Das Virus und wir

Im falschen Film

28 Tage nach dem ersten Covid19-Fall ist Basel unheimlich leer.

28 Tage nach dem ersten Covid19-Fall ist Basel unheimlich leer.

Katastrophenfilme haben schon immer gewusst, dass es mit uns ein böses Ende nimmt: Das ist nicht halb so lustig, wenn es tatsächlich passiert.

Vor einem knappen Monat hat das Coronavirus auch die Stadt Basel erreicht – kurz nach dem ersten Schweizer Fall im Kanton Tessin. Das Virus stelle ein moderates Risiko für die Bevölkerung dar, erklärte damals Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG): Die medizinischen Einrichtungen seien darauf vorbereitet. Eine milde Diagnose, bedenkt man die Einschränkungen, die unser Stadtbild 28 Tage später beherrschen.

28 Tage später – so heisst auch der Endzeitfilm von Danny Boyle, der den Zombies 2002 das Rennen beibrachte. Gerannt wird in Basel ebenfalls, am Rhein drängeln sich die Joggerinnen und Jogger. Und in der Innenstadt: geschlossene Läden, leere Strassen, verwaiste Plätze. Kein Grund also, sich «28 Days Later» anzusehen, auch wenn dort alles eine Nummer grösser ist. Der Velokurier, der nach einem Koma in einem virenverseuchten London erwacht, reibt sich genauso verdutzt die Augen wie wir. Allerdings darf er danach büschelweise Papiergeld einsammeln, das der postapokalyptische Wind über den Asphalt weht.

Die Aufnahmen wurden frühmorgens oder am Abend gedreht, eine mobile Strassenblockade hielt den Verkehr jeweils so lange auf, bis die einzelnen Stadtansichten gefilmt waren. Das war kurz vor dem Attentat vom 9. September 2001. Heute geht so etwas nur noch mit digitaler Trickserei – oder einem Ausnahmezustand, wie er London aktuell in eine echte Geisterstadt verwandelt. Regisseur Danny Boyle hält die Spannung hoch, bis ein kleiner Trupp Überlebender auf dem Land ein Picknick hält, unter einer strahlenden Ambient-Wolke von Brian Eno.

«An Ending» heisst das irritierend schöne Stück des britischen Musikers, von dem sich «28 Days Later» nicht beeindrucken lässt. Der Film sucht noch eine ganze Stunde weiter nach dem richtigen Ausgang, um alle Ungepflogenheiten des Genres zu bedienen und irgendwie zu einem Ende zu finden, das sein Publikum nicht allzu sehr deprimiert. Von einem solchen Ende scheinen wir selbst noch weit entfernt, in dem spärlich besuchten und zu dunklen Film, der derzeit unser Alltag ist. Aber irgendwann wird das Licht angehen und wir sehen uns wieder – um eine Erfahrung gemeinsamer.

Meistgesehen

Artboard 1