Ausstellung
Ein Kinderspiel für neugierige Erwachsene

Vor dem Umbau der ehemaligen Stettler-Villa an der Murgenthalstrasse hat sich die Künstlergruppe 4+4 mit den leerstehenden Räumlichkeiten auseinandergesetzt – und eine einmalige Ausstellung geschaffen.

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"4+4"

"4+4"

Solothurner Zeitung

Jana Fehrensen

Keine Unterstützung durch den Kanton

Die Liegenschaft an der Murgenthalstrasse gelangte als Schenkung einer gemeinnützigen Stiftung in den Besitz der Genossenschaft Solidarität. Im nächsten Jahr soll die ehemalige Stettler-Villa umgebaut werden (wir berichteten, siehe zudem Text oben). Jedoch wird es Änderungen am Projekt und am Zeitplan geben, da die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern trotz früheren Zusagen für das Jahr 2010 keine Mittel für den Betrieb bewilligte. So starte «Solidarität» vorerst nur mit dem Bed & Breakfast-Betrieb - die Pasta-Produktion werde zurückgestellt, bis ein besserer Kostendeckungsgrad erreicht werde, erklärte Kurt Bachmann, Chefarzt Psychiatrie im SRO-Spital Langenthal. Die Anzahl der bewirtschafteten Zimmer wird dafür von 10 auf 14 erhöht und ein Seminarraum das Angebot sinnvoll ergänzen. Bei der Zimmereinrichtung hofft die Genossenschaft auf die Hilfe der lokalen Wirtschaft. Statt Nummern werden die Zimmer dann den Namen des Sponsors tragen. Die Innovationsbereitschaft der Genossenschaft hob auch Regierungsratspräsident Hans-Jürg Käser in seiner Ansprache lobend hervor. Dieses Projekt sei sehr wichtig für das Zusammenleben der Menschen, und er wünsche dabei gutes Gelingen. (jfl)

Es ist, als ob man in die Kindertage zurückversetzt würde. Man macht sich auf die Entdeckungstour durch ein fremdes Haus, guckt neugierig in die Schubladen, späht durch die halb geöffneten Türen und entdeckt Neues, Unbekanntes und Geheimnisvolles. Kunsthaus-Leiterin Fanni Fetzer verglich in ihrer Ansprache an der Vernissage den Besuch der «4+4»-Ausstellung denn auch mit diesem altbekannten Kinderspiel, das selbst im Erwachsenenalter nichts von seinem Reiz verloren hat.

Nur: Diesmal werden die Entdeckungen nicht dem Zufall überlassen, sondern die acht beteiligten Künstler lenken mit ihren Arbeiten bewusst den Blick des Betrachters und beeinflussen seine Wahrnehmung.

Hier sind feine Tuschmalereien in den Teppich eingelassen, da hängt an der Wand ein grosses Porträt der letzten Hausbewohnerin, des Fräuleins Glur. Im Musiksalon lauscht man einer Ventilatoren-Sinfonie und die Schuhinstallation im Schlafzimmer lässt die Einsamkeit der einstigen Bewohnerin erahnen.

Im Kreise von vier Künstlern

Die ganze Ausstellung ist mit einer geheimnisvollen Aura umwoben. Die Idee der künstlerischen Auseinandersetzung mit den leeren Räumlichkeiten ist im Kreis der vier befreundeten Künstler, Christoph Hauri, Max Hari, Marco Eberle und Ewald Trachsel, entstanden. Seit mehreren Jahren treffen sie sich regelmässig und tauschen sich aus.

Zu diesem speziellen Ausstellungsprojekt hat jeder von ihnen noch einen befreundeten Künstler eingeladen (deshalb 4+4). Und so sind in der aktuellen Ausstellung auch noch die Werke von Thomas Hannibal, Mirjam Gottier, Jonas Etter und Raffaella Chiara zu bewundern.

Neue Ära nach der Kunst

Nach dem künstlerischen Intermezzo bricht in der Stettler-Villa eine neue Ära an. Die Genossenschaft Solidarität mit ihrem Präsidenten Kurt Bachmann plant dort ein Bed & Breakfast einzurichten - mit dem Ziel, unter fachkompetenter Leitung psychisch erkrankten Menschen einen Arbeitsplatz zu bieten und ihnen so zu ermöglichen, später eine Anstellung in der Gastronomie zu finden.

Es werden bis zu zwölf Personen einen Platz im Beschäftigungs- und Reintegrationsprogramm finden. Sie sollen einerseits im geplanten Bed & Breakfast, andererseits in der Pasta- und Lebensmittelproduktion ihren Einsatz finden.

Ausstellung «4+4»: 23.8. bis 6.9.; Murgenthalstrasse 5; Öffnungszeiten: Fr 18 bis 20 Uhr; Sa/So 14 bis 18 Uhr.

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