Theater Basel

Das Kollektiv entert das Theater Basel: Dieser Spielplan verspricht einiges – trotz Corona

Richard Wherlock, Benedikt von Peter, Anja Dirks, Antú Romero Nunes, Inga Schonlau und Jörg Pohl stellen das Programm des Theaters Basel vor. Bild Nicole Nars-Zimmer

Theater Basel

Richard Wherlock, Benedikt von Peter, Anja Dirks, Antú Romero Nunes, Inga Schonlau und Jörg Pohl stellen das Programm des Theaters Basel vor. Bild Nicole Nars-Zimmer

Benedikt von Peter und sein Team legen einen vielversprechenden Spielplan vor und setzen in der Organisation neue Zeichen.

Benedikt von Peter schlüpft bei der Präsentation seines ersten Spielplans für das Theater Basel zuerst in die Rolle des Managers. Ein Stadttheater sei ein Grundversorger in Sachen Kunst, das Spielplanheft in einer «einfachen Sprache für alle» gehalten. Es gehe darum, der Ausdifferenzierung des Publikums gerecht zu werden.

«Alle sprechen von Öffnung, aber die kommt nicht einfach so, man muss dafür arbeiten», sagt der 43-jährige Intendant und Opernregisseur. Ihm eilt aus seiner Zeit in Luzern der Ruf voraus, das Theater mit Rauminszenierungen neu zu verorten und in den öffentlichen Raum zu tragen.

So explizit wie an der Reuss wird er diese Experimente am Rhein nicht praktizieren. Und doch: Als Zeichen der Offenheit setzt er an die Spielzeiteröffnung einen riesigen Tisch, der ums Theater mäandert. Das grosse Foyer wird im November zum «Foyer Public», einem von 11 bis 18 Uhr zugänglichen öffentlichen Raum mit Tanzbühnen, Bibliothek, Kinderecke und Theater-Café.

Die grosse strukturelle Änderung in Sachen Öffnung ist jedoch die: Er macht die Vermittlungsarbeit neben Oper, Theater und Tanz zur vierten Sparte, der grössten ihrer Art in der Schweiz. Neue Publikumssegmente sollen gezielt erschlossen werden. Beispielsweise die Expats mit einem englischen Programmheft und Expat-Apéros.

Anarchische Spekulation, sinnliches Denken

Auch in der Leitung des Hauses geht von Peter neue Wege. Wie in Zürich das Schauspielhaus, die Gessnerallee und der Neumarkt setzt der gebürtige Kölner auf ein gleichberechtigtes Leitungsteam. Richard Wherlock bleibt ihm im Ballett erhalten. Mit Anja Dirks, Antú Romero Nunes, Jörg Pohl und Inga Schonlau (siehe unten) kommt eine Crew mit spannender individueller Vergangenheit nach Basel, um das Schauspiel zu leiten.

Kollektive Führung und kollektive Entscheidungsfindungen werden als Abkehr vom Geniekult verstanden. Die neuen Leiterinnen und Leiter verstehen sich als «Laboranten eines Versuchs, in welchem anarchische Spekulation, fantastisches Spiel und sinnliches Denken Platz haben», führt Pohl aus.

Auch in der Zusammensetzung des Ensembles setzt man auf bewegliche, nicht hierarchische Strukturen. Es werden keine Gaststar-Gagen mehr bezahlt, die Entlöhnung erfolgt nach Alter der Mitglieder. Auch im Orchestergraben gibt es keinen Chefdirigenten mehr, sondern Ivor Bolton, Tito Checcherini, Clemens Heil oder Thomas Wise geben den taktgebenden Stock abwechselnd weiter.

Das Schauspielensemble wird mit 38 Namen aufgeführt, mehr Männer als Frauen. Die meisten dieser Schauspielerinnen und Schauspieler werden zwar in Basel oder Umgebung wohnen, neben der hiesigen aber noch weitere internationale Bühnen bespielen. Das Netzwerk spannt sich über den gesamten deutschen Bühnenraum, aber auch hier bekannte Gesichter wie Andrea Bettini, Carina Braunschmidt, Martin Hug oder Ueli Jäggi werden im Schauspiel auf der Bühne stehen. Bruno Cathomas wird kommende Saison zumindest für eine Inszenierung wieder nach Basel kommen.

Klingende Namen in der Oper und im Theater

Während Benedikt von Peter strukturell wuchtige Zeichen setzt, hält er sich mit seinen Inszenierungen noch zurück. Mit «Saint François d’Assise» von Olivier Messiaen wird er am 15. Oktober die Opernsaison eröffnen. Da wird erstmals sein Raumtheater zu erfahren sein, inklusive 45-minütiger, musikalischer Vogelpredigt. «Eine Waschmaschine für die Seele», kündigt der Regisseur an. Als zweite Arbeit von ihm holt von Peters seine bereits an mehreren Orten gezeigte «Traviata» nach Basel. Dabei steht Nicole Chevalier als Kameliendame ganz alleine auf der Bühne.

Wie er Oper versteht, zeigt von Peters aber auch mit Einladungen an Regie-Kollegen und -kolleginnen: Romeo Castellucci wird sein fulminantes «Requiem» nach Mozart hier neu inszenieren. Simon McBurney zeigt ein Gastspiel seiner «Zauberflöte», Herbert Fritsch inszeniert «Intermezzo» von Richard Strauss.
Dass in der Oper weniger Uraufführungen als im Schauspiel zu sehen sein werden, ist sicher auch der schwierigen Planung in Sachen Corona geschuldet.

Antú Romero Nunes, Hausregisseur für’s Schauspiel, zeigt mit Ovids «Metamorphosen», dem «Räuber Hotzenplotz», Tschechows «Onkel Wanja», Melvilles «Moby Dick» und der «Odyssee» gleich fünf Inszenierungen. Wobei die beiden letzteren aus seiner Zeit am Thalia Theater Hamburg stammen.
Klingende Namen, sowohl bei Stoffen wie Regisseuren, sind auch im Schauspiel zu finden.

Der FranzosePhilippe Quesne wird eine Space-Oper Namens «Cosmic Drama» kreieren, der New Yorker John Collins knöpft sich James Joyce’s «Ulysses» vor, Dürrenmatts «Physiker» werden im Kollektiv inszeniert, David Lindemann wir zeigen, was mit dem Titel «Das Ende der Welt, wie wir sie kennen» gemeint ist.

Richard Wherlock hat insgesamt fünf Ballett-Abende programmiert. Wobei eine Strassentanz-Inszenierung zur Eröffnung, vom Bahnhof SBB ins Theater, «Giselle» von Pontus Lidberg und das auf allen Bühnen stattfindende Tanz-Fest zu 20 Jahren Wherlock in Basel besonders hervorstechen.
Theater Basel

Programm und Vorverkauf unter www.theaterbasel.ch.

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