Solothurn
Dieses Didgeridoo war der Clou

Tolles Wetter, tolle Bands und eine entsprechende Stimmung – soweit fast alles gut am 13. Street-Music-Festival. Doch ein bisschen mehr Pu-blikum hätten sich die idealistischen Organisatoren doch noch gewünscht.

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Festival

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Solothurner Zeitung

Die letzte Stunde dieses Samstags hatte es in sich: Die Leute wippten auf dem Platz schon fast entrückt zu dem, was sich auf der Bühne tat, sogar Peter Bichsel klatschte begeistert im Takt mit. Das Quintett Äl Jawala aus Freiburg im Breisgau groovte, was das Zeug hielt, berückte mit einem Mix aus Gipsy- und Klezmer-Sound. Und was Daniel Pellegrini seinem Didgeridoo entlockte, war schon von der fast unheimlichen Art: Das urige Röhren, im Stakkato virtuos abgesetzt, sorgt für das Aha-Erlebnis des Abends. «Wir wollten die Formation schon vor drei Jahren buchen, sie sagte aber dann kurzfristig wegen eines Gigs in Rumänien ab.» Martin Wagmann, im OK für die Bühnentechnik und Musik zuständig, versuchte es nochmals - für 2000 Franken statt der verlangten Euro bekam er zuletzt das Okay aus Deutschland. Die Band brauchte ihr Kommen nicht bereuen: Die euphorischen Fans kauften gegen 60 Äl-Jawala-CDs - «so was habe ich noch nie erlebt», staunte Wagmann.

Ein Hauch von Louisiana

Sehr solid präsentierte sich die Zürcher Combo Marc & The Boiled Crawfish, die 1999 als erste Cajun- und Zydeco-Band gegründet worden war. Der Zydeco als Cajun-Adaption der Mulatten und Afrikaner in den US-Südstaaten besticht durch seine Rhythmik und brachte das Volk im Winkel erstmals auf Trab. Die einheimische Eigebröi Street Band löste ihre Gastgeber-Rolle souverän, hat sich doch das bläserstarke Oktett nochmals weiterentwickelt und die Bandbreite an originellen Stücken erweitert - zwischendurch wähnte man sich gar am Amazonas statt an der Aare. Einziger Wermutstropfen für Band-Mitglied Martin Wagmann: «Trotz massiver Werbung kamen weniger Leute als auch schon, und es waren eher neue Gesichter, statt die der treuen Festivalfans zu sehen.» Vor allem aber hätten etliche nach dem Essen das Konsumieren eingestellt - «die Festwirtschaft erzielte nur etwa 70 Prozent des Umsatzes von Spitzenjahren», musste das OK-Mitglied etwas ernüchtert feststellen. Auf rund 20 000 Franken beläuft sich das Gesamtbudget des Festivals - aber auch nur, wenn dank gutem Wetter auf die Zeltmiete verzichtet werden kann. Doch meistens müssen die fünf Idealisten im OK, Stefan Zingg - zuständig für die Festwirtschaft und die 50-köpfige Helferschar - Martin und Paul Wagmann (Finanzen), Marion Barak (Sponsoring) und Bernhard Studer (Öffentlichkeitsarbeit) trotz guten Sponsorenkontakten auf die Defizitgarantie von Stadt und Lotteriefonds zurückgreifen.

Versöhnlicher Abschluss

An der Sonntags-Matinee hellten sich dann die Mienen der OK-Mitglieder auf: Die renommierte Formation der Ambass Town Jazz Band hat in Solothurn noch immer ein treues Publikum, das auf den hochklassigen Dixie-Sound der einheimischen Cracks steht. Doppelt so viele Leute wie sonst fanden sich diesmal zur Matinee ein - trotzdem: Obs zu einem 14. Street-Music-Festival kommt, steht auch nach dieser gelungenen Auflage noch in den Sternen. Denn der Aufwand ist für das kleine OK riesig. (ww)