Heiner Leuthardt

«Es war nicht Absicht, dass wir anlässlich unseres 20-Jahr-Jubiläums mit ‹Was Ihr wollt› wie vor zehn Jahren ein Stück von Shakespeare spielen», schmunzelt der Regisseur und Produktionsleiter der Muttenzer Rattenfänger, Danny Wehrmüller. Nein, dieses Stück habe er schon lange spielen wollen, und die Zusammensetzung des Ensembles erlaube es jetzt endlich. «Auch haben wir mit dem Karl Jauslin-Platz den geeigneten Platz gefunden. Ohne Spielort wird das Stück nicht gespielt.» Deshalb habe man auch schon auf Inszenierungen verzichtet, wie etwa beim Stück von Eugène Ionesco «Die Nashörner»: «Wir fanden einfach nicht die geeignete Werkhalle für unsere Inszenierung.»

Eigentlich aber ist dieser Fall eine Ausnahme, wenn man in die Geschichte der Rattenfänger blickt, die eine Erfolgsgeschichte ist. Ihre Wurzeln finden sich in der damaligen Jugendmusikschule Muttenz, die zu ihrem 25-jährigen Bestehen das Musical «König Johann und die blauen Hühner» schreiben liess. Als Regisseur verpflichtete man Danny Wehrmüller.

«Rattenfänger» auf dem Wartenberg

Bei der Inszenierung brauchte es nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene. Am Schluss engagierten sich rund 60 Personen. «Das Stück kam gut an», erinnert sich Wehrmüller. Und dies nicht nur beim Publikum, sondern auch beim Ensemble. Dieses war vom Theaterfieber gepackt. So folgten viele dem Aufruf, am Stück «Der Rattenfänger» von Carl Zuckmayer teilzunehmen. «Zuerst fanden viele, dass ich spinne, das Stück als Freilicht-Inszenierung auf dem Wartenberg zu machen. Doch dann machten sie mit.» Es war eine «absolute Riesenkiste», aber der Aufwand lohnte sich. «Der Rattenfänger reüssierte und es war klar, dass wir weitermachen.» Gesetzt war damit auch der Name der Truppe.

Glück habe man gehabt, dass sich nicht nur Schauspieler meldeten, sondern auch Leute, die hinter der Kulisse wirken, sagt Wehrmüller. Mehrheitlich engagieren sich damals wie heute Leute mit einem guten Bildungshintergrund. Noch immer sind sechs Personen aus der Gründerzeit aktiv. Danny Wehrmüller wünschte sich, dass sich vermehrt «einfachere» Leute melden oder an die Aufführungen gehen. «Wir brauchen auch sie», betont er. «Denn die Rattenfänger sind nicht nur für eine intellektuelle Elite gedacht, sondern sie sollen alle ansprechen.»

So ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass selbst die Schauspieler Aufgaben hinter der Kulisse übernehmen, wie etwa beim Bühnenaufbau. «Jeder hat sein Ämtli. Bei der Verteilung pickt sich jeder aus der Aufgabenliste das heraus, was ihn anspricht», erklärt Wehrmüller. Für ihn ist wichtig, dass jeder weiss, um was es geht und dass man sich einbringen muss. «Es gibt keinen Vereinsdruck, obwohl wir im dritten Jahr aus formalen Gründen einen Verein gründen mussten.»

«Wir Leben für das Theater», betont der Regisseur. Dazu gehören intensive Vorbereitungen vor und hinter der Bühne und ein hoher Probenaufwand. «Nur so können wir unserem Anspruch als anspruchsvolle Laienbühne gerecht werden.» Deshalb muss sich jeder, wenn er mitspielen will, zuerst einem Casting stellen. Nachwuchsprobleme haben die Rattenfänger kaum; wenn, dann eher auf Seiten der Männer. Aber mit über 70 einsetzbaren Personen in den verschiedensten Bereichen, wie etwa der Theaterbeiz, kann man die Belastungen gut verteilen.