Mein Lieblingswerk

Hubertus Adam: «Ein Gemälde, das die Schönheit der Stadt feiert»

Max Beckmann: Das Nizza in Frankfurt am Main (1921), Öl auf Leinwand,1939 mit einem Sonderkredit der Basler Regierung erworben.

Max Beckmann: Das Nizza in Frankfurt am Main (1921), Öl auf Leinwand,1939 mit einem Sonderkredit der Basler Regierung erworben.

Hubertus Adam, Direktor des Schweizerischen Architekturmuseums in Basel, wählt Max Beckmanns «Das Nizza in Frankfurt am Main» als sein Lieblingswerk im Kunstmuseum in Basel.

Üppige mediterrane Vegetation vor der Kulisse von Frankfurt am Main: Die «Nizza» genannte Parkanlage liegt direkt am nördlichen Mainufer. Max Beckmann, der sich nach den traumatischen Kriegserfahrungen im Ersten Weltkrieg in Frankfurt niedergelassen und 1920 Sachlichkeit als Prinzip gefordert hatte, schildert die Szenerie detailreich: die Kaimauer aus dem typischen rötlichen Sandstein, das Frühbeet der Gärtner, das Gleis der Hafenbahn, die gründerzeitlichen Häuser.

Die leicht taumelnden Häuser lassen einen expressionistischen Gestus anklingen. Faszinierend für mich ist aber vor allem die fast magisch-traumhafte Darstellung der Stadtlandschaft mit ihren verfremdeten Farbtönen, dem fast surrealen Gegenüber von mediterranen Pflanzen und mitteleuropäischer Architektur und dem rätselhaften Fluggerät am Himmel. Ganz sonderbar mutet auch die in den Himmel verrutschte Signatur des Künstlers an. Ein Gemälde, das zwischen Realismus, Expressionismus und Surrealismus irrlichtert – und die Schönheit der Stadt feiert.

Hubertus Adam ist Direktor des Schweizerischen Architekturmuseums Basel.

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