Solothurn

Kirchen, Klöster und Kapellen

Grosse Unbekannte: Die St.Ursenkathedrale wird den Autorinnen am meisten zu tun geben. Der prächtige Bau ist nämlich - entgegen gängigen Annahmen - nur schlecht erforscht.

St.-Ursen-Kathedrale

Grosse Unbekannte: Die St.Ursenkathedrale wird den Autorinnen am meisten zu tun geben. Der prächtige Bau ist nämlich - entgegen gängigen Annahmen - nur schlecht erforscht.

Kurz nach Erscheinen des zweiten Kunstdenkmälerbandes über die Stadt Solothurn im vergangenen Herbst hat die Kantonale Denkmalpflege mit den Arbeiten am dritten und letzten Band begonnen. Nach den Profanbauten stehen jetzt die Kirchen, Klöster und Kapellen im Mittelpunkt.

Katharina Arni-Howald

De von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK) herausgegebene Trilogie über die Stadt Solothurn ist Teil eines nationalen Projektes, das zum Ziel hat, Baudenkmäler und deren Ausstattung von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert wissenschaftlich zu erforschen. Unter dem Übertitel «Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn» erschien 1994 die Publikation über die Stadtanlage und deren Entwicklung.

Im vergangenen Herbst konnte diese durch ein reich illustriertes Nachschlagewerk über die städtischen Profanbauten ergänzt werden. Vor einem Monat haben nun die Kunsthistorikerinnen Johanna Strübin und Christine Zürcher unter der Federführung der kantonalen Denkmalpflege die Arbeit am dritten Band über die städtischen Sakralbauten aufgenommen.

Projekt wurde zurückgestellt

Eigentlich war geplant, die Arbeiten über die städtischen Sakralbauten bereits Ende 2007 in Angriff zu nehmen. Zu dieser Zeit lag das Manuskript über die Profanbauten vor und konnte der GSK zur Weiterverarbeitung überreicht werden. «Leider kam alles anders als wir dachten», erinnert sich der kantonale Denkmalpfleger Samuel Rutishauser an eine schwierige Zeit.

Kurz nach Aufnahme der Arbeiten erkrankte Markus Hochstrasser schwer, und eine neu eingestellte Mitarbeiterin stellte fest, dass die Aufgabe einer Kunstdenkmäler-Inventarisierung nicht ihren Vorstellungen entsprach. Diese Situation führte nicht nur dazu, dass das Projekt der Inventarisation zurückgestellt werden musste, sondern dass die Denkmalpflege allgemein in einen personellen Engpass geriet.

«Heute sind die personellen Ressourcen wieder vorhanden, und wir können mit dem Projekt weiterfahren», freut sich Rutishauser und ergänzt: «Wir brauchen diesen Band dringend, denn die Inventarisierung der historischen Baudenkmäler ist nicht nur für unsere tägliche Arbeit ein wichtiges Arbeitsinstrument, sondern auch kulturpolitisch von grosser Bedeutung.» Es sei wichtig, zu wissen, was an historischer Bausubstanz vorhanden sei, auch wenn Kritiker immer wieder die Sinnfrage in den Vordergrund rückten und bemängelten, dass solche Projekte zu viel Geld verschlingen würden.

Bauliche Kultur erforschen

«Die von der GSK an die Hand genommene flächendeckende Inventarisierung der schweizerischen Kunstdenkmäler ist europäisch gesehen einzigartig», lobt Rutishauser die Gesellschaft, deren Ziel es ist, bauliche Kultur zu erforschen und sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. «Es ist erstaunlich, dass das in unserem föderalistischen Staat überhaupt funktioniert.»

Für Rutishauser ist es klar, dass nach Vorliegen des Manuskripts in ungefähr fünf Jahren endlich auch die Stadt Olten an die Reihe kommen soll, denn: «Im oberen Kantonsteil herrscht nicht eitel Freude, dass die Solothurner nun schon zum dritten Mal an der Reihe sind.»

Klare Richtlinien für die Arbeit

Dass die beiden zu je 60 Prozent angestellten Autorinnen in den nächsten Jahren noch hart arbeiten müssen, steht ausser Zweifel. Es bestehen klare Richtlinien, wie bei der Arbeit vorgegangen werden muss. Johanna Strübin und Christine Zürcher werden vor allem im Staatsarchiv anzutreffen sein, aber auch die Zusammenarbeit mit den städtischen und kantonalen Bauämtern wird viel Zeit in Anspruch nehmen.

Vorgesehen ist, jeden Bau separat zu bearbeiten. Als umfangreichstes Objekt bezeichnen Zürcher und Strübin die St.-Ursen-Kathedrale. Diese sei - entgegen gängigen Annahmen - schlecht erforscht. Aber auch das St.-Ursenstifts-Archiv werde eine Fundgrube für neue Erkenntnisse sein.

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