klimawandel schon drastisch bemerkbar macht, etwa in Grönland oder in den Alpen.

Jana Steingässer hat stellvertretend für die zwölfjährige Paula ihre Erlebnisse und Beobachtungen aufgeschrieben, als Reisetagebuch, das Kindern die Welt in ihrer Schönheit und Verletzlichkeit näherbringt. Dazu gibt es informative Sachtexte, und das Huhn darf dabei auch ein Wörtchen mitgackern. Das weckt die Lust auf eigene Entdeckungsreisen (natürlich nicht im Flugzeug oder Auto) und sensibilisiert für das Umweltthema.

«50 kleine Revolutionen, mit denen du ...»: Ab 9 Jahren, erschienen bei dtv.

«50 kleine Revolutionen, mit denen du ...»: Ab 9 Jahren, erschienen bei dtv.

Die Welt verbessern lässt sich auch zu Hause und direkt vor der Haustür. Pierdomenico Baccalario und Federico Taddia zeigen, wie es geht, mit einem handlichen, witzig illustrierten Taschenbuch in «Simplify-your-life»-Manier: «50 kleine Revolutionen, mit denen du die Welt (ein bisschen) schöner machst». «Die Welt ist nicht unser Sofa, auf dem uns nur noch die Fernbedienung und ein Joystick fehlt», schreiben sie und stiften dazu an, in die Gänge zu kommen. Was tun? Manche Vorschläge sind einfach: keine Plastikflaschen kaufen, das Handy ausschalten, Bücher und Comics tauschen.

Andere nehmen mehr Zeit in Anspruch und können zur Lebensaufgabe werden. Doch «Gib den Ball ab, auch an Schwächere» wäre ein guter Anfang und könnte spielerisch das Bewusstsein dafür stärken, dass der Planet Erde nicht den Reichen und Mächtigen gehört, sondern allen. Auch und gerade den Erwachsenen von morgen.

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