Es ist ein knorriges Gebilde, das einem in der Ausstellung als Erstes auffällt: Ein vermooster Baumstrunk als Vogelhäuschen, dem jedes Gefühl von Geborgenheit, das man damit in Verbindung bringen würde, abhandengekommen ist. Daneben verwitterte Stangen, die an die Stäbe aus dem Spiel Mikado erinnern. Und schliesslich auf der anderen Seite des Raumes die geradezu verwahrlosten Rückseiten von Scheunen, die wie surreale Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit aussehen.

Ein Element, drei Projekte

Unter dem Titel «Nistkästen, Schneezeichen und Wetterseiten» stellt Patrik Fuchs Fotografien über den Winter vor. Inspiriert wurde Fuchs vor allem von der Jahreszeit: Der Winter und der Schnee sind zentrale Aspekte seiner Arbeit. «Ich mag die Zeit einfach: das Nüchterne, das Kühle, das Karge.» Doch die drei Arbeiten sind unabhängig voneinander entstanden. Patrik Fuchs hatte kein vorgefertigtes Konzept: «Plötzlich stosse ich auf etwas, das mich berührt. Und dann wimmelt es auf einmal nur so von Nistkästen.»

Für diese Ausstellung hat er drei solcher Funde ausgewählt, die ihm unabhängig voneinander immer wieder aufgefallen sind und ihn nicht mehr losgelassen haben. Die erste Serie zeigt verschiedene, zum Teil skurrile Vogelhäuschen, die der Fotograf auf Spaziergängen im Wald entdeckt hat. Die zweite Serie, die «Schneezeichen», sind fast in Originalgrösse abgebildete Holzstöcke und Metallstangen, wie sie in Berggebieten verwendet werden, um den Verlauf der verschneiten Strasse abzustecken. Jede von ihnen ist einzigartig, sei es in ihrer Farbigkeit oder in ihrer Abnutzung. Und die «Wetterseiten», die Aufnahmen einsam stehender alter Holz-Scheunen, wiederum wirken zugleich bedrohlich und verletzlich, letzlich aber doch standhaft.

Stets geleitet von dem Anspruch, Alltägliches und Seltsames in ein neues Licht und damit in den Fokus des Betrachters zu rücken, trennt Patrik Fuchs die Objekte von der ursprünglichen Idee und stellt sie isoliert vor einen schwarzen oder weissen Hintergrund. «Das Konzept der Isolation gibt Raum zum Denken. Indem die Objekte losgelöst von ihrem bekannten Kontext dargestellt werden, entsteht eine Erweiterung: Wir können sie neu sehen und neu denken.» Was bleibt also beispielsweise von der Heimeligkeit und Wärme eines Nistkastens, wenn er
auf einer Fotografie zweckentfremdet und kalt dargestellt wird?

Eine Galerie für Fotografie

Mit den Fotografen Bernd Uhde und Julia Christe werden die Themen Wetter, Umwelt und Mensch in der galerie94 in diesem Jahr weitergeführt. Sascha Laue, der 2015 im Badener Merker-Areal seine Galerie für zeitgenössische Fotografie eröffnet hat, kündigt für Ende Jahr einen besonderen Leckerbissen an: eine Serie des 1969 verstorbenen Schweizer Fotografen Gotthard Schuh. Seine Bilder aus Venedig wurden so in der Schweiz noch nie gezeigt.

Patrik Fuchs «Nistkästen, Schneezeichen und Wetterseiten», galerie94, Baden, Vernissage: Samstag, 16. Januar, Artist Talk: Samstag, 30. Januar, 16 Uhr, Finissage: Sonntag, 28. Februar. Die galerie94 ist Donnerstag und Freitag von 18 bis 20 Uhr und Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet.