Fränzi Rütti-Saner

Fast ein wenig aufgeregt sei sie, verriet Elisabeth Pfluger am Freitagabend in der Buchhandlung Lüthy in Solothurn. Grund dafür hatte sie wahrlich. Zu ihrem 90. Geburtstag am vergangenen Mittwoch hatten ihr Verleger Thomas Knapp und die Buchhandlung Lüthy zwei Tage später diesen Geburtstags-empfang organisiert, bei dem natürlich die Jubilarin selbst im Vordergrund stand, aber auch die Vernissage für das neueste Buch mit ihrem Schaffen stattfand.

Das neue Buch «Elisabeth Pfluger - ein Leben für die Volkskunde» hat sie für einmal nicht selbst verfasst. Hans Brunner aus Winznau sowie verschiedene andere Autoren porträtieren darin die umtriebige Härkingerin, die seit vielen Jahren in Solothurn lebt.

Im Buch sind aber nicht alleine ihre Lebensgeschichte und viele ihrer gesammelten Geschichten zu finden, sondern auch eine Reihe Solothurner Rezepte, die Küchenmeister Louis Bischofberger, Kreuz Egerkingen, und Manfred Suter, Suteria Solothurn, nachgekocht und nachgebacken haben, und die es - wie eingangs erwähnt - an diesem Abend zu verkos-ten galt.

Zunächst aber hielt «Stadtamme» Kurt Fluri vor dem zahlreich erschienenen Publikum eine Laudatio auf die Jubilarin. Es sei ihm als Solothurner Stadtpräsident eine grosse Ehre, eine derart prominente Gäuerin zu ehren. Fluri hob Pflugers unglaubliche Energie, ihre grosse Beharrlichkeit und ansteckende Begeisterung für die Solothurner Volkskunde hervor und meinte: «Dafür kann man ihr - und uns! - nur gratulieren.»

Er berichtete, dass er seit Kindheitstagen wisse, wer Frau Pfluger sei, obwohl er selbst nicht bei ihr die Schulbank gedrückt hatte. «Doch später durfte ich ihr an ihrem Solothurner Domizil - sinnigerweise am Gotthelfweg - als Aushilfsbriefträger die Post bringen.» Wir sollten ihr Werk als Verpflichtung sehen, in der heute so globalisierten Welt, uns wieder mehr um das Lokale, Regionale und Kantonale zu kümmern, so Fluri.

Dass Fluris Familie das Regionale, und damit den Solothurner Dialekt, hoch halte, bewies er, indem er erklärte: «In unserer Familie jedenfalls weiss man noch, was das bedeutet, wenn jemand tuuch ist.» Und auch Elisabeth Pflugers Spruch «Ein Fröid steukt hundert Sorge furt», freue ihn immer noch.

Landammann Klaus Fischer liess es sich nicht nehmen, Elisabeth Pfluger persönlich zu gratulieren. Sie habe die Seele des Kantons mit ihrer Arbeit am Leben erhalten, so Fischer. «Sie sind nicht nur eine herausragende Volkskundlerin, Sie sind auch eine besonders empfindsame und wortgewaltige Schriftstellerin».

Elisabeth Pfluger selbst meinte, sie habe nie erwartet, 90 Jahre alt zu werden. Doch eigentlich habe sie ja noch Material, um 20 oder 30 Jahre lang zu arbeiten. Und dann erfreute sie alle Anwesenden mit einem Potpourri einiger politischer Müsterli, in denen «die Schwarze, die Gääle und die Rote» gehörig ihr Fett weg bekamen.

«Elisabeth Pfluger - ein Leben für die Volkskunde». Von Hans Brunner. 145 S. ill. Olten, Knapp Verlag. Fr. 34.-