Fall Gurlitt
War Gurlitts Bild von Matisse einst in Schliessfach Nummer 7?

Die Taskforce bestätigt: Gurlitts Matisse ist Raubkunst. Das war erwartbar. Spannender ist die Geschichte des Bildes, das einst Paul Rosenberg in Paris gehörte. Die Nazis raubten ihm 1940 mindestens 162 Bilder.

Sabine Altorfer
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Henri Matisse «Sitzende Frau».

Henri Matisse «Sitzende Frau».

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Welches Bild aus der Sammlung Gurlitt hat man am häufigsten gesehen? «Die sitzende Frau» von Henri Matisse. Man kennt das Bild mit Gelb-, Blau- und Rotstich, sieht es meistens nur in einem Ausschnitt als Querformat. Online-tauglich halt.

Dieser Matisse ist wohl eines der wertvollsten Gemälde, die man bei Cornelius Gurlitt in München gefunden hatte. Und es ist eines der wenigen Bilder, für die Erben von Nazi-Opfern Ansprüche angemeldet haben. Cornelius Gurlitt selber hat diesen Anspruch akzeptiert, die Verträge zur Rückgabe lagen im März unterschriftsreif bereit, als noch eine zweite Forderung auftauchte. Doch die scheint nichtig. Trotzdem wurde das Bild den Erbinnen des Pariser Kunsthändlers Paul Rosenberg noch nicht zurückgegeben.

Ihre Chancen steigen mit der Schlagzeile. Die Taskforce «Schwabinger Kunstfund» bestätigte offiziell, dass dieses Bild Raubkunst sei. «Auch wenn nicht mit letzter Sicherheit dokumentiert werden konnte, unter welchen Umständen Hildebrand Gurlitt in den Besitz des Werkes gekommen ist, so kommt die Taskforce zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Werk um NS-Raubkunst aus dem rechtmässigen Eigentum der Sammlung von Paul Rosenberg handelt», teilte die Taskforce-Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel mit.

Bild war in Görings Sammlung

Bekannt ist, dass das Bild kurz in der aus Raubkunst geäufneten Sammlung von Reichsmarschall Hermann Göring war. Wie es von dort zu Kunsthändler Hildebrand Gurlitt gelangte, ist unbekannt. Wie der Matisse aber in die Hände der Nazis gefallen sein könnte, kann man im Buch «Lieber Picasso, wo bleiben meine Harlekine» von Anne Sinclair nachlesen. Die Ex-Frau von Dominique Strauss-Kahn ist eine der beiden Rosenberg-Enkelinnen. Sie schildert, wie ihr Grossvater Paul Rosenberg, ein Freund von Picasso und Matisse, 1940 einen grossen Teil seiner Werke aus Paris nach Bordeaux in ein Schliessfach der Bank BNCI in «Sicherheit» brachte. Seite 46: «Sie wurden am 5. September 1941, als die Nazis den Safe Nr. 7 öffnen liessen, gestohlen und ins Musée Jeu du Paume geschickt. Göring brauchte sich nur noch zu bedienen.» Ob unter diesen 162 Werken von Cézanne, van Gogh, Léger, Monet und Matisse auch «Die Sitzende Frau» war, das hat Anne Sinclair entweder nicht herausgefunden oder nicht geschrieben.

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