Oltner Kabarett-Tage
Theater, Kabarett und Satire mit tieferer Bedeutung

Nicole Knuth erhält mit ihrer Bühnenpartnerin Olga Tucek den renommierten Preis Cornichon. Verliehen wird er an den Oltner Kabarett-Tagen im Mai. Doch wer ist die Bühnenkünstlerin mit dem klingenden Namen Knuth?

Rosmarie Mehlin
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«Rockstar unter den Satirikern»: Nicole Knuth.

«Rockstar unter den Satirikern»: Nicole Knuth.

Heike Grasser

In seinen 1974 erschienenen Memoiren «Mit einem Lächeln im Knopfloch» bekennt der grosse deutsche Schauspieler Gustav Knuth: «Nicole ist meine junge Liebe. Eines muss ich gleich dazugeben: Als Grossvater bin ich völlig blind und unzurechnungsfähig. Aber meine Enkelin Nicole ist auch wirklich ein ganz besonderer Schatz.» Nicole – den Namen verdankt sie der Schauspielerin und gleichnamigen Tochter von Johannes Heesters – war damals neunjährig und mitten hineingeboren ins Theatermilieu: Oma Gustl Busch war ebenso Schauspielerin wie Papa Klaus Knuth, Mama Hannelore Fischer und deren Onkel, der berühmte Wiener O. W. Fischer. «Für mich war immer klar, dass auch ich zum Theater gehen würde. Obwohl – als Kind immer nur um Schauspieler herum, war eigentlich langweilig, ausser um Opa Gustav. Mit ihm war es immer extrem lustig; er hat jeden ‹Saich› mitgemacht und ich habe ihn wahnsinnig geliebt.»

Nicole besuchte in Zürich die Schauspielschule, «allerdings die Regieklasse, um wenigstens ein bisschen etwas anderes zu machen als der Rest der Familie». Nach dem Abschluss blieb sie bewusst freiberuflich tätig. «Ich bewunderte Typen wie den abgründigen Puppenspieler Neville Tranter und wartete auf eine Eingebung.» Diese kam, als Nicole Knuth 2001 die Sängerin Olga Tucek traf, die beruflich ebenfalls auf der Suche war. Als Tucek für eine Unterhaltungseinlage an eine Geburtstagsfeier auf den Susten engagiert wurde, nahm sie Nicole kurzerhand mit. «Wir sangen reizende, liebenswerte Lieder. Danach beschlossen wir, auf unterschiedliche Anlässe ausgerichtete Soirees anzubieten. Wir begannen nebst den Liedern auch kleine Geschichten zu spinnen, humorvoll und versehen mit kleinen bösen Spitzen: Das Duo Knuth & Tucek war geboren.

Ein Dutzend Jahre später und acht abendfüllende Kabarettprogramme reicher, wurde heute bekannt gegeben, dass die beiden Zürcherinnen das diesjährige Cornichon, den renommierten Preis der Oltner Kabarett-Tage, bekommen. Zwei Jahren, nachdem sie mit dem nicht weniger begehrten Salzburger Stier ausgezeichnet worden waren. Wie fühlt man sich? Knuth strahlt: «Wir haben zwar ganz gut gelebt ohne diese Ehrungen, aber sie bereiten Riesenfreude. Besonders das traditionsreiche Cornichon ist ein wunderschönes Geschenk – «äs tschudderet mi diräkt.» Dies umso mehr, als seit 19 Jahren diese Ehre keiner Frau mehr zuteil geworden ist: 1988 war Elsie Attenhofer die erste Cornichon-Preisträgerin überhaupt, 1990 war die Auszeichnung an Cés Kaiser und Margrit Läubli verliehen worden. Danach wurden von Hanns Dieter Hüsch, Georg Kreisler, der Münchner Lach- und Schiessgesellschaft bis Massimo Rocchi, Andreas Thiel und Simon Enzler ausschliesslich Männer geehrt.

«Es gibt halt, objektiv, wenig Frauen in dieser Szene», versucht Knuth als Erklärung. Und wie umschreibt sie, wofür Knuth & Tucek das Cornichon bekommen? «Theatralische, spitze, musikalische Satire.» Dann trifft also der Titel «Rockstars unter den Satirikern» den Nagel auf den Kopf. Knuth lacht: «Also, Stars ... na ja. Allerdings – so ein bisschen Rock ’n’ Roll ist schon unser Ding. Zumindest versuchen wir es.»

2007 gelang Knuth & Tucek der Durchbruch: «Wir hatten zum ersten Mal an der Künstlerbörse in Thun teilgenommen und uns bewusst mit politischen Nummern präsentiert. Danach waren uns Tür und Tor geöffnet.» Besonders eingeschlagen habe in Thun eine Nummer rund um ein Bundesrats-Reisli, das nach Strassburg führen sollte, aber am Amazonas endete, «sehr absurd und ziemlich böse».

Gab und gibt es Vorbilder? «‹Die Pfeffermühle›, das legendäre deutsche Kabarett aus den 1930er-Jahren mit Therese Giehse, Klaus und Erika Mann. Deren Mut respektive was ich darüber gelesen und gehört habe, beeindruckt mich zutiefst. Im Gegensatz zu damals dürfen wir hier und heute ja alles sagen – und das muss man tun, sind Olga und ich überzeugt. Kabarett hält dem Publikum einen Spiegel vor, verführt und provoziert zum Lachen, Nachdenken genau wie das Theater auch.»

So ist Nicole Knuth den Weg gegangen, den ihr die Familie vorgezeichnet hatte, ganz besonders aber der geliebte Grossvater Gustav Knuth. «Er hatte mich schon als Kind mitgenommen zu den Dreharbeiten der Fernsehserie ‹Salto Mortale› und mir über die Dreharbeiten zu ‹Sissi› alles, was ich wissen wollte, genau geschildert. Aber auch meinen Grossonkel O. W. Fischer habe ich stets sehr bewundert – als Schauspieler und als Wiener, der zwar die Hälfte seines Lebens in einem riesigen Haus im Tessin lebte, das ‹Weanerische› aber nie aufgegeben hat. Wien war denn auch schon immer meine zweite Heimat.»

Oltner Kabarett-Tage: Anlässlich der 26. Oltner Kabarett-Tage (22. Mai bis 1. Juni) will sich das Kabarett in Olten in all seinen Schattierungen zeigen. Eröffnet wird das Festival am 22. Mai mit der Verleihung der Schweizer Kabarett-Preises Cornichon an Knuth und Tucek, zwei Satirikerinnen, die «mit bitterbösen Texten und virtuosen Stimmen» die Kleinkunst-Szene aufmischen. «Freiheit – ein Heimatfilmtheater» heisst das Programm, welches das Duo an der Preisverleihung am Eröffnungsabend zeigt.