Eröffnung

Neues Theater am Bahnhof gegen die rauen Zeiten

Symbolhaft zum Dornacher Bahnhof hin geöffnet; das Neue Theater.

Symbolhaft zum Dornacher Bahnhof hin geöffnet; das Neue Theater.

Die Einweihungsfeier des Neuen Theaters am Bahnhof in Dornach war geprägt von der aktuellen Spardebatte im Kanton Baselland. Für die Kultur herrschen raue Zeiten, doch das Theater will auch für die Zukunft ein Gefäss für Kunst bieten.

Das neue Haus steht an der Endstation der längsten Tramlinie der Welt und direkt am Bahnhof Dornach. Eine wunderbare Lage. Das Haus war bis zur letzten Sekunde vor der Einweihung noch im Bau, man sass auf Stühlen der Gemeinde, die Parkettsessel werden erst in einigen Wochen montiert. Den Theatermachern bietet der Bau für die Region Birsstadt eine grosse Chance der Begegnung und der Kunst. Im Zentrum der Schlüsselübergabe vor übervollem Haus am Samstag standen aber nicht die finanziellen Sorgen wegen ausstehenden Zahlungen des Kantons Baselland. Die Leiterin des Theaters, Johanna Schwarz, antwortete auf die Frage nach ihrer Befindlichkeit wegen der Restfinanzierung genau so, wie sie seit Jahren arbeitet: ausdauernd, geduldig, zuversichtlich, energiegeladen.

Natürlich sei die Situation belastend, aber sie vertraue darauf, dass es noch gut komme, sagte Schwarz. Ihre sachliche Zuversicht prägt sie. Als kurliger Hauswart führte Urs Bihler locker durchs Programm, er sagte, es herbstele, der Wind habe gedreht, man müsse sich wärmer anziehen, die «Wintergäste» gebe es auch nicht mehr. Und er dankte unter Applaus einem der Geburtshelfer des Hauses, der nun nicht mehr so viel zu sagen habe, nämlich Niggi Ullrich, der kürzlich in Pension gegangene Kulturchef des Kantons Baselland.

Gschwind liess sich entschuldigen

Die neue Regierungsrätin und Kulturdirektorin des Kantons Baselland, Monica Gschwind, war an der Feier nicht anwesend. Sie liess sich entschuldigen von ihrem Solothurner Amtskollegen Remo Ankli, der die noch fehlenden Finanzen auch ansprach. Dabei würden gerade im Theater «Geld und Geist» wunderbar zusammen gehen, Gotthelf sage, wo der Geist eine Heimstatt habe, könne das Geld sehr wohl zum Segen werden. Ankli betonte, das Haus stehe auf der Grenze der Kantone und zweier Gemeinden, es sei ein Ort der Begegnung wie der Bahnhof selbst. Die Solothurner Regierung werde auch die geplante Zusammenarbeit mit dem Theater Biel-Solothurn finanziell unterstützen. Die Bühne sei, wie es Oscar Wilde nenne, der Treffpunkt von Kunst und Leben.

Der Dornacher Gemeindepräsident Christian Schlatter sprach den äusserlichen Wandel der Gemeinde an. Alte Einfamilienhäuser würden oft durch mehrgeschossige Blöcke ersetzt. Schlatter lobte die Architektur des Neuen Theaters. Das Aussehen sage etwas aus über die Menschen, die darin arbeiten oder leben. Die symbolhafte Öffnung zum Bahnhof und zur Öffentlichkeit hin gefalle ihm sehr. Markus Eigenmann, für die Bildung zuständiger Gemeinderat von Arlesheim, sprach von vielen gemeinsamen Anliegen und Projekten mit Dornach, der Betriebsbeitrag Arlesheims ans Theater würde weitergeführt und könne nach Möglichkeit aufgestockt werden.

Der Architekt des neuen Hauses, Heinz Jeker, erwähnte, es habe zahlreiche finanzielle Schwierigkeiten gegeben, das Budget sei aber eingehalten worden. Er betonte die Ausrichtung des Hauses zum Dornacher Bahnhof hin. Man habe eingeschossig bleiben müssen, dafür habe man in die Tiefe gebaut. Und es sei viel für die nun gute Akustik getan worden.

Theater gegen Rauheit

Daniel Urech von der Stiftung Kultur am Bahnhof betonte den Zukunftsaspekt des Baues und er dankte speziell den Theatermachern Johanna Schwarz und Georg Darvas, die mit gewaltiger Energie und Motivation über so viele Jahre hinweg an das Ziel geglaubt hätten und die den Funken erst hätten springen lassen. Johanna Schwarz bewegte mit ihrer Ansprache den Saal: Es seien raue Zeiten für die Kultur, aber das Theater wolle gegen Rauheit angehen. Das Theater sei ein Transformationsgefäss von Publikum und Künstlern. Hier im Theater geschehe eine Verwandlung und es würden Impulse gesetzt. Der Bau sei für die kommenden Generationen, sie wolle diesen Ort hüten und die Kunst begleiten, Kunst müsse das Mass aller Dinge sein.

Das Theater öffnete am Sonntag dann erstmals mit einem Fest und Führungen fürs Publikum, die weiteren Nutzer stellten sich vor (Forum Schwarzbubenland und Café Neues Theater), gegen Abend hatte das Kabarett Birkenmeier einen Auftritt sowie die Pelati Delicati.

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