Mein Lieblingswerk

Werner von Mutzenbecher: «Jede der Frauen hat ihr eigenes Geheimnis»

Paul Gauguin: Ta matete (Der Markt) aus dem Jahr 1892, Öl auf Jute, 73,2×91,5 cm, Geschenk von Robert von Hirsch, 1941.

Paul Gauguin: Ta matete (Der Markt) aus dem Jahr 1892, Öl auf Jute, 73,2×91,5 cm, Geschenk von Robert von Hirsch, 1941.

Der Basler Maler Werner von Mutzenbecher wählt von Paul Gauguin «Ta matete» von 1892 als sein Lieblingswerk aus dem Kunstmuseum.

«Die Erinnerung an das Bild reicht tief in die Zeiten zurück. Es war eigentlich immer da, in vielen Reproduktionen, im Museum als stilles, geheimnisvolles Original. Die wunderbaren Frauen Gauguins eben, wie sie gesittet und ernst dort auf der langen Bank sitzen, das vergisst man nicht.

Und dennoch wäre ich überfordert, müsste ich die Gestik der Frauen, ihre Körperhaltung, die Farbe der Kleider von links nach rechts beschreiben. Nur, dass das Bild ein karges Leuchten ausstrahlt, ist unumstösslich. Das wuchtigere, ja monumentale «Nafea faa ipoipo» besitzt eine ganz andere Farbgebung, fast zu üppig, zu warm für mich, das kühlere «Ta matete» lag mir immer näher.

Und ist doch so entrückt! Nur Frauen auf dem Bild, hinten klein zwei Träger, sonst Frauen, selbstbewusst, im Gespräch oder einfach nebeneinandersitzend, vorne rechts von einer stehenden Frauenfigur wie bewacht. Eine reine Frauengesellschaft also, wie so oft bei Gauguin. Seltsam altägyptisch in Seiten- oder Dreiviertelansicht die Sitzenden, seltsam stilisiert auch die Sprache ihrer Hände. Doch Gauguin hat nicht einfach Ägyptisches übernommen, seine Frauen sind aus einer anderen Zeit, sind sowohl Gegenwart wie mythische Vergangenheit.

Das Bild ist dünn gemalt, fast freskoartig direkt auf eine rohe Leinwand, kein Firnis hat es beeinträchtigt, die Oberfläche bleibt matt. Die Farben unglaublich kühn, schon früher beschäftigten mich die blauen und violetten Bäume, das Gelb des Kleides der Sitzenden rechts. Eine edle Ruhe geht von dem Bild aus, jede dieser Frauen hat ihr eigenes Geheimnis. Und der wunderschöne Titel: «Ta matete», man spricht ihn gerne. Ta matete, der Markt. Bei weitem nicht das einzige, aber doch eines meiner Lieblingsbilder. Dass es im Besitz des Basler Kunstmuseums ist und dort bleiben wird, stimmt mich froh.»

Ta Matete ist bis zum 28. Juni in der Fondation Beyeler in Riehen ausgestellt.

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