Zum 90. Geburtstag

Die ganze Welt lag Caterina Valente zu Füssen

Caterina Valente 1958 im Musikfilm "Hier bin ich, hier bleib ich".

Caterina Valente 1958 im Musikfilm "Hier bin ich, hier bleib ich".

Mit Schlagern wurde sie bei uns bekannt, doch die Sängerin und Entertainerin war viel mehr. Nach Marlene Dietrich war sie der einzige Weltstar aus dem deutschsprachigen Raum. Am 14. Januar feiert sie im Tessin ihren Geburtstag.

Es soll die verdiente Würdigung für eine überragende internationale Karriere werden. Doch als Caterina Valente am 1. Dezember 2005 für die feierliche Übergabe des Ehren-Bambi in München eintrifft, wird sie von den jungen Fernsehmachern nicht einmal erkannt. Niemand kümmert sich um sie, man lässt die damals 75-jährige Sängerin unbeachtet im kalten Gang stehen.

Das war einer ihrer letzten öffentlichen Auftritte. Caterina Valente wurde mit einem Schlag bewusst, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Sie zog sich konsequent von der Bühne zurück. Nicht Verbitterung gab den Anstoss, sondern Einsicht. Seither lebt sie zurückgezogen in Lugano.

Wer Caterina Valente sagt, dem kommen Evergreens und Schlager in den Sinn wie «Ganz Paris träumt von der Liebe» (1954), «Spiel noch einmal für mich, Habanero» (1958), «Tschau, Tschau, Bambina» (1959) oder «Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-Strand-Bikini» (1960), den sie mit ihrem Bruder Silvio Francesco aufnahm. Mit diesen Songs feierte sie im deutschen Sprachraum ihre grössten Triumphe. Es war die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs, als der deutsche Schlager vom grossen Fernweh gepackt wurde. Die ­gebürtige Italienerin mit dem südländischen Temperament ver­körperte diese Sehnsucht wie keine andere.

Walo Linder hat sie entdeckt

«Ich bin eine Pariserin mit italienischer Abstammung, die in der Schweiz lebt und einen deutschen Pass hat», sagte sie einmal. Sie sprach sechs Sprachen fliessend, ging aber nie zur Schule. Die Bühne war ihre Schule und sie war schon immer ein Showgirl. Ihr Vater war Akkordeonist, ihre Mutter Musik-Clown und sie ist in der Welt des Varieté aufgewachsen.

Schon im Alter von fünf Jahren stand sie auf der Bühne. Ihre Karriere begann sie aber mit Jazz. Der legendäre Unterhaltungschef von Radio Zürich, Walo Linder (Prix Walo), hörte sie 1952 im Zirkus Grock und holte sie für Aufnahmen ins Radiostudio Zürich. Diese Zürcher Aufnahmen gingen an alle deutschen Radiostationen, wo sie der führende deutsche Big Band-Leiter Kurt Edelhagen hörte, in sein Orchester holte, mit ihr 1954 auf grosse Europatour ging und damit Valentes Karriere so richtig lancierte.

«In Deutschland war sie beliebt mit ihren Schlagern, doch gleichzeitig sang und tanzte sie auf den Weltbühnen und war ein Weltstar», sagt Pepe Lienhard, der sie auch persönlich gut kannte und sie auch begleitete. Über Nacht stürmte sie mit «Malagueña» (1954), «The Breeze and I» (1955) die US-Charts und sang sich in der TV-Show «Live From Coast to ­Coast» in die Herzen der Amerikaner. In der Kategorie der Showstars bewegte sie sich auf Augenhöhe mit Liza Minelli und Barbra Streisand und stand mit den grössten US-Stars wie Bing Crosby, Dean Martin, Danny Kaye, Bill Haley, Louis Armstrong und Ella Fitzgerald auf der Bühne, 1972 auch mit dem grossen französischen Komponisten Michel Legrand.

Immer wieder kehrte sie zum Jazz zurück. So zum Beispiel 1956 als sie mit der Cool Jazz-Ikone Chet Baker die Songs «I’ll Remember April» und «Every Time We Say Goodbye» einspielte oder 1986 auf Tour mit dem Count Basie Orchestra.

1959 wurde sie für einen Grammy als beste Sängerin nominiert und der Sänger Perry Como widmete ihr 1962 sogar den Song «Caterina». Doch Valente musste auch Rückschläge einstecken. 1963 verweigerte ihr das Label RCA den Release einer Platte mit brasilianischem Bossa Nova. Ihr wurde Astrud Gilberto vorgezogen, die darauf mit dem Saxofonisten Stan Getz den Song «The Girl From Ipanema» veröffentlichte und einen Welthit landete.

Valente wurde aber schon bald mit Preisen für ihre wöchentliche TV-Show «The Entertainers» entschädigt, in Japan führte sie die Hitparade an und in Las Vegas wurde sie als «amerikanisch swingende Europäerin» gefeiert. 1965 überreichte ihr Sammy Davis jr. als erste Nicht-Amerikanerin den «Fame Award» als beste Sängerin im US-Fernsehen. Caterina Valente war ganz oben ­angekommen.

«Caterina Valente hat über die Jahrzehnte bewiesen, wie erfolgreich ein Star mit Musik Made in Germany sein könne», hiess es bei der Bambi-Ehrung 2005, «mit ihrer grossen Stimme und ihrem unvergleichlichen Charme war sie eine Wegbereiterin für viele internationale weibliche Stars wie Mariah Carey und Celine Dion». Niemand aus dem deutschen Sprachraum habe aber auch nur annähernd das erreicht, was Caterina Valente erreicht hat, sagt Pepe Lienhard. Dabei konnte sie nicht nur singen, sie brillierte auch als Tänzerin, Schauspielerin und Gitarristin. Im internationalen Showbiz war sie der einzige deutsche Weltstar seit Marlene Dietrich.

«Ich habe alles gemacht, was ich machen wollte»

1987 gab Caterina Valente ihr letztes Konzert in den USA, 1996 ihr letztes in Deutschland bevor sie sich 2005 nach der Bambi-Ehrung für ihr Lebenswerk endgültig und konsequent zurückzog. Seit Jahrzehnten wohnt sie mit ihren beiden Söhnen im Tessin, gab aber praktisch nie mehr Interviews. «Ich habe alles gemacht, was ich machen wollte», sagte sie in einem ihrer letzten Interviews. Alles ist gesagt. So hält sie es auch für ihren 90. Geburtstag am Donnerstag. Nur ein Bild liess sie aus ihrem Wohnsitz in Lugano autorisieren. Dem Vernehmen nach geht es ihr gut. Gross feiern sei aber nicht mehr ihr Ding, auch ohne Corona nicht, liess sie über Facebook mitteilen.

An ihrem 90. Geburtstag am 14. Januar kann Caterina Valente auf eine unvergleichliche Karriere zurückschauen. Sogar im «Guinness-Buch der Rekorde» ist sie als erfolgreichste europäische Sängerin mit mehr als 1350 veröffentlichten Aufnahmen in 13 Sprachen aufgeführt. «Für mich ist sie heute noch ein Weltstar», sagt Pepe Lienhard.

Caterina Valente Special

SRF Musikwelle, 14. Jan, 12 Uhr: Schwerpunkt; 20 Uhr: «Die Caterina Valente-Story» (4 Teile von 1993). Fernsehen SRF1, 16. Jan, 14 Uhr: «Schneewittchen und die sieben Gaukler» (Film von 1962).

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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