Kultur

Das Zürcher Theaterspektakel findet statt - ohne Volksfeststimmung auf der Landiwiese

© Keystone

Das Zürcher Theaterspektakel soll wie geplant vom 13. bis 30. August  Theaterliebhaber aus der ganzen Schweiz anlocken. Wie das Schauspielhaus Zürich im Juni setzen die Organisatoren wegen der Coronaeinschränkungen auf Konzepte aus dem Museumsbereich.

26'000 bis 29'000 verkaufte Tickets, 150'000 Besucher. Das sind die Dimensionen des Zürcher Theaterspektakels. An Augustwochenenden verbreiten auf der Zürcher Landiwiese normalerweise Tausende Besucher fröhliche Volksfeststimmung. Das Spektakel ist ein Grossanlass, der Theaterliebhaber, Gourmets und Familien gleichermassen auf die Landiwiese lockt, und das seit vielen Jahren.

Auch 2020 soll das Zürcher Theaterspektakel wieder einen Akzent im Kultursommer setzen. Doch die Bedingungen, unter denen das geschehen soll, sind schwierig: Die vorwiegend aus Drittstaaten ­engagierten internationalen Künstler werden in diesem Jahr keine Chance haben, in die Schweiz einzureisen. Und weil der Bundesrat ein Verbot für Grossveranstaltungen bis mindestens Ende August ausgesprochen hat, wird das Zürcher Theaterspektakel als eines der letzten Festivals (13.8.–30.8.) sich mit den Beschränkungen arrangieren müssen, bevor möglicherweise wieder Normalität einkehrt. «Eine Einlasskontrolle zur Landiwiese für ein Theaterspektakel 2020 schien uns nie eine interessante Lösung zu sein. Wir haben deswegen nach Ideen und Projekten gesucht, die andere Wege gehen, wie Menschen für Kunst zusammenkommen», sagt der künstlerische Leiter Matthias von Hartz. Für das Festival, das stolz darauf ist, weltweites Theaterschaffen abzubilden, war es auch keine Option, nur Künstler aus dem Schengen-Raum einzuladen.

Auch Online-Streams soll es nicht geben. Man prüfe derzeit, ob man die ausländischen Künstlerhandschriften in andere, nicht thea­trale Formen übersetzen könne. Etwa in digitale Projekte, Radiobeiträge, Telefongespräche oder installative Arbeiten. Die Aktivitäten sollen sich nicht mehr nur auf der Landiwiese ballen, sondern im grösseren Stil auf den öffentlichen Raum ausgeweitet werden. Die beliebten Strassenkünstler hätten so eine Chance, auch dieses Jahr aufzutreten.

Corona-Passionsspiel am Schauspielhaus Zürich:
die Götter im Freien beschwören

Theater anders denkt im Juni auch das Schauspielhaus Zürich. «Wir haben in den letzten Wochen darüber nachgedacht, wie man ein Programm macht, bei dem die Menschen wieder Zutrauen fassen und Lust haben auf den Besuch von Kulturveranstaltungen. Wir haben uns dazu an Museen orientiert», sagt Co-Intendant Benjamin von Blomberg. In der Schiffbauhalle wird im Juni eine installative Arbeit der Filmemacherin Wu Tsang gezeigt, eine der Hausregisseurinnen des Hauses. Durch die Installation wird eine beschränkte Anzahl Personen geschleust . Auch die Pfauenbühne wird ein Kunstraum – zu festen Öffnungszeiten kann man sich eine Videoinstallation von Wu Tsang anschauen. Zum Abschluss der Spielzeit zeigt Co-Intendant Nicolas Stemann zwei Vorstellungen seines Corona-Passionsspiels, dessen Entstehung in den letzten Monaten als Work-in-Progress im Internet verfolgt werden konnte. «Wir wollen den ganzen Schiffbau bespielen. Man landet irgendwann im Atrium - im Freien lassen sich die Götter einfach besser beschwören!», so von Blomberg.

Wie schwierig es ist, agil auf die ständig sich verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen zu reagieren, sieht man an den zum letzten Mal stattfindenden Zürcher Festspielen. Die für Anfang Juni angekündigten Veranstaltungen wirken jetzt schon anachronistisch: DIY-­Partys und Taschennähkurse für zu Hause stehen auf dem Programm. Die Zeit der Balkonkonzerte scheint definitiv vorbei zu sein.

Autor

Julia Stephan

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