Eine Nacht in Venedig

Theatergesellschaft setzt mit Strauss-Operette ein Denkmal

Annina, Pappacoda, Ciboletta und Caramello in ihren originellen Kostümen. Fotos: Peter Siegrist

Annina, Pappacoda, Ciboletta und Caramello in ihren originellen Kostümen. Fotos: Peter Siegrist

Mit «Eine Nacht in Venedig» bringt die Theatergesellschaft Beinwil am See Geschichten von Verführern und Verführten, mehr oder weniger standhafter Treue und von nicht selten doppelt und dreifach potenzierten Verwechslungen auf die Bühne.

Draussen schneits, doch drinnen, im Löwensaal, herrscht eitel Sonnenschein. Wir befinden uns in Venedig, zwar auch zur Winterszeit, doch sprühende Italianità und Carnevale bodigen jedwede tiefen Temperaturen. «Alle maskiert, wo Spass, wo Tollheit und Lust regiert . . .»

Die Handlung von «Eine Nacht in Venedig» ist ganz so, wie Operetten-Libretti sie zuhauf erzählen. Geschichten von Liebesfreuden, Verführern und Verführten, mehr oder weniger standhafter Treue und von nicht selten doppelt und dreifach potenzierten Verwechslungen. Auch wenn dies bestens bekannt, so ist das Geschehen doch immer wieder amüsant. Denn da ist ja, vor allem anderen, die Musik, sind die Ohrwürmer zum Schwelgen und Mitsingen: «Komm in die Gondel mein Liebchen oh, steige nur ein . . .»

«Eine Nacht in Venedig»: Besuch einer Probe bei der Theatergesellschaft Beinwil am See.

«Eine Nacht in Venedig»: Besuch einer Probe bei der Theatergesellschaft Beinwil am See.

Gegen 500 Walzer, Polkas, Mazurken, Galopps hat Johann Strauss geschaffen, dazu ein gutes Dutzend Operetten, von denen die meisten allerdings schon lange nicht mehr aufgeführt werden. Drei aber sind noch immer Höhepunkte auf vielen Spielplänen: die «Fledermaus», der «Zigeunerbaron» und «Eine Nacht in Venedig». Diese dritte führt die Theatergesellschaft Beinwil am See nun zum ersten Mal in ihrer 152-jährigen Vereinsgeschichte auf.

Ein Hauch von Fellini

Der Applaus nach der Premiere am Samstag wollte nicht enden. Nicht grundlos: «Mir ist auf einmal so eigen zumute. Irgendwas prickelt und kitzelt im Blute. Irgendwas trägt mich weit weg in Himmels Seligkeit . . .» – die Annenpolka im 2. Akt bringt auf den Punkt, wie man sich als Zuschauer und Zuhörer im Löwensaal fühlt. Die Begeisterung fängt beim Bühnenbild und der raffinierten Beleuchtung (Ueli Binggeli) an und mündet in Staunen ob der pfiffigen Szenenverwandlung bei offener Bühne.

Dann sind da die Kostüme, diese mitreissenden, opulenten Augenweiden, die Walter Joss und Vivat Techavanvekin geschaffen haben. Ob Solist, Statist oder Chormitglied – das Outfit jeder Figur ist ein Bijou für sich, geschaffen aus einem Füllhorn kreativer Fantasie und realisiert aus teilweise sehr edlen Stoffen mit liebevollen Details, Glitter und Glanz. Zum dritten Mal stellt Monika Wildi mit dieser Inszenierung in Beinwil ihr aussergewöhnliches Talent unter Beweis. Bewegung, Schrittfolgen, Tanz und Ruhe wechseln sich wohldosiert ab. Mit den Solistinnen, Solisten, Damen und Herren vom Chor zaubert Wildi fesselnde Bilder ins Bühnenbild. Verstärkt durch teilweise köstlich überzeichnete Masken und Frisuren (Monika Malagoli), erinnern sie, je länger der Abend, desto mehr an Figuren Federico Fellinis. «Ach wie so herrlich zu schaun, sind all die reizenden Fraun . . .» Dazu geben alle, die dort oben stehen, spürbar ihr Bestes. Das ist eine gehörige Portion an darstellerischem und stimmlichem Können.

Musikalisch erfreuen auch die Damen und Herren im Orchestergraben, wie sie unter Stabführung von Konrad Jenny das venezianische Volksleben, die unbeschwerte Heiterkeit und die Liebesglut in den einfallsreichen Strauss-Melodien wunderbar wiedergeben. Die Damen und Herren vom Chor überzeugen nicht nur gesanglich, sondern ebenso durch ihre leidenschaftliche Präsenz und ansteckende Spielfreude.

Temperament und komödiantisch

In dieser «Nacht in Venedig» stieben die Funken von der Bühne hinunter und entfachen im Publikum grosse Begeisterung. Wesentliches dazu tragen natürlich auch die Solistinnen und Solisten bei. In ihren Rollen sind sie trefflich besetzt und packen nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch. Daniel Zihlmann ist, die Frauen reihenweise verführend – «Treu sein, das liegt mir nicht. . .» –, ungewohnt dekadenter, aber gerade dadurch köstlicher Herzog. Ulla Westvik als Annina und Simone Rigling als Ciboletta führen ihre Männer mit Charme, Köpfen und Temperament mitreissend an der Nase herum. Thomas Leu ist zwar Zürcher, überzeugt aber als durch und durch italienischer Makkaronikoch.

Raphael Höhn als herzoglicher Barbier gefällt vor allem in seiner Eifersucht, die sein Meister in ihm entfacht. Sehr amüsant und bestens gelungen sind auch die komödiantisch-komischen Auftritte von Christian Jenny, Pascal Ganz und Peter Eichenberger, der drei alten Senatoren, ganz zu schweigen vom visuell überwältigenden Erscheinen ihrer Gattinnen.

Kurzum – sich sattsehen und satthören an dieser Aufführung fällt schwer. So tritt man denn nach drei Stunden – «Ninanana, Ninanana, hier will ich singen» in den Ohren – beglückt vom sonnigen Markusplatz hinaus in den verschneiten Löwenplatz.

Vorstellungen vom 22. Januar bis 3. März.

Ticketreservation www.theatergesellschaft.ch

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