Baden
Schulkinder, die von Römern im Bäderquartier erzählen

25 Fünftklässler aus Wettingen haben sich vom Grabungsleiter Roger Fuchs durch die Ausgrabungsstätte in Baden führen lassen. Vor ein paar Tagen taten sie es ihm gleich und führten andere Klassen, Lehrer und Eltern durch die mit Fotos und Fundgegenständen nachgebaute Ausgrabungstätte im Schulhaus Altenburg.

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Römer

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Stadtanzeiger Baden

Melanie Bär

Nervös rückt Yves seinen Römerhelm hin und her. «Er ist unbequem und ich bin aufgeregt», sagt der 5-Klässler und blickt zur Gruppe, die sich ihm nähert. Noch stehen die Logopädin und ihre Tochter bei seiner Klassenkameradin und lassen sich das Vermessungsgerät erklären. Mit einem selbst hergestellten Metalldetektor suchen sie im Schulzimmer, das in einen Ausstellungsraum umgewandelt wurde, unter braunen Tüchern nach römischen Münzen.

Und dann steht die Gruppe vor Yves. Tapfer blickt der 12-Jährige in die Runde und beginnt vom Besuch der Ruinen zweier römischer Häuser im Bäderquartier zu erzählen. Er erklärt den anderen Schülern, dass die damaligen Häuser aus runden Bollensteinen gebaut und mit Mörtel zusammengehalten wurden. «Sie waren viereckig, in der Mitte der zwei Häuser befand sich ein Graben, der mit viel Kies gefüllt war. Auf den beiden Seiten hatte es einen Abwassergraben. So konnte das Wasser gut von der Strasse abfliessen und sich im Graben sammlen», beschreibt Yves eine typische römische Strasse.

Er zeigt seinem Publikum auch Funde, die in der Ausgrabungsstätte zum Vorschein gekommen sind: beispielsweise Keramikteile oder Knochen, die von Schweinen, Rindern oder Schafen - den Haustieren der Römer - stammen. Am Schluss der Führung brachte Yves eine durch die 5.-Klässler nachgebaute Fibel zum Vorschein, eine Art Sicherheitsnadel, die den Römern zum Zusammenhalten der Gewänder diente.

Beeindruckt verliessen die Logopädin und Tochter Silja Dietiker, die als Zeichnerin auf der Ausgrabungsstätte in Baden arbeitet, und ein sichtlich erleichterter Yves das Schulzimmer. «Es war gar nicht so schlimm. Nur das Anfangen war schwierig», sagt er, rückt seinen Helm zurecht und gesteht, dass er sich sogar auf seine zweite Führung freut. Dann darf er anderen Schülern aus dem Schulhaus von den Badener Römern erzählen.

«Diese Ausgrabungen sind einfach einmalig»

Dort, wo im Bäderquartier das neue Bad von Star-Architekt Mario Botta entstehen soll, führen seit vergangenem Sommer knapp 20 Mitarbeiter im Auftrag der Kantonsarchäologie Ausgrabungen durch. Der Grabungsleiter Roger Fuchs ist begeistert von den Ausgrabungen «Dependance Ochsen» und «Hinterhof» und seinen bisherigen Funden: «Ich habe noch nie ein so grosses und verschachteltes Objekt ausgegraben. Diese Ausgrabungen sind einfach einmalig.». Im Bäderquartier findet man Mauern mehrerer Zeitepochen übereinander.

«Es hat Ruinen neuzeitlicher Gebäude, die über mittelalterliche und römische gebaut wurden. Man hat auf die alten Mauern immer wieder neue Gebäude gebaut.» Normalerweise werden bei Ausgrabungen moderne und neuzeitliche Schichten und Mauern vorgängig entfernt bis auf die Archäologie, was beim Objekt im Hinterhof nicht möglich ist. Gefunden haben die Experten bisher römische Gebäude, in denen man u.a. medizinische Geräte fand und deshalb Arztpraxen vermutet.

Weiter fand man römisches Mauerwerk, eine römische Thermalwasserleitung, römisches Geschirr, Fibeln, Münzen, Tierknochen und, von den Archäologen als kleines Highlight bezeichnet, das Skelett eines neu- oder totgeborenen Kindes. Die Funde werden gereinigt und in ein Depot gebracht, wo sie später ausgewertet werden. Neu entdeckte Mauern oder Gebäude werden fotografiert, gezeichnet und beschrieben. Gibt es etwas Besonderes zu sehen, führt Roger Fuchs Interessierte - wie die Klasse aus Wettingen - auch gerne durch die Ausgrabungsstätte. Infos und Anmeldung unter Tel. 056 203 91 53.

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