Soul

Der Soulsänger Vlada und sein Comeback: Von Aarau aus nach Nashville – und wieder zurück

Mit einer neuen EP meldet sich Vladimir Tajsic nach längerer Pause zurück.

Mit einer neuen EP meldet sich Vladimir Tajsic nach längerer Pause zurück.

Der Aarauer Soulsänger Vlada meldet sich zehn Jahre nach seinem Debütalbum zurück. Nach einem Aufenthalt in Amerika ist der Sänger nun wieder auf den schweizerischen Bühnen anzutreffen. Im Gepäck hat er eine neue EP und viel Erfahrung.

Ganze zehn Jahre liegen zwischen dem Debütalbum und der neuen EP von Vlada. Eine lange Zeit. Eine, in der Vlada in Amerika und der Schweiz gelebt hat. In der er nicht nur geheiratet, sondern auch zwei Kinder bekommen hat. Ein Jahrzehnt lang war er musikalisch nicht untätig - und doch in der Schweiz nahezu von der Bildfläche verschwunden. Nun ist er zurück, auf «All About You» folgt «River Flow». Ein erwachsenes Werk, das an sein erstes Album erinnert – und letztlich doch nur die Stilrichtung Soul mit ihm teilt.

Schon früh entdeckte Vladimir Tajsic die Freude an diesem Genre. Als Teil einer serbischen Familie und Enkel eines Geigenbauers wurde ihm die Liebe zur Musik in die Wiege gelegt. Im Alter von vier Jahren begann er zu singen, imitierte Elvis, seinen grössten Helden. In der Schule lernte er die Gospelmusik kennen, war schnell fasziniert.

«Als ich Mahalia Jackson zum ersten Mal gehört habe, bekam ich Hühnerhaut», sagt Vlada. Die afroamerikanische Musik lässt ihn nicht mehr los, es ist Liebe auf den ersten Blick. «Wenn ich diese Art der Musik höre, geht mir das Herz auf. Sie berührt mich mit Abstand am meisten. Also habe ich angefangen, mich damit auseinanderzusetzen, Lieder zu schrieben, die in diese Richtung gehen.»

Vom Leben und seinen Geschichten inspiriert

Inspirieren lässt er sich beim Schreiben ähnlich wie seine Vorbilder vom Alltag. Oft fallen ihm die Themen in den Schoss - und nicht selten entsteht seine Musik zuerst am Klavier, eher er sich an den Schreibtisch setzt, um einen Text um die komponierten Melodien zu winden. «Das Leben bringt die besten Ideen. Ich schreibe über Sachen, die mich bewegen. Geschichten, die ich höre oder selbst durchlebe», sagt Vlada. Auch auf «River Flow» wird über Gott und die Welt gesungen. In Zusammenarbeit mit Andreas Hausammann, Marc Ebermann und Matthias Meusel entstand ein Werk mit Motown-Sound.

Alleine das unterscheidet die neue Platte von seinem Debütalbum. Damals waren unzählige Mitwirkende präsent, unter anderem Grössen wie Vinnie Colaiuta, Paul Jackson Jr. oder Abraham Laboriel. Die Songs wurden in kürzester Zeit aufgenommen und doch erstreckte sich die Fertigstellung über mehrere Jahre. «Die Platte ist um einiges technischer, sehr ausproduziert. Nun wurden weniger Instrumente eingesetzt. Das lässt mehr Raum für die Stimme, ist intimer und persönlicher. Stilistisch geht die EP mehr in die Richtung Singer-Songwriter-Soul», so Vlada.

Trotzdem will er die damaligen Erlebnisse und seine Wunderplatte keineswegs missen. Dass er mit den Musikern von Whitney Houston, Sting oder Michael Jackson zusammenarbeiten durfte und seinen neuen grossen Helden begegnen konnte, sieht er als wunderbares Geschenk an.

Die Zeit des Wartens ist vorbei

«Dass diese Menschen sich zurückgenommen, die gleiche Qualität auch auf meinem Album abgeliefert haben, hat mich gestärkt und inspiriert», sagt Vlada. An seiner Leidenschaft hat er immer festgehalten, selbst wenn er lange Zeit nicht das Bedürfnisse hatte, sich nach dem Album einem zweiten Grossprojekt zu widmen. Lange standen für ihn Live-Konzerte im Vordergrund.

In Nashville und New York weilte er fünf Jahre lang, liess sich von der dortigen Begeisterung tragen. «Jeder hat mit Musik zu tun. Das ist einerseits befruchtend, es entstehen viele Beziehungen und Möglichkeiten. Gleichzeitig ist aber auch die Konkurrenz grösser», sagt Vlada. Er schwärmt über die dort omnipräsente Musik, das Zusammenleben mit Gleichgesinnten. «In einer Stadt wie New York läuft überall Musik auf einem hohen Level. Das motiviert dich, dranzubleiben, zu schrieben und zu singen. In der Schweiz braucht es noch mehr Selbstdisziplin.»

Nichtsdestotrotz hat er diese auch hierzulande wiedergefunden. Die Zeit des Wartens ist vorbei, seine EP will Vlada nun live präsentieren. Was vor dreissig Jahren mit dem ersten Auftritt am Kantifest in Aarau seinen Lauf nahm, soll noch lange nicht enden. «Wichtig sind letztlich die Begegnungen mit den Menschen. Wenn sie zu dir kommen und sagen, dass ihnen deine Lieder Freude geschenkt, Hoffnung gegeben oder sie zum Tanzen gebracht haben.»

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