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Jugendkrimi: Sprung neben eine Leiche

Julian, ein Freerunner, ist die Hauptfigur des Buchs. (Symbolbild)

Julian, ein Freerunner, ist die Hauptfigur des Buchs. (Symbolbild)

Die Ostschweizer Autorin Alice Gabathuler legt mit «Freerunner» einen weiteren fesselnden Jugenkrimi vor.

Julian ist ein Freerunner. Einer von jenen, die von Gebäude zu Gebäude springen, durch die Luft wirbeln und verrückte Stunts machen. Er ist gut darin. Trotzdem misslingt ihm ein Sprung und er landet hart auf dem Boden. Direkt neben einer Leiche. Nicht irgendeiner Leiche. Es ist Hartmann. Der Besitzer des Areals, auf welchem Julian mit seinen Freunden am liebsten seine Stunts übt. Wer hat Hartmann umgebracht? Was hat Jazz, das Mädchen, in das Julian verliebt ist, damit zu tun?

Mit diesem Anfang zieht einen Alice Gabathuler direkt mitten in die Geschichte. Jedes Wort sitzt und ein Film läuft vor meinen Augen ab, während ich die ersten Seiten lese. Eigentlich während ich das ganze Buch lese, denn Alice Gabathuler schreibt kein Wort zu viel und schafft es über knapp 220 Seiten eine Spannung aufzubauen, die einen das Buch kaum mehr weglegen lässt.

Menschen, die sonst selten vorkommen

Wie so oft bei Gabathuler spielen Macht, Herkunft und Vorurteile eine wichtige Rolle. Punks,  Freerunner, Immigranten und Immobilienhaie sind auf der Liste der Verdächtigen. Wer hat das stärkste Motiv? Wie können sich die wehren, die nicht so viel Macht und Geld haben? Wird am Ende eine unschuldige Person bestraft?

Das sind Fragen, die ich mir während des Lesen gestellt habe und die der Geschichte auch eine gewisse Tiefe geben. Während andere Autorinnen und Autoren erst langsam verstehen, was es bedeutet, Vielfalt in ihren Büchern zu repräsentieren, hat Gabathuler das schon immer gemacht und Menschen Raum gelassen, die sonst zu wenig Präsenz in Jugendbüchern und Büchern allgemein bekommen. 

Um die Geschichte zu erzählen, hat sie sich für zwei Perspektiven aus der dritten Person entschieden. Zum einen Julian, der seine emotionale Sicht mit uns teilt. Zum anderen den jungen Polizisten Marek, der selbst mal Freerunner war und daher versteht, was in den Jugendlichen vorgeht. Zwei gelungene Perspektiven, die der Geschichte unterschiedliche Blickwinkel geben und sich ergänzen.

«Freerunning» ist ein fesselnder Jugendkrimi, der interessante Themen aufgreift und das Machtgefälle innerhalb unserer Gesellschaft aufzeigt und kritisiert. Vor allem aber auch gute Unterhaltung bietet.Die preisgekrönte Autorin streut gekonnt falsche Spuren, so dass man von der Auflösung am Ende überrascht wird. Actionreich, emotional und fesselnd geschrieben. Jugendliche, aber auch Erwachsene werden hier auf ihre Kosten kommen. Ich empfehle das Buch allen Fans von Ursula Poznanski, Karen M. McManus und Harlan Coben.

Der 17-jährige Muttenzer Gymnasiast Josia Jourdan betreibt den erfolgreichen Blog «I Love Books» auf www.josiajourdan.ch

«Freerunning» Alice Gabathuler, 240 Seiten, Verlag: Books on Demand.

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