Kunsthaus Baselland

Der Zurückhaltende und die Konstruktive

In zwei Einzelausstellungen präsentieren sich sehr unterschiedliche Künstlerpositionen: Bruno Jakob und Edit Oderbolz

Manchmal zeigt sich das Charakteristische eines Kunstwerks in der Gegenüberstellung, und erst durch den Kontrast mit dem ganz Andern tritt dann das Besondere hervor. Das wird in der aktuellen Doppelausstellung im Kunsthaus Baselland deutlich, das (noch) in den ehemaligen Fabrikhallen an der Birs beheimatet ist. Da ist Bruno Jakob (*1954 in Jegenstorf), der seit Jahrzehnten in New York lebende Schweizer, der sich in Zeichnungen, Malerei, Fotografien, Objekten, aber auch in Performances ausdrückt. Und da ist die in Basel lebende Künstlerin Edit Oderbolz (*1966 in Stein am Rhein), die den dreidimensionalen Raum mit Objekten und Installationen gestaltet.

Erster Werksüberblick

An das Vorhaben, die beiden einzeln zu präsentieren und ihre künstlerischen Haltungen miteinander zu kombinieren, hat sich Kunsthaus-Direktorin Ines Goldbach als Kuratorin herangewagt. Denn unterschiedlich ist auch der Charakter der beiden Einzelausstellungen: Während Bruno Jakob im Parterre und Obergeschoss erstmals überhaupt einen Jahrzehnte überspannenden, umfangreichen Überblick präsentiert, zeigt Edit Oderbolz im Untergeschoss zwei kürzlich entstandene Installationen, die ihr aktuelles Schaffen widerspiegeln.

Er denke nicht ans Publikum oder an Ausstellungen, wenn er arbeite, sagt Bruno Jakob, der Zurückhaltende, Stille, den ein breiteres Publikum 2011 erst durch seine Teilnahme an der Biennale in Venedig kennenlernte. Sein Gesamtwerk wurde vor vier Jahren durch eine Überflutung seines Depots in New York und den Brand seines Atelierhauses in Aarburg übrigens stark dezimiert. Das älteste im Kunsthaus Baselland ausgestellte Werk stammt von 1968, während das neueste noch gar nicht existiert, obwohl bereits etwas davon zu sehen ist: Eine Ansammlung von leeren Bechern, Gläsern und Kesseln weist auf eine öffentliche «Malerei-Performance» hin, die Bruno Jakob im Oktober mit Künstlerfreund Hans Witschi aufführen wird.

Radikal persönlich

Überhaupt gehen seine Werke oft spielerisch mit dem Unsichtbaren um. Zudem beziehen sie die Natur und das Vergehen der Zeit mit ein, sind radikal persönlich und damit nicht immer leicht zugänglich – sodass sie manchmal auch den reinen Akt des Malens und des Zeichnens selbst dokumentieren. Dann werden die einzelnen Werktitel wichtig: So tragen Ordner mit Hunderten von Bleistiftzeichnungen vom Sommer 1983 den Titel «Meine sichtbaren Gedanken während der heissen Zeit». Oder der Künstler gruppiert Pinselzeichnungen auf Papier nach den Namen der Wasserquellen – aber auch diese Blätter sind unsichtbar, eingebunden in dicken Buchbänden. Und bei den mehrmals übermalten monochromen Bildern lässt sich nur erahnen, wie sie Bruno Jakob genau ausgeführt hat.

Melonen und Zeitungen

Ganz anders dagegen wirken die raumgreifenden, fast begehbaren Werkkomplexe von Edit Oderbolz, die sie für diese Ausstellung konzipiert hat. Deutlich wird, dass sich die Künstlerin für die gebaute Architektur, aber auch für das organische Wachsen von Strukturen interessiert – und den Raum selber konstruktiv gestalten will. Die Installation «Now Rain, Now Sun» zeigt eine Landschaft aus grüngelben Melonen und zeltförmig aufgestellten Zeitungen, die von weissen Tüchern flankiert sind. Und «Pose» besteht aus einer raumgreifenden, elegant geschwungenen Gitterinstallation aus schwarz lackiertem Armierungsstahl, das eine luftig-leichte Stimmung verbreitet – wie die Künstlerin sagt, soll einen dieses Werk «durch den Raum führen».

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