Märchenkönigin

Wegen Bschiss: Migros bricht Online-Voting zur Märchenkönigin ab

Die Märchenerzählerin Jolanda Steiner galt als eine der Favoritinnen, trat schon nach wenigen Tagen vom Voting zurück.

Die Märchenerzählerin Jolanda Steiner galt als eine der Favoritinnen, trat schon nach wenigen Tagen vom Voting zurück.

Mit einem Online-Voting wollten Migros-Magazin und Landesmuseum die Nachfolgerin der verstorbenen Schweizer Märchenkönigin Trudi Gerster finden. Doch jetzt haben sie das Voting abgebrochen – Kinder sollen über die Märchenkrone entscheiden.

Nicht weniger als 20 Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich seit vorletztem Montag auf der Webseite des Migros-Magazins zur Wahl. Darunter befanden sich in der Szene bekannte und unbekannte Erzähler. Von allen konnte man sich ein Video anschauen, auf dem sie das Engadiner Märchen «Die drei goldenen Schlüssel» erzählen.

Doch dann vermehrten sich über Nacht auf wundersame Weise die Stimmen von zwei Kandidatinnen. Manipulationsvorwürfe wurden laut. Im Forum äusserten sich aufgebrachte und irritiere User. «Hier kann es nicht mit rechten Dingen zugehen», war beispielsweise zu lesen. Nur wenige Tage nach dem Start standen so schon dunkle Wolken über der Abstimmung (aargauerzeitung.ch berichtete).

Denn eigentlich sollte man nur einmalig abstimmen können, wie die Migros zum Voting schrieb. Es war aber offensichtlich, dass mit technischer Manipulation, mit automatisierten Stimmen getrickst wurde. Eine Kandidatin trat zurück. Wenige Tage später schnellten plötzlich bei anderen Kandidaten, die deutlich im Hintertreffen lagen, die Stimmen in die Höhe. Einer mit einigen hundert Stimmen beobachtete, wie er innerhalb von 20 Minuten tausende dazu erhielt.

Vorwürfe werden lauter

Die Folge: Die Vorwürfe verstummten nicht, sondern wurden noch lauter. Eine zweite Kandidatin trat vom Voting zurück. Es schien beinahe, als würde eine böse Hexe ihr Unwesen treiben und Neid und Missgunst unter den Märchentanten, Märchenonkeln und ihren Fans säen.

Nun haben Migros und Landesmuseum die Notbremse gezogen. Auf der Webseite des Migros-Magazins schreibt dieses: «Da sich die Ereignisse in den letzten Tagen verschärft haben und wir aktuell nicht mehr hinter dem Ergebnis stehen können, haben wir beschlossen, das Voting abzubrechen.»

Die Migros bedauert die Vorfälle. «Unser Anliegen war es, der Erzählkunst eine Plattform zu bieten und die wunderbare Welt der Märchen bei den Menschen in Erinnerung zu rufen», schreibt sie. Es sei schade, dass «die Technik diesem Wettbewerb den Zauber genommen» habe. Mit diesem bitteren Ende hatte wohl niemand gerechnet.

Jetzt entscheiden Kinder

Der Abbruch heisst allerdings nicht, dass keine neue Märchenkönigin respektive ein neuer Märchenkönig ermittelt wird. Die Voting-Organisatoren wollen nämlich einen zweiten Anlauf nehmen. Ausgewählte Kindergarten- und Schulklassen aus verschiedenen Regionen sollen die Videos und Audiofiles bewerten. «Kinder sind ja bekanntlich die fairste Jury», schreibt die Migros, die doch noch auf ein klassisches Märchenende hofft im Sinn von: «Ende gut, alles gut!»

Meistgesehen

Artboard 1